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Zahl der Pkw-Neuzulassungen in der EU sinkt

In Westeuropa blieb die Pkw-Nachfrage unter den hohen Vorjahreswerten. Doch in in den asiatischen Märkten, Russland und den USA legten die Verkaufszahlen wieder stärker zu.
In Westeuropa blieb die Pkw-Nachfrage unter den hohen Vorjahreswerten. Doch in in den asiatischen Märkten, Russland und den USA legten die Verkaufszahlen wieder stärker zu. © Foto: dpa
15.10.2010, 15:44 Uhr - Aktualisiert 15.10.2010, 15:52
Brüssel/Berlin (dapd) Der weltweite Absatz von Personenkraftwagen ist auch im September auf Wachstumskurs geblieben. Insbesondere in den asiatischen Märkten, Russland und den USA legten die Verkaufszahlen wieder stärker zu. In Westeuropa dagegen blieb die Pkw-Nachfrage unter den hohen Vorjahreswerten, wie der Branchenverband VDA am Freitag in Berlin mitteilte. Jedoch zeichnet sich hier eine Verlangsamung der Absatzrückgänge ab, wie es hieß.

In Indien stiegen die Autoabsätze im September um knapp 29 Prozent, im bisherigen Jahresverlauf lag das Absatzplus bei 32 Prozent. Auf dem chinesischen Markt legten die Verkäufe um 22 Prozent zu. Seit Anfang des Jahres wurden dort über 8 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert (+38 Prozent). In Indonesien (+69 Prozent) und Thailand (+60 Prozent) nahm der Autoabsatz in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres ebenfalls kräftig zu. Auf dem US-Markt wurden im September gut 956 000 Autos und leichte Nutzfahrzeuge verkauft, 28 Prozent über dem Vorjahreswert.

Die Autoverkäufe in Europa sind im September dagegen den sechsten Monat in Folge gesunken. Wie der Verband der Europäischen Autohersteller (ACEA) in Brüssel mitteilte, verringerte sich die Zahl der verkauften Neuwagen in den 27 Staaten der Europäischen Union um 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat auf 1,228 Millionen. In den ersten drei Quartalen 2010 gingen die Neuzulassungen in der EU damit um 4,3 Prozent auf 10,251 Millionen Fahrzeuge zurück.

Im September wurden Absatzrückgänge auf allen großen Märkten verzeichnet: Am stärksten gingen dabei die Neuzulassungen in Spanien zurück (minus 27,3 Prozent), gefolgt von Deutschland (minus 17,8 Prozent), Italien (minus 18,9 Prozent), Großbritannien (minus 8,9 Prozent) und Frankreich (minus 8,2 Prozent). Den stärksten Einbruch innerhalb der EU verzeichnete mit einem Minus von 49,9 Prozent der Automarkt Griechenlands. Besonders starke Zuwächse wurde hingegen in Irland (plus 93,9 Prozent) und Lettland (plus 79,6 Prozent) registriert, was ACEA zufolge an der niedrigen Vergleichsbasis im Vorjahr lag.

Die Volkswagen-Gruppe verkaufte im September in Europa 4,3 Prozent weniger Autos, weltweit liefen die Geschäfte aber rund. Der Konzern lieferte in den ersten neun Monaten insgesamt 5,37 Millionen Autos aus und steigerte den Absatz damit um 12,7 Prozent auf einen Rekordwert. Der BMW-Konzern setzte europaweit 0,4 Prozent mehr Neuwagen ab, bei Daimler legte der Autoabsatz sogar um 6,2 Prozent zu.

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Matthias Hasberg 20.10.2010 - 17:54:05

VDA: Absatzrückgang von zehn Prozent ist „verhaltene Entwicklung“

Deutschland würdigt der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit keinem Satz. Die Pkw-Nachfrage sei weltweit auf Erholungskurs, vor allem in den USA, Russland und Asien stabilisierten sich die Märkte wieder. „In Westeuropa blieb die Pkw-Nachfrage hingegen erwartungsgemäß noch unter den prämiengestützten hohen Vorjahreswerten“, schwadroniert der Verband. Das ist eine interessante Einschätzung, denn der zuvor so herausgehobene „weltweite Erholungskurs“ machte sich im September in Europa, einstmals Heimatmarkt der Branche und noch immer wichtigster Produktionsstandort, mit minus zehn Prozent im Absatz bemerkbar. Zahlen für Deutschland nennt der VDA erst gar nicht. Und das hat auch seinen Grund, wie ein Blick auf die Mitteilungen des Kraftfahrtbundesamtes zeigt. Die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland ging im September im Vergleich zum Vorjahresmonat um 17,8 Prozent auf knapp 260 000 Wagen zurück, auch das Monatsergebnis von 2008 – vor Krise und Abwrackprämie – wurde nicht erreicht. Deutschland belegt damit EU-weit Platz 2, gleich hinter Griechenland. Ein Großteil der Zulassungen entfällt dabei in Deutschland nicht einmal auf Privatleute, sondern auf Firmen- und Dienstwagen. Ihr Anteil liegt aktuell bei 63 Prozent, 20 Prozentpunkte höher als 2009 – ohne Dienstwagenprivileg sähe der Automarkt in Deutschland also eher düster bis verheerend aus. So legte beispielsweise der Verkauf der Luxuslimousine Audi A6 um 115 Prozent zu. Dieser Erfolg ging aber nahezu ausschließlich auf das Konto der Dienstwagen – der gewerbliche Anteil lag laut Flensburger Behörde bei 90,9 Prozent. Auch der 5er BMW weist für die Industrie erfreuliche Zulassungszahlen auf (+ 40,2 Prozent), aber auch hier ist der Erfolg ein Kind der Subventionen: Mehr als vier von fünf Wagen wurden von Unternehmen gekauft, nicht von Privatleuten. Und der Volkswagen-Konzern, der sich momentan in rekordverdächtigen Absatzzahlen sonnt, stünde ganz anders da, würde ihm der Steuerzahler nicht unter die Arme greifen: Das Wolfsburger Erfolgsmodell Passat ging im September zu 90 Prozent an Firmenkunden, 25 000 Euro sind für eine Familie wohl doch ein ziemlich dicker Brocken. Unternehmen hingegen können die Kosten komplett steuerlich geltend machen und so der Allgemeinheit aufdrücken. Die Zahlen zeigen also einmal mehr: Das Wachstum der deutschen Autohersteller wird zu einem großen Teil von Subventionen getragen. matt

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