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Weihnachtsbier gärt in Plastikfässern vor sich hin

© Foto: MOZ/Sabine Steinbeiß
Sabine Steinbeiß / 03.11.2010, 08:36 Uhr
Wriezen (In House) Die zwei Fässer sehen sehr unscheinbar aus. Aber sie bergen einen interessanten Inhalt. Eckhard Brennecke versucht sich zum zweiten Mal am Weihnachtsbier. Der leidenschaftliche Hobby-Brauer hat im Mai 2009 zum ersten Mal Bier auf dem Gelände der Kalköfen angestochen. Jetzt soll ein edles Gebräu für die Weihnachtszeit entstehen.

„Ich braue schon ziemlich lange Bier, aber nur für mich selbst“, erzählt der Wriezener. Aber das Hobby sei zeitaufwändig, daher blieb in den vergangenen Jahren seine Kehle immer häufiger trocken. Als er mit seiner Familie im Jahr 2005 an den Hafen zog, fand er einen halben Kasten Bier. „Ich hab die Flaschen gekostet, der Inhalt war noch richtig gut“, sagt der Liebhaber des Gerstensafts. Das habe den Ausschlag gegeben, sein eingeschlafenes Hobby zu 
reaktivieren.

Mittlerweile sind schon einige Liter Gerstenbräu entstanden. Voraussetzung war die Anschaffung eines Braukessels. Dieser reicht aber mittlerweile nicht mehr aus. „Das ist mein großer Traum, eine eigene Brauerei hier auf dem Gelände der Kalköfen“, wünscht sich der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Hafen.

Das Bierbrauen hat in Wriezen Tradition. Wie aus der Stadtchronik hervorgeht, erhob man 1488 die erste Steuer auf den Gerstensaft. Damals wurde das „Kühlab“ genannte Märzenbier in 44 Häusern gebraut. Ab 1733 kam auch Weißbier aus der Stadt.

Damit zum Weihnachtsge­schäft auch genug des besonderen Gerstensaftes auf Lager ist, hat der Hobby-Brauer seine 50-Liter-Brauanlage schon vor Wochen angeworfen – schließlich braucht die Gärung Zeit. Wie er sein Bier braut, erklärt er den Gästen am Tag der offenen Tür gern. Zuerst geht es ans Maischekochen, wo Stärke in Zucker umgewandelt wird. Dafür verschraubt Bren­necke ein Sieb an einem Edelstahlrohr und schüttet zehn, elf Kilogramm Gerste hinein. Dieses Malzrohr kommt dann in den Wasserkessel, wo die Masse mit zwei Pumpen durchgerührt wird.

Laut dem Bierbrauer gibt es bei diesem Prozess fünf sogenannte Raststufen, bei denen die Maische bei immer heißeren Temperaturen unterschiedlich lange kocht. Nach etwa fünfeinhalb Stunden nimmt Brennecke das Malzrohr wieder heraus und übrig bleibt „ein wahrhaft süßes Gesöff“.

Der Sud kommt ins Gärfass, während der Hopfen 80 Minuten lang gekocht wird. Dieser muss dann möglichst schnell von 
100 auf zehn Grad heruntergekühlt werden, bevor er ebenfalls ins Gärfass kommt. Eine Woche gärt der Gerstensaft dann im Plastikfass vor sich hin, „bis es aufhört zu glucksen“, erklärt Bren­necke. Die Nachgärung erfolgt in Edelstahlfässern und dauert etwa vier Wochen.

Drei Sorten werden derzeit am Wriezener Hafen angeboten: Helles und dunkles Pils sowie Hefeweizen. Brenneckes Favorit ist ein mildes, liebliches Bier – selbstgebraut versteht sich.

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