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Fische steigen jetzt Treppen

Auf der obersten Stufe: Jörg Berlin hat das Konzept für die 50 Meter lange Fischtreppe in Kienbaum erstellt. Von der Stauanlage im Liebenwerder See fließt das Wasser über 13 Stufen und Becken in das Mühlenfließ, das zur Löcknitz führt.
Auf der obersten Stufe: Jörg Berlin hat das Konzept für die 50 Meter lange Fischtreppe in Kienbaum erstellt. Von der Stauanlage im Liebenwerder See fließt das Wasser über 13 Stufen und Becken in das Mühlenfließ, das zur Löcknitz führt. © Foto: MOZ
Manja Wilde / 13.10.2010, 08:09 Uhr
Kienbaum (In House) Der Fischverkehr durch das Verwaltungsgebäude des Bundesleistungszentrums in Kienbaum ist Vergangenheit. Im Zuge des Neubaus hat der Wasser- und Landschaftspflegeverband eine neue Fischtreppe eingerichtet. Sie führt am Gebäude vorbei.

Die Strecke Mühlenfließ – Liebenberger See muss bei Fischen beliebt sein. Jedenfalls haben die Wasserbewohner während der Bauphase ihres neuen Fischpasses auf dem Gelände des Bundesleistungszentrums in Kienbaum Schlange gestanden. „Sie hatten sich im Tosbecken versammelt und wollten schon nach oben“, sagt Thorsten Weidner. Er ist der Geschäftsführer des mit dem Bau beauftragten Wasser- und Landschaftspflegeverbandes „Untere Spree“.

Jetzt ist das Projekt fertig. Über 13 Stufen und Wasserbecken können die Fische und andere Lebewesen die 1,20 Meter Höhenunterschied zwischen See und Fließ, das in die Löcknitz mündet, passieren. „Pro Becken überwinden wir zehn Zentimetern“, erklärt Weidner. Außerdem können sich die Fische hinter großen Feldsteinen ausruhen und Kraft sammeln, um die nächste Stufe zu nehmen. „Sie springen ja nicht, sondern schwimmen gerade hinein in die Becken“, weiß der Landschaftspfleger.

Der Bau der Fischtreppe steht in Zusammenhang mit dem Neubau des Verwaltungsgebäude des Leistungszentrums. Vor dessen Abriss führte der einzige Abfluss des Liebenberger Sees direkt unter dem Haus hindurch. In früheren Zeiten trieb das Wasser dort ein Mühlenrad an. Später richtete Weidners Verband einen einfachen Fischpass ein. „Das Gerinne war nur einen halben Meter breit, dadurch gab es öfter Beschwerden über zu hohe Wasserstände in Kagel“, sagt der 50-Jährige. Das könne nun nicht mehr passieren. Nicht nur, dass die Schwelle breiter ist. Parallel zur Fischtreppe verläuft eine Hochwasserentlastungsanlage.

Das Rohr mit einem Durchmesser von einem Meter war eine Forderung der Oberen Wasserbehörde. Steigt der Pegel im Liebenberger See, wird es zusätzlich geöffnet. Die Fischtreppe stellte die Untere Naturschutzbehörde als Bedingung für den Neubau des Gebäudes. Sie gewährt die ungehinderte Passierbarkeit der Gewässer – wichtig, da die Löcknitz zu den besonders geschützten Flora-Fauna-Habitaten der Europäischen Union gehört.

Das Konzept für die gut 50 Meter lange Fischtreppe erstellte Verbandsplaner Jörg Berlin. Die Fotos in seinen Unterlagen dokumentieren die Abschnitte des Projektes, das das Leistungszentrums rund 140 000 Euro kostete. Nachdem das Gebäude abgerissen war, blieb zunächst das Gerinne bestehen – so lange, bis die Rohre und Schächte für die Hochwasseranlage in der Erde lagen. Es folgte der Graben für die Fischtreppe, deren Ränder Wasserbausteine sichern. Beides mündet im Tosbecken. „Darin können die Fische verschnaufen und das bei Hochwasser einschießende Wasser austosen“, erklärt Jörg Berlin.

Ob der neue Pass hält, was er verspricht, soll sich im Frühjahr zeigen. Dann wird ein Biologe alle Fische zählen, die von unten nach oben steigen.

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