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Hochadel in Beerbaum

© Foto: klaus-peter rudolph
hans peter rudolph / 19.10.2010, 16:50 Uhr
Beerbaum (In House) Von Klaus-Peter Rudolph

Wenn sich deutscher Hochadel in einem kleinen Brandenburger Dorf versammelt, muss es einen triftigen Grund haben. Am Sonntag gab es so einen Grund im 110-Seelen-Dorf Beerbaum: Die neue Grabplatte auf dem Grab von Gräfin Sophie Juliane Friederike von Dönhoff wurde feierlich enthüllt.

Die am 17. Oktober 1768 im ostpreußischen Beynuhnen geborene Gräfin kam 1789 als Hofdame von Königin Friederike Luise an den preußischen Hof. Bereits ein Jahr später, am 11. April 1790, wurde sie dem preußischen König Friedrich Wilhelm II. „zur linken Hand“ angetraut. Danach war sie eine „Zweitfrau“, deren Kinder nicht das königliche Erbe antreten durften. Sie war eine aparte Erscheinung, die wegen ihrer jugendlichen Gestalt bei Hof „Hebe“ genannt wurde. Darüber hinaus war sie eine begabte Pianistin und Sängerin.

Bald traten starke Differenzen zwischen den Eheleuten auf, und die Trennung folgte schon im Juni 1792. Die kluge Gräfin hatte versucht, sich in politische Angelegenheiten einzumischen, was der König generell ablehnte. Obwohl die Ehe nur sehr kurz gewesen war, entstammten ihr zwei Kinder: Friedrich Wilhelm Graf von Brandenburg (1792-1850), der spätere preußische Ministerpräsident, und Gräfin Sophie (Julie) von Brandenburg (1793-1848). 1805 hatte die Gräfin für 
106 000 Taler das Rittergut Beerbaum einschließlich der Nebengüter Gratze erworben. Sie widmete sich als couragierte Gutsherrin der Landwirtschaft. 1817/18 ließ Julie Gräfin von Dönhoff das Schloss in Beerbaum erbauen. 1818 wurde das „Chateau“ fertig gestellt. Die Gräfin war auch für ihre Untertanen aktiv. Sie baute Schule und Wohnhäuser für die Dörfler. Am 28. Januar 1834 starb sie mit 
66 Jahren. Sie wurde zunächst auf dem Töllberg, heute Veilchenberg genannt, unter einer Linde beigesetzt. Später wurde ihr Leichnam zur jetzigen Ruhestätte auf dem Ehrenfriedhof in Beerbaum umgebettet.

Zu DDR-Zeiten verfielen Grab und Friedhof. Nach der Wende wurden der schmiedeeiserne Zaun sowie zwei Grabkreuze vom Ehrenfriedhof entwendet. Die Grabkreuze waren für Emil Fleck und dessen Ehefrau Caroline aufgestellt worden. Der Ökonomierat Fleck hatte sich besonders als kluger Landwirt einen Namen gemacht.

Neben einer neuen Grabplatte, die vom Künstler Otto Schack mit historischen Lettern und Wappen gestaltet und von dessen Sohn in Marmor graviert wurde, wurden auch zwei neue Grabkreuze für das Ehepaar Fleck enthüllt. Sie sind aus Mooreiche, einem Holz, das hart wie Metall ist und allen Witterungseinflüssen trotzt. Es ist uninteressant für Metalldiebe und deshalb wohl dauerhafter.Zur kleinen Feierstunde auf dem Friedhof hatte Ortschronistin Martina Brandenburg viele illustre Gäste eingeladen. Darunter der letzte Eigentümer des Gutes Beerbaum Wendt Graf von Pückler mit Ehefrau und Tochter. Pückler war ein Nachkomme der Gräfin Dönhoff. Der heute 78-Jährige hatte das Gut durch die Bodenreform verloren. Die Familie lebt heute in Frankfurt am Main. Neben den Pücklers waren auch Christian Graf von Dönhoff-Hatzfeld und Hubertus Graf von Dönhoff aus Berlin gekommen. Sie sind direkte Nachkommen der Gräfin. Bürgermeister Michael Busch würdigte in einer kurzen Ansprache die Verdienste der Gräfin und Pfarrer Thomas Brilla sprach noch einmal mit den Gästen das Vaterunser. Im Anschluss begaben sich die Gäste in die Kirche Tempelfelde zu einer Feierstunde.

Für Ortschronistin Martina Brandenburg war diese Veranstaltung erst der Auftakt einer umfangreichen Arbeit: „Der Ehrenfriedhof soll wieder ein würdiger Platz für unsere verdienstvollen Vorfahren werden. Demnächst muss ein neuer Zaun errichtet und das Gelände angemessen gestaltet werden.“

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von und zu 21.10.2010 - 07:55:44

viel Wirbel um vergängliches

...nicht so viel Wind machen um diese Leute. Es sind genauso Menschen gewesen und nichts besseres. Eine Grabstelle wird gekauft und die Liegezeit beträgt bis max. 20 Jahre. Danach ist sie zu beräumen oder jährlich nachzukaufen ... und ... "zu pflegen". Ganz einfach; gleiches Recht für alle Menschen!

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