Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ein Leben nach 227 Regeln

Die Mönche Sudhammo und Phra Boo in ihrem buddhistisches Kloster in Schöneiche. Foto: Bernhard Schwiete
Die Mönche Sudhammo und Phra Boo in ihrem buddhistisches Kloster in Schöneiche. Foto: Bernhard Schwiete © Foto: MOZ
Bernhard Schwiete / 18.10.2010, 19:13 Uhr
Schöneiche (In House) Das mönchische Leben hat durchaus auch angenehme Seiten. Egal, ob ihm nach einer Tasse dampfenden schwarzen Tees ist oder ob ihm der Magen knurrt – Leif Krumnack muss nur kurz sein Begehren äußern, und schon bald darauf bringt ihm eine fleißige Dame das Gewünschte. Er selber hat sich schon vorher im Lotussitz auf einem kleinen Teppich auf dem hölzernen Mönchsgestell im Esszimmer des Klosters niedergelassen, wo er sich dann stärkt. „Als Mönche dürfen wir nicht selber kochen“, sagt Krumnack.

In Schöneiche nennt sich der 34-jährige Sudhammo. Unter fünf buddhistischen Mönchen ist er der einzige Deutsche. Seit zwei Monaten leben sie in ihrem Kloster im ehemaligen Hort an der Brandenburgischen Straße. „Unser Muttertempel aus der Nähe der thailändischen Hauptstadt Bangkok hat das Anwesen gekauft“, sagt Sudhammo. Auf einem etwa 
5500 Quadratmeter großen Grundstück haben die Mönche 1000 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung – viel Platz für fünf Menschen. Doch bei dieser Zahl soll es nicht bleiben. „Ich will beim Aufbau des Klosters helfen. Eines Tages könnten hier auch mal Nonnen leben. Wir wollen uns zu einem Meditationszentrum entwickeln und Kurse anbieten.“

Dass er mit seinen vier Gleichgesinnten in Schöneiche landete, ist zu einem großen Teil dem Zufall geschuldet. Sudhammo selber, der zwölf Jahre in Thailand lebte und in dieser Zeit zum Buddhismus konvertierte, stammt aus Bremen. „Unser Tempel wollte in der Nähe von Berlin Fuß fassen, um sich von dort weiter auszubreiten. Der Kontakt nach Schöneiche kam dann über das entsprechende Immobilienangebot im Internet zustande“, erzählt der Mönch.

Auch, wenn die Geistlichen dieser Tage sogar nur zu zweit sind – drei der Thailänder mussten wegen Visaproblemen vorübergehend abreisen – sind sie im Ortsbild von Schöneiche regelmäßig präsent. Zwei Mal pro Woche stehen sie vor dem örtlichen Edeka-Markt, um Almosen von den Passanten zu erbitten. „Wir nehmen aber nur Lebensmittel, kein Geld“, sagt Sudhammo. An den anderen Tagen der Woche sucht er mit seinen Kollegen zu diesem Zweck Supermärkte in Rahnsdorf und Friedrichshagen auf – mit ihren erdfarbenen Roben, die sie sich kunstvoll um den Körper binden, fallen sie hier wie dort sofort auf. „Wir dürfen nur geschenktes Essen zu uns nehmen. Das ist eine der Regeln, die wir beachten müssen“, sagt Sudhammo. Die Schöneicher seien jedoch freigiebig genug, damit die Mönche keinen Hunger leiden.

Wenn die Buddhisten um 9 Uhr vor dem Supermarkt auftauchen, haben sie bereits einen langen Tag hinter sich. Um 4 Uhr stehen sie auf. Der Tag beginnt mit der Morgen-Puja – die Mönche rezitieren Texte zu Ehren Buddhas. Es folgt eine Stunde Meditation, ehe das Kloster saubergemacht wird. Nachmittags sind Sudhammo und seine Kollegen derzeit vor allem mit der Sanierung ihres neuen Zuhauses beschäftigt.

Dort stehen jederzeit jedem die Tore offen. „Wir freuen uns über Besucher“, sagt Sudhammo. Sogar über Nacht könnten Gäste bleiben. Neugierige gibt es bereits. „Wir wollen einfach mal gucken, wie die Mönche hier leben“, sagt Christel Matz aus Schöneiche, als sie mit ihrer Tochter Heidrun Plaul aus Fredersdorf und mit einem kleinen Geschenk bei den Buddhisten vorbeikommt.

Wer tatsächlich als Mönch im Kloster leben will, der bekommt zwar Essen geschenkt und zubereitet, muss aber auch vieles beachten. „Die Buddhisten haben in ihrem Glauben fünf Regeln, wir als buddhistische Mönche aber 227“, erzählt Sudhammo. Alle zwei Wochen werden die entsprechenden Verse rezitiert. „Zum Beispiel gibt es ein Zölibat.“ Doch die Vorschriften sind noch strenger. „Wir dürfen Frauen nicht berühren. Denn wenn wir zum Beispiel einer jungen Frau die Hand geben, könnte das ja mit einem Hintergedanken verbunden sein“, sagt Sudhammo.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG