Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Mehr Fahrten und neue Straßenbahnen

Straßenbahn der  Flexity-Reihe von Bombardier 2010 Berlin
Straßenbahn der Flexity-Reihe von Bombardier 2010 Berlin © Foto: moz
Detlef Klementz / 19.10.2010, 19:22 Uhr - Aktualisiert 19.10.2010, 21:40
Strausberg (In House) Andreas Gagel zeigte im jüngsten Hauptausschuss gleich mehrere Varianten auf, um das ÖPNV-Angebot zu verbessern. Der Geschäftsführer der Strausberger Eisenbahn machte dabei deutlich, dass täglich vier zusätzliche Fahrten in den Abendstunden 
15 000 Jahreskilometer mehr bedeuteten und somit erheblich auf die Kosten drücken würden. Sein Vorschlag: zwei zusätzliche abendliche Fahrten im 40-Minuten-Takt, was deutlich günstiger sei. Aber nicht kostenneutral, wie Stadtverordnete gefordert hatten. Auf einen entsprechenden Hinweis von Christel Kneppenberg (SPD) erinnerte Gagel an den deutlich gesunkenen Zuschuss der Stadt – von 436 000 Euro im Jahre 2003 auf inzwischen nur noch 125 000 Euro – einschließlich Strausseefähre. Das erweiterte Angebot, das zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember in Kraft treten soll, sei nicht zum Null-Tarif zu haben, betonte Gagel. Über den Anteil der Stadt werde er mit der Verwaltung reden. Im Übrigen werde man sich genau anschauen, wie das zusätzliche Angebot angenommen werde, um möglicherweise nachzubessern.

Meinhard Tietz (Die Linke)begrüßte gestern im Namen der rot-roten Kooperation die „Fortschritte bei der Umsetzung des Beschlusses der SVV ausdrücklich“. Die vorgeschlagenen zwei Zusatzfahrten würdigte er als den „richtigen Weg“. Gerade in der kalten Jahreszeit werde die Straßenbahn von den Bürgern genutzt. Zudem werde so ein „wichtiger Beitrag der Stadt für den Klimaschutz geleistet“.

Als einen solchen Beitrag kann auch die angekündigte Großinvestition des Unternehmens gewertet werden. Wie Andreas Gagel im Hauptausschuss dazu ausführte, will er zwei Niederflur-Straßenbahnen der Flexity-Reihe von Bombardier (Typ GT6-08) erwerben. Die Fahrzeuge haben an jedem Ende einen Führerstand und bestehen aus jeweils fünf Modulen. Mit gut 30 Meter sind sie etwa so lang wie die betagten Tatra-Züge.

Gagel rechnet mit einer Gesamtinvestition von mehr als fünf Millionen Euro. Der genaue Preis stehe noch nicht fest, sagt er. Auf jeden Fall sei er vergleichsweise günstig, da die Züge im Rahmen eines Großauftrags der Berliner Verkehrsbetriebe gefertigt werden könnten. „Die Bestellung nur zweier Bahnen wäre für uns unbezahlbar gewesen“, ergänzt Betriebsleiter Uwe Kunath.

In Berlin sind Flexity-Bahnen seit September 2008 im Linienbetrieb unterwegs. Man habe dort vier verschiedene Typen getestet und sich dann entschieden. „Wenn die für Berlin gut sind, dann sind sie ganz bestimmt auch für Strausberg gut“, sagt Gagel. Eine dieser Bahnen wird in Strausberg am 29. Oktober zu einem zweiwöchigen Probebetrieb erwartet. „Wenn wir danach zufrieden sind, und davon gehen wir aus, werden wir zwei dieser Bahnen bestellen“, sagt Uwe Kunath.

Eingesetzt werden sie in Strausberg allerdings erst ab 2014. Das hängt unter anderem auch damit zusammen, dass die Fördermittel für die alten Wagen für
20 Jahre ausgereicht waren.

Andreas Gagel weiß, dass er das möglicherweise auch ohne Zuschüsse vom Land stemmen muss. Daher hat er zuvor abgewogen, die drei alten Tatra-Züge von 1988 noch einmal aufarbeiten zu lassen. Das würde aber an die drei Millionen Euro kosten, hat er durchrechnen lassen. Und mit Blick auf die technische Entwicklung und den gebotenen Fahrkomfort bezweifelt er den Erfolg. Schließlich hätten die alten Bahnen dann nochmals so etwa 20 Jahre fahren müssen. Da überwiegt bei dem Geschäftsführer deutlich die Skepsis.

Ebenso wie beim gleichfalls erwogenen Kauf von gebrauchten Straßenbahnen. Denn bei denen müsse man zwangsläufig von deutlich höheren Betriebs- und Reparaturkosten als bei den Neuanschaffungen ausgehen, sagt Andreas Gagel.

Die Straßenbahn will mit dem Fahrplanwechsel ihr Angebot um zwei Fahrten in den Abendstunden verlängern. Außerdem kündigte Geschäftsführer Andreas Gagel den Kauf von zwei neuen Zügen an.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Bernd Sachse 20.10.2010 - 14:56:26

Glückwunsch zum Ergebnis der Diskussion

Vor der Sommerpause hatten die Stadtverordneten den entsprechenden Beschluss gefasst und sofort gab es im Vorfeld der Beschlussfassung ablehnende Reaktionen aus der Eisenbahn GmbH. Die sich anschließenden Diskussionen und die Prüfung der wirklichen Möglichkeiten erbrachten ein positives Ergebnis und ein Umdenken in der Städtischen Gesellschaft. Hier gehen eindeutig die Fahrgäste der Straßenbahn aus einem Meinungsstreit als Sieger hervor. Herzlichen Glückwunsch! Natürlich steht nun noch der endgültige Beschluss der SVV aus aber da gibt es Grund zum Optimismus, das es eine Verlängerung der Betriebszeiten ohne einer Ausdünnung an anderer Stelle geben wird. Im Hauptausschuss hatte ich den Eindruck, dass es über die Stimmen der Kooperation, aus der Fraktion DIE LINKE und SPD, zustimmende Signale gibt. Auch die geplante Investition in die Straßenbahn begrüße ich dabei ausdrücklich. Durch die höhere Auslastung der Fahrzeuge macht sie sogar nun noch mehr Sinn. Ich würde mich freuen, wenn in Zukunft an erster Stelle die Prüfung der Machbarkeit und die dafür notwendigen Schritte stehen würden. Das schließt ja eine letztliche Ablehnung von Vorschlägen nicht aus. DIE LINKE geht so an die Lösung kommunalpolitischer Themen heran.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG