Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Sechs Stolpersteine in Bad Saarow verlegt

Erinnerung und Mahnung: Künstler Gunter Demnig verlegt in der Uferstraße 14 die Stolpersteine mit den Namen der früheren jüdischen Bewohner Leo und Clara Bry.
Erinnerung und Mahnung: Künstler Gunter Demnig verlegt in der Uferstraße 14 die Stolpersteine mit den Namen der früheren jüdischen Bewohner Leo und Clara Bry. © Foto: moz
Cornelia Link / 23.10.2010, 07:05 Uhr
Bad Saarow (In House) Zur Erinnerung an aus Bad Saarow vertriebene und zur Deportation gezwungene frühere jüdische Einwohner wurden am Freitagnachmittag an drei Grundstücken in Bad Saarow sechs Stolpersteine verlegt. Organisiert hatte die Aktion erneut die „Initiative Jüdische Spuren“.

An der ersten Station, Uferstraße 1, drängten sich am Nachmittag rund zwei Dutzend Zuschauer, darunter Vertreter vom Amt, die Vize-Bürgermeisterin sowie Mitstreiter der Stolperstein-Initiative um Gunter Demnig. Zügig brachte der Künstler die ersten beiden Steine in den Boden – für Felicia Basser und ihre Tocher Alice. „Beide lebten hier bis November 1938, bis die Nazis das Haus überfielen“, berichtete Christian Pietá, Kopf der Initiative mit einem Dutzend Mitgliedern. „Beide Frauen zogen zur Untermiete nach Berlin, das Haus wurde verkauft. Ende August 1942 holte die Gestapo Felicia ab, deportierte sie nach Riga, wo sie am 8. September ermordet wurde. Durch Zufall war Alice damals nicht daheim, überlebte illegal in Berlin mit Hilfe mutiger Deutscher“, so Pietà.

Für Leo und Clara Bry wurden anschließend in der Uferstraße 14 ebenfalls ein Stein verlegt. Die Besitzer eines Kaufhauses in Berlin-Friedenau verloren nach der Pogromnacht 1938 hier ihren Wohnsitz, lebten in einer Pension in Berlin. „Beide wurden am 19. Januar 1942 mit 1000 anderen Juden in Güterwaggons nach Riga verbracht, den Transport überlebten nur 19. Am 5. Februar 1942 wurden beide in Riga-Jungfernhof erschossen“, so Pietá.

Abschließend versammelten sich alle an der Platanenstraße 7. Hier wollten Margarete und Fritz Behrens ursprünglich ihren Ruhestand vom Druckerei-Betrieb verbringen. „Nach dem 9. November 1938 mussten sie das Haus verkaufen, lebten durch staatliche Zwangsabgaben dann verarmt in einer Pension in Berlin“, hatte Pieta herausgefunden. Am 30. Juli 1942 wurden beide nach Theresienstadt deportiert, Fritz Behrens starb dort am 28. November 1942, seine Frau zwei Jahre später in Auschwitz.

Bereits 2008 und 2009 ließ die Initiative in Saarow 16 Stolpersteine verlegen, sechs kamen nun hinzu. „Leider sind dieses Mal keine Nachfahren bei der Zeremonie dabei. Alle hatten zwar Kinder, doch die sind mittlerweile verstorben und die Enkel konnten wir nicht erreichen“, erklärte Pietá und sprach von mittlerweile 51 ermittelten jüdischen Gewaltopfern, die in Saarow damals mindestens ihren Zweitwohnsitz hatten. Immer besser angenommen werde die Aktion der Initiative, laut Pietá, auch im Kurort selbst. „Amt und Gemeinde unterstützen uns, einige Einwohner haben wieder eine Stein-Patenschaft übernommen, finanzieren die Kosten von 95 Euro pro Stück.“

Am frühen Abend luden die Mitglieder der Initiative noch in den Bahnhof ein, informierten über ihre Arbeit, zeigten Fotos und lasen mit Schülern der Gorki-Oberschule aus persönlichen Texten früherer jüdischer Bürger vor. „Unser 2009 veröffentlichtes Gedenkbuch, das in der Bibliothek steht, können wir dank vieler neuer Informationen erweitern“, strahlte Pietà.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG