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Erdöl direkt von der Oder

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Dietrich Schröder / 19.10.2010, 17:55 Uhr
Küstrin (In House) Dass an der Oder, genauer gesagt im PCK Schwedt, Erdöl im großen Stil verarbeitet wird, ist weithin bekannt. Weniger bekannt dagegen dürfte sein, dass dort auch einige kleinere Erdölvorkommen abgebaut werden.

Seit 2002 leuchtet zwischen Küs­trin-Kietz und Neu Manschnow eine kleine Fackel über das Oderbruch. Besonders nachts ist sie weithin sichtbar. Pro Tag werden dort rund 60 Tonnen Erdöl gefördert. Die Menge ist laut dem Weltmarktpreis von gestern um die 40 000 Dollar beziehungsweise 28 250 Euro wert. Das Erdöl aus Küstrin-Kietz, jährlich rund 20 000 Tonnen, wird zur Weiterverarbeitung nach Schwedt transportiert. Sozusagen als Nebenprodukt treten täglich rund 20 000 Kubikmeter Erdgas an die Oberfläche. Die wiederum werden aufbereitet und einem Blockheizkraftwerk zugeführt, das unter anderem ein Wohngebiet und eine Gärtnerei in Manschnow mit Wärme versorgt.

Mit der Fackel – die oft auch als „ewiges Feuer“ bezeichnet wird – werden Ausgasungen am Förderort entsorgt. Doch ewig wird dieses Feuer nicht brennen. Das Vorkommen dürfte in etwa fünf Jahren erschöpft sein. Dass es überhaupt erschlossen und genutzt wurde, hängt mit den weltweit steigenden Rohstoffpreisen zusammen. Dadurch werden auch kleinere Vorkommen interessant.

Derzeit arbeiten bei Küs­trin-Kietz zwölf Mitarbeiter im Drei-Schicht-System. Mit der Übernahme ihres einstigen Unternehmens – der EEG Erdgas-Erdöl GmbH – durch die Gaz-de-France-Suez-Gruppe im Sommer 2008 sind sie zu Beschäftigten eines der weltweit führenden Energieunternehmen geworden.

Auch östlich der Oder in Polen werden schon seit einigen Jahren Erdöl und Erdgas gefördert, und zwar bei der Stadt Debno (Neudamm), nordöstlich von Küstrin. Doch auch das Oder-Warthe-Feld, das zwar bei Küstrin-Kietz beginnt, sich aber weit unter dem Grenzfluss entlang zieht, ist jetzt für die Nachbarn interessant geworden. Als Ergebnis von Erkundungsarbeiten in der Nähe des Dorfes Kamien Maly seien 600 000 Tonnen Erdöl und 
150 Millionen Kubikmeter Gas als förderfähig eingeschätzt worden, berichtete gestern die Zeitung „Gazeta Lubuska“. „Zurzeit entsteht eine Dokumentation über die geologischen Folgen des Abbaus, die beim Umweltministerium in Warschau eingereicht und von diesem genehmigt werden muss“, erläutert Joanna Zakrzewska. Sie ist Sprecherin des Energiekonzerns PGNiG, der sich praktisch noch vollständig im Besitz des Staates befindet. Wenn im kommenden Jahr mit der Investition begonnen würde, könnte zwei Jahre später – 2013 – die Förderung starten. Über die möglichen Steuereinnahmen für seine Gemeindekasse freut sich bereits der Bürgermeister von Slonsk (Sonnenburg), Janusz Krzysków.

Auch in Brandenburg könnte in Zukunft weiter Erdöl gefördert werden. Denn neben dem Kupfer wird in der Lausitz derzeit intensiv nach diesem Rohstoff gesucht. Das deutsch-kanadische Unternehmen Central European Petroleum GmbH (CEP) hatte bereits Ende 2009 auf einer 
1800 Quadratkilometer großen Fläche zwischen Lübben (Dahme-Spreewald) und Jänschwalde (Spree-Neiße) mit einem seismischen Erkundungsprogramm begonnen und ein sogenanntes Tiefenmodell erstellt, um daraus Erkenntnisse über mögliche Erdöllagerstätten abzuleiten.

„Wir sind mit den Ergebnissen der bisherigen Analysen sehr zufrieden“, sagt Jacobus F. Bouwman, Mitglied der 
CEP-Geschäftsführung. Die Ölsuche sei in Brandenburg zwar ein großes finanzielles Risiko. Dennoch gehe der Firmenvorstand davon aus, dass sich das eingesetzte Kapital „in einem Bereich der Verdoppelung bis hin zum 50-fachen Gewinn“ bewege. Bouwman verweist auf frühere Abbaugebiete in Tauer und Märkisch-Buchholz, bei denen eine Million Barrel (rund 125 000 Tonnen) Öl gefördert wurden. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es in den angrenzenden Gebieten ähnliche Vorkommen gibt“, sagt er. CEP sei deshalb zuversichtlich, dass sich der Abbau von Erdöl und Erdgas auch in der Lausitz lohne.

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