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Deichbäume im Oderbruch mit guten Chancen

Doris Steinkraus / 25.10.2010, 21:16 Uhr
Reitwein (In House) Auch nachfolgende Generationen werden an der Oder bei Reitwein ein Novum begutachten können. Nirgendwo sonst im Land stehen im Deich Bäume. Im Zuge der Sanierung nach dem Hochwasser 1997 sollten alle Bäume gefällt werden.

Eine Bürgerinitiative trotzte 1999 den Plänen des Landes und erkämpfte einen Kompromiss. Sie setzte in langen Verhandlungen durch, dass etwa 60 Prozent des Bestandes als landschaftsprägendes Element erhalten blieben. Die Ausbaupläne wurden verändert. Reitwein erhielt den Status eines Pilotprojektes. 2011 läuft das Monitoring (Beobachtung/Überwachung) aus.

Zwischen den gut 150 Jahre alten Bäumen am Deich bei Reitwein kann man neuerdings den ersten „Nachwuchs“ beobachten. Vier Bäume wurden neu gepflanzt, weil die alten krank und instabil geworden waren. Der Abgang dürfte auch mit dem zum Teil recht rabiaten Umgang während der Deichbauarbeiten zu tun haben, sind sich im Nachgang die Verantwortlichen einig.

Zur Erinnerung: Um die Baulose im Bereich zwischen Küstrin-Kietz und Reitwein gab es 1999 erhebliche Aufregung. Als bekannt wurde, dass die rund 
1000 Bäume am Deich gefällt werden sollen, gründete sich eine Bürgerinitiative. Mehr als 10 000 Unterschriften wurden gesammelt, um die Deichbauer des Landes zum Einlenken zu bewegen. Begleitet wurde die Unterschriftensammlungen von vielen Aktionen, Vorort-Terminen und sogar einer Fernsehsendung. Im Ergebnis gab es ein Umdenken beim Landesumweltamt. Die Reitweiner Deichbäume wurden zur Chefsache. Rund 60 Prozent blieben stehen. So wurde der Deich zum Teil vorgeschüttet, um die Bäume stehen lassen zu können. An der Diplomatentreppe kamen Spundwände in die Erde. Festgelegt wurde eine Langzeitbeobachtung (Monitoring), um zu sehen, wie sich die Bäume nach dem Spundwandeinbau und anderen technischen Einbauten verhalten. Erst 2005 wurde der Deichabschnitt saniert übergeben.

„Im nächsten Jahr wird das Monitoring für diesen Deichabschnitt abgeschlossen. Alle bisherigen Untersuchungen zeigen, dass die Bäume genauso vital sind wie vergleichsweise Bäume an Straßen“, so Günter Wartenberg vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV, ehemals Landesumweltamt LUA) bei der Herbstdeichschau. Die Bäume erhielten bereits einen Pflegeschnitt und erste wurden nachgepflanzt. Mit dem Abschlussbericht werde man sich aber nicht von den Deichbäumen verabschieden, sicherte Günter Wartenberg zu. „Wir werden dann ganz normal die Unterhaltung sichern und auch künftig die Ausnahmegenehmigung nutzen, um bei weiteren natürlichen Abgängen nachzupflanzen.“ Nachpflanzen werde man ebenso die zwischen Kilometer 9,2 und 11,4 im Sommerhochwasser 2010 gefällten Bäume, allerdings erst im Herbst 2011.

Ein Punkt, den Hermann Kaiser weiter im Auge behalten wird. Er war mit dem damaligen Reitweiner Bürgermeister Karl-Friedrich Tietz maßgeblicher Initiator der Bürgerinitiative. „Wir haben damals einen Kompromiss erzielt, um zum einen den Deich sicher zu machen und zum anderen dennoch nicht alle Bäume zu fällen. Es war ein enormer Aufwand, aber er hat sich gelohnt“, sieht es der Podelziger. Die Deichbäume würden auch in Zukunft als landschaftsprägendes Element erhalten bleiben. Die Aktionen hätten auch viele Bürger für das Thema sensibilisiert, berichtet Kaiser. Bis heute erhalte er Anrufe, wenn sich etwas am Deich tue. Dass einige Bäume inzwischen abgängig sind, sei für ihn nicht verwunderlich. „Zum Teil wurden armdicke Wurzeln beim Deichbau gekappt. Das verkraftet kein Baum.“

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