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Imposantes Spiel an unspektakulärer Orgel

Nach dem Konzert im Kreise einiger seiner Fans. Matthias Eisenberg rechts, Michael Zumpe 2.v.l.
Nach dem Konzert im Kreise einiger seiner Fans. Matthias Eisenberg rechts, Michael Zumpe 2.v.l. © Foto: MOZ
Elke Lang / 12.08.2013, 07:47 Uhr
Beeskow (MOZ) St. Mariens Kantor Matthias Alward hatte am Sonnabend zu einem "zünftigen Sommer-Orgel-Gesang" eingeladen, und das Südschiff seiner Kirche war bis unter die Empore voll besetzt mit Besuchern, die den Weltklasse-Organisten Matthias Eisenberg hören wollten. Der 57-Jährige, der Anfang des Jahres aus Zwickau in das Brandenburgische Straupitz gezogen war, hatte den Bass-Bariton Michael Zumpe, ebenfalls Straupitz, mitgebracht, der mit seinem warmen Vibrato in der Stimme und seiner interpretatorischen Ausstrahlung begeistern konnte.

Matthias Eisenberg war schon mehrmals in der vom Förderverein Marienorgel Beeskow organisierten Benefizreihe "Musik für St. Marien" vertreten. Dass er nun auch einmal in der Benefizreihe der Kantorei "Musik in St. Marien" aufgetreten ist, habe, so Matthias Alward, der Leipziger Roland Scheffler eingerührt, der einige Jahre in Beeskow gelebt hat und regelmäßig seinen Urlaub am Schwielochsee verbringt.

Der Ausnahmeorganist Eisenberg spielt gern an der kleinen, unspektakulären Schuke-Orgel aus Potsdam von 1965 mit ihren nur 13 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Roland Scheffler weiß: "Er holt aus jedem Instrument alles raus, als ob es eine große Orgel ist. Das ist sein Stolz." So konnte man einen vollendeten Bach hören. Im rasenden Tempo jagte er den 1. Satz der Toccata in C, BWV 564 über die Tasten, dabei immer hell und durchsichtig bleibend, um dann beim Adagio in meditative Ruhe zu verfallen. Matthias Eisenberg spielt das ohne Effekthascherei durch Registerwechsel. Er lässt allein die Komposition wirken. Stilsicher packte er auch die Romantik an mit Felix Mendelssohn-Bartholdys Präludium und Fuge e-Moll, Op. 35, Nr. 1. Hier entfaltete er einen Sturm der Gefühle mit einem satten, dunklen Orgelklang. Dass aber Matthias Eisenberg auch ein Meister im Registrieren ist, bewies er in der Ouvertüre zu Mozarts "Zauberflöte", die er wie auch die Liedbegleitungen selbst für Orgel bearbeitet hatte. Um den Orchesterklang mit seinem Wechsel von Einzelstimmen und Tutti nahezukommen, führte er eine Vielfalt von Registerkombinationen vor, und bisweilen erklang dabei auch eine liebliche Flötenuhr.

Höhepunkt eines jeden Eisenberg-Konzerts ist jedoch seine Improvisation kurz vor Schluss. Eine halbe Stunde philosophierte über "Geh aus, mein Herz" und "O Musica, du edle Kunst". Die Besucher waren begeistert.

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