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Statt nach Brüssel an die Oder

Jüngster Professor: Bartosz Makowicz lehrt und forsch seit wenigen Wochen an der Viadrina und kehrt damit in die Nähe seiner Heimat zurück.
Jüngster Professor: Bartosz Makowicz lehrt und forsch seit wenigen Wochen an der Viadrina und kehrt damit in die Nähe seiner Heimat zurück. © Foto: MOZ/Dietmar Horn
Frauke Adesiyan / 03.11.2010, 07:07 Uhr
Slubice (In House) Bartosz Makowicz ist der jüngste Professor der Viadrina. Seit diesem Semester lehrt er Polnisches Öffentliches Recht. Für das Collegium Polonicum sieht er eine große Zukunft – wenn Innovationen nicht gebremst werden.

Als der polnische Außenminister a.D. Wladyslaw Bartoszewski gestern in Slubice ankam, war Bartosz Makowicz höchst gespannt auf den hohen Besuch. Gemeinsam mit Kollegen traf der neue Jura-Professor der Viadrina den Politiker im Collegium Polonicum und trug damit seinen Teil zur derzeit stattfindenden Außenministerkonferenz teil.

Um das Trennende und Verbindende zwischen Polen und Deutschland geht es noch bis heute Abend an der Viadrina und Bartosz Makowicz wirkt wie ein Musterbeispiel dafür, dass im 
Idealfall von einer Trennung kaum noch etwas zu spüren ist. „Ich bin polnischer Staatsbürger und deutscher Jurist“ fasst er leicht lakonisch seinen noch kurzen Lebenslauf zusammen. Seit diesem Wintersemester ist der 29-Jährige der jüngste Professor an der Viadrina und hat mit einer halben Stelle den Lehrstuhl für Polnisches Öffentliches Recht inne.

Auch unabhängig von der Konferenz geht es in diesen Tagen hektisch zu in seinem neu eingerichteten Büro im Collegium Polonicum. Innerhalb weniger Minuten bringt eine Mitarbeiterin Geschirr in einem großen Plastik-Korb, eine andere klopft an und gibt Bücher ab. „So läuft das hier die ganze Zeit“, sagt Bartosz Makowicz entschuldigend. Sein Büro hat er gerade eingerichtet, ein großes Bild steht noch eingeschweißt auf dem Fensterbrett.

Doch für Dekoration wird dem frisch eingeführten Professor kaum Zeit bleiben. Gleich nach der Viadrina-Konferenz macht er sich auf zu einem juristischen Kongress in Warschau, außerdem wollen seine Studenten hier und in Münster betreut werden. Noch pendelt Bartosz Makowicz zwischen Slubice und Münster, wo er am Institut für Steuerrecht lehrt und forscht. Für die Professorenstelle an der Viadrina hat er in Münster seine Arbeit reduziert. Langfristig kann er sich durchaus vorstellen, nach Slubice zu ziehen. Ein nicht unwichtiges Argument dafür: Seinen Eltern wäre er dann wieder viel näher.

Im polnischen Zary, unweit der deutsch-polnischen Grenze bei Cottbus, ist er aufgewachsen. Sein Vater ist Maschinenbauingenieur, seine Mutter Röntgentechnikerin – die Juristerei, die heute seinen gesamten Alltag bestimmt, war ihm nicht in die Wiege gelegt.

Die Entscheidung, Jura zu studieren, hat er in einer „wilden Zeit“
 gefällt, als Polen noch nicht zur EU gehörte. Sein Plan war es, als einer der ersten polnischen Beamten nach Brüssel zu gehen. „Doch vor dem Europarecht stand das deutsche Recht auf dem Lehrplan.“ Und so konzentrierte sich der polnische Staatsbürger auf das deutsche System.

Für die Eltern war es alles andere als leicht, den Sohn im Ausland studieren zu lassen. „Es waren schwere Zeite, die Preisunterschiede waren sehr hoch“, erzählt der Professor über seine Anfänge 2000 in Deutschland. Von den meisten Studien-Finanzierungen war er als polnischer Staatsbürger ausgeschlossen, von einer politisch geprägten Stiftung wollte er sich nicht fördern lassen. Von vornherein war klar: Wenn das Studium nach einem Semester nicht ordentlich anläuft, kommt er zurück nach Polen. „Doch in meiner ersten Klausur war ich einer der Besten und das hat sich so gehalten“, erzählt er nicht ohne Stolz in seinem Slubicer Büro. Es folgte ein Studienaufenthalt in Paris und zahlreiche Jobs an der Universität, ein Referendariat in der Landesjustizbehörde in Düsseldorf und die Promotion über Betrugsbekämpfung in Polen.

In den vergangenen Jahren hat der Jurist etwa 60 Titel veröffentlicht, er schreibt Fachaufsätze und Artikel für Tageszeitungen. Außerdem organisiert er große Konferenzen, etwa die, die ab morgen in Warschau läuft. „Ich werde mich bemühen, ähnliches hier stattfinden zu lassen“, so sein Vorhaben. Überhaupt ist er überzeugt von den enormen Möglichkeiten seines neuen Arbeitgebers. „In dieser Einrichtung steckt noch viel mehr, hier liegt ein großes Potenzial zum Teil noch verborgen.“ Er berichtet davon, dass er und sein Kollege für Polnisches Zivilrecht, der ebenfalls neu ist, mit viel Energie nach Slubice gekommen sind. „Wir wollen etwas erreichen“, sagt er. Eines seiner Anliegen ist es, die Rechtshilfestelle in Slubice selbst zu betreuen. Die Rechtsberatung für Bedürftige wird von Jura-Studenten durchgeführt, bisher werden sie von Betreuern in Poznan angeleitet. Nun will er die inhaltliche Betreuung übernehmen und somit auch das Wirken der Universität in die Stadt stärken.

Die Grenze, an der sein Büro liegt scheint für Bartosz Makowicz kaum noch zu existieren. Auch für seine Münsteraner Studenten war es nie erwähnenswert, dass ihnen ein Pole deutsches Recht beibringt. „Das finde ich außerordentlich beachtlich“, sagt er mit anerkennendem Lächeln und in geschliffenem Deutsch.

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