Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Integriert und sprachgewandt

Alexander Kempf / 01.11.2010, 18:46 Uhr
Fürstenwalde (In House) An der 1. Oberschule machen Jugendliche, die aus ihrem Heimatland geflohen sind, einen deutschen Schulabschluss. Das Konzept ist preisgekrönt. Es erhielt in diesem Jahr einen Integrations-Ehrenpreis des Landes.

Sie kommen aus Afghanistan, dem Iran oder Tschetschenien. Ohne Eltern sind sie aus ihrer Heimat geflüchtet und haben in Deutschland Asyl gesucht. Sie wohnen im Alreju, dem Fürstenwalder Heim für alleinreisende Kinder und Jugendliche. In der 1. Oberschule gehen sie zur Schule, zunächst noch in speziellen Lerngruppen, später in regulären Klassen.

„Wenn alle deutschen Kinder so fleißig wären, hätten wir eine prima Oberstufe“, ist Ute Schädlich, die Schulleiterin der 1. Oberschule, überzeugt. Ihr kommen die Tränen, wenn sie erzählt, wie gut sich mancher ausländische Schüler in Fürstenwalde integriert hat. „Liebevolle Konsequenz“ ist das Motto der Schulleiterin. Doch die Mehrzahl der jungen Ausländer will von ganz allein viel erreichen, erzählt sie. „Ein Schüler aus Afghanistan strebt das Abitur an. Er will unbedingt Medizin studieren, um später in seiner Heimat helfen zu können.“ Andere Schüler haben sich erfolgreich um Stipendien beworben.

Am 26. September ist die Kooperation zwischen Oberschule und Heim bei der Verleihung des Integrationspreis des Landes Brandenburg mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet worden. Das diesjährige Motto lautete „Förderung der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund“. Genau das tun die Lehrer der 1. Oberschule. In drei Stufen werden die jungen Flüchtlinge behutsam an den regulären Unterricht herangeführt. Erst lernen sie nur Deutsch, später kommt Fachunterricht hinzu und am Ende gilt der allgemeine Lehrplan.

Da es an der 1. Oberschule momentan keine zehnte Klasse gibt, werden neun ausländische Schüler gesondert zum Abschluss geführt. Die Schule hatte sich in der Vergangenheit eigens darum bemüht, dass die Betroffenen bleiben konnten und nicht an andere Einrichtungen wechseln mussten. Die Prüfungen, die sie nächstes Jahr ablegen müssen, sind für alle Oberschüler gleich, erklärt Ute Schädlich. „Sie kriegen nichts geschenkt.“

Lehrerin Bärbel Probst schenkt ihren ausländischen Schülern viel Aufmerksamkeit – auch nach der Pausenglocke. „Man muss etwas mehr sein als nur ein Lehrer“, sagt sie und versteht sich als Vertrauensperson.

Im Fach Politische Bildung diskutieren die jungen Flüchtlinge über Europapolitik. „Polen kann Deutschland nicht kritisieren, weil es nicht so stark ist“, sagt ein junger Mann aus Kenia. Bärbel Probst widerspricht und bringt einen Vergleich. Die EU verwandelt sie in einen Bus. „Es gibt nur ein Lenkrad, aber viele Straßen. Auf dem letzten Platz muss kein schwaches Land sitzen.“ Die Schüler nicken.

In der nächsten Stunde steht Deutsch auf dem Lehrplan. Ein türkischer Schüler lächelt und fragt Bärbel Probst: „Literatur oder Muttersprache?“

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG