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Gorgaster Gemüse für Holland

Ackern für Holland: David (links) und John Gawrys arbeiten in den Gorgaster Gewächshäusern für die niederländische Firma Springfresh Polska sp.zo.o. Neben Stangenbohnen werden auch andere Gemüsearten geerntet, die nun in die Niederlande geliefert werden.
Ackern für Holland: David (links) und John Gawrys arbeiten in den Gorgaster Gewächshäusern für die niederländische Firma Springfresh Polska sp.zo.o. Neben Stangenbohnen werden auch andere Gemüsearten geerntet, die nun in die Niederlande geliefert werden. © Foto: Grieger
Ulf Grieger / 19.07.2011, 19:23 Uhr
Gorgast (In House) In einigen Hallen der einstigen Gewächshausanlage der Genossenschaft Oderbruchgemüse in Gorgast wird wieder Gemüse produziert. Das niederländische Unternehmen Springfresh Polska, das in Zabice (Säpzig) bei Küstrin seinen Standort hat, produziert dort Stangenbohnen für den niederländischen Markt.

Die verfallenen und beschmierten Gewächshäuser am Ortseingang von Gorgast werden aus dem fast 20-jährigen Dornröschenschlaf gerissen. In den ersten Glashäuserreihen ist der Wildwuchs bereits langen Spalieren von Stangenbohnen gewichen. Für dieses Gemüse hat jetzt die Ernte begonnen. Doch die Erntehelfer, 15 bis 20 polnische Männer und Frauen wirken derzeit in Gorgast, sind von der Straße mehr zu hören als zu sehen. Sie rufen sich aufmunternde Worte zu oder singen.

„Wir arbeiten hier von Montag bis Sonnabend, werden täglich hergefahren“, sagt David 
Gawrys in bestem Schulenglisch. Drei Monate lang gehören er und sein Bruder zur Gorgaster Erntebrigade, andere kommen nur für einen Monat. Die sanitären Anlagen sind mobil, alles wirkt noch sehr provisorisch. Aber ihr Arbeitgeber, die niederländische Firma Springfresh Polska, hat weitreichende Pläne. „Wir bauen in Säpzig auch anderes Gemüse wie Rosenkohl, Spargel und Zwiebeln an. Daraus produzieren wir kochfertiges Gemüse für unsere Kunden in den Niederlanden“, informiert Geschäftsführer Derek Back. 
Säpzig, das polnische Zabice, liegt zwischen Kostrzyn (Küstrin) und Slonsk (Sonnenburg) und ist vor allem durch das Fort bekannt, das zur Verteidigungsanlage der Festungsstadt Küstrin gehörte und von 1887 bis ‘90 errichtet worden war.

In Deutschland habe die Firma zwar bislang nur Stangenbohnen angebaut. „Aber wir suchen weitere, leer stehende Gewächshäuser, um die Anbaufläche zu erweitern. Wer Interesse hat, kann sich gern bei uns melden“, sagt Back (Telefon
0048 603 598 954). Dabei habe er auch die Gewächshäuser im Blick, die in Gorgast noch immer im Dornröschenschlaf schlummern und noch voller Wildwuchs stehen.

Beim Verpächter der einstigen Genossenschaftsgärtnerei, der Gorgaster Landwirtschaftsgesellschaft, stößt er dabei auf offene Ohren. „Unser Betrieb hat an diesen Anlagen kein Interesse“, sagt Geschäftsführer Volker Wendland. „Das passt nicht bei uns rein“. Der Umstand, dass in den Gorgaster Gewächshäusern wieder produziert wird, ruft vor allem bei den älteren Oderbrüchern viele Erinnerungen wach. Am besten kennt wohl der Reitweiner Martin Göricke die Geschichte. Schließlich war er dort von 1977 bis 1991 Vorsitzender der Genossenschaft „Oderbruchgemüse“, die zwei Jahre nach der Gründung der Kooperativen Abteilung Pflanzenproduktion (KAP) aus vier verschiedenen Gärtnereibetrieben gebildet worden war. Von allen Standorten dieser Genossenschaft war Gorgast der mit der größten Fläche unter Glas oder Plaste. „Fünf Hektar waren es in Gorgast, insgesamt wohl bis zu acht Hektar“, erinnert sich Göricke. „Wobei die mit Plaste noch nicht so gut waren. Die Qualität der Plastefolien reichte nicht aus.“

Die Gemüseproduktion – neben Gorgast fand sie auch am Kietzer Rosendamm, an mehren Standorten in Manschnow, Genschmar und Bleyen statt – bot vielen Menschen Arbeit. Martin Göricke schätzt heute, dass es allein in den Gewächshäusern bis zu 200 Beschäftigte gegeben hat, auf den Freilandflächen bis zu 80.

Einen konkreten Grund, warum die Gemüseproduktion in Gorgast im Gegensatz zu den anderen Standorten in einen 20-jährigen Dornröschenschlaf fallen musste, hat Göricke nicht. „Ich war bis 1991 Vorsitzender und konnte dann in den Ruhestand gehen. In Manschnow etablierte sich die Fontana-Gärtnerei. Aus der Genossenschaft wurden wieder kleinere Betriebe“, sagt der Reitweiner. Und schiebt noch nach, dass heute andere Maßstäbe gelten. „Wenn woanders billiger produziert werden kann, wird das Gemüse eben dort gekauft.“ Die Tatsache allerdings, dass in den alten Hallen wieder produziert wird, interessiere ihn sehr.

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