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"Es lohnt sich aufzubegehren"

© Foto: Doris Steinkraus MOZ
Doris Steinkraus / 08.11.2010, 17:06 Uhr - Aktualisiert 09.11.2010, 10:19
Letschin (In House) Zum 11. Mal hatten Bürgerinitiative zur Mahnwache gegen die geplante CO2-Verpressung im Oderbruch am Letschiner Kirchturm eingeladen. Die Verzögerung des Projektes um mehr als eineinhalb Jahre sehen die Initiatoren als großen Erfolg. Es soll auch in den Wintermonaten jeden ersten Sonntag im Monat mit der Mahnwache weiter gegen das Vorhaben mobil gemacht werden.

„Wir werden so lange hier weitermachen, bis die Sache zum Guten entschieden ist“, machte Letschins Pfarrer Frank Schneider deutlich. Trotz ungemütlichem Wetter waren erneut mehr als 200 Bürger aus der gesamten Region gekommen. Es müssten jedoch mehr sein, so der Pfarrer. „Es macht mich traurig, dass bei so einer wichtigen Lebensfrage noch so viel Platz ist“, sagte er.

Ulf Stumpe, Sprecher der Bürgerinitiative ContraEndlager machte deutlich, was Bürgerprotest bewegen kann. „Wenn wir und andere Menschen nicht aufgestanden wären, dann würde das Projekt schon laufen“, betonte er. Nur durch den lauten Protest sei das Thema öffentlich geworden, hätten sich große Verbände sowie Institute mit dem Thema beschäftigt. Er erinnerte an die Konferenz der Verbände der Wasserwirtschaft aus der gesamten Bundesrepublik unlängst in Hannover. Sie vertreten 5000 Wasserverbände. Mit deutlichen Worten haben sie eine CO2-Speicherung abgelehnt, weil damit die Sicherheit des Trinkwassers gefährdet würde. „Wissenschaftler, darunter Mitglieder des UN-Klimarates, haben klar gemacht, dass solch eine Technologie dem Klima schadet und nicht nützt, wie uns die Energiekonzerne erzählen wollen“, erläuterte der Wriezener.

Mario Forner vom Verein „Wir im Oderbruch“ machte anhand von Zahlen deutlich, das etwa 35 Prozent mehr Energie aufgewendet werden muss, um Kohlendioxid abzutrennen, zu transportieren und zu speichern (CCS-Technologie). Hinzu komme, dass bei dem Prozess nur 70 Prozent CO2 abgetrennt und 30 Prozent weiter in die Luft geblasen würden. „Das bedeutet 35 Prozent mehr Tagebau, 35 Prozent mehr Umweltverschmutzung, 
35 Prozent mehr Verbrauch, 
35 Prozent mehr Renaturierung. Da kann von Klimaschutz keine Rede sein“, so Forner. Ganz zu schweigen von den hohen Stromkosten, die auf jeden zukommen.

Pfarrer Schneider verwies auf die Erklärung des Landessynode, dem höchsten Gremium der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg- schlesische Oberlausitz. Sie hat die Technologie in ihrer Herbsttagung eine klare Absage erteilt (Wortlaut unter www.ekbo.de). Die Golzower katholische Kirchengemeinde hat ebenfalls eine Erklärung gegen das Vorhaben verabschiedet.

Am kommenden Wochenende sollen bundesweit mit einer großen Baumpflanzaktion erneut Zeichen für Alternativen gesetzt werden. Rolf Ignaz vom Verein BruchKultur, der die Pflanzaktion für das Oderbruch und Beeskow mit koordiniert, informierte, dass man schon jetzt das Ziel übererfüllt habe. Bei der ersten Pflanzaktion im Frühjahr waren bundesweit 5000 Bäume gepflanzt worden. „Wir hatten das Ziel, jetzt 10 000 zu schaffen. Aber schon jetzt gibt es Bestellungen für mehr als 
16 000 Bäume“, sagte er unter dem Beifall der Mahnwachenteilnehmer. Noch kann man Bäume bestellen. Sie kommen aus der Baumschule Tempelberg (Oder-Spree), kosten ein Euro das Stück. Auch am Tag selbst könne man sich zu den Ausgabepunkten einfinden, da die Baumschule mehr mitbringen wird, so Ignaz.

Pflanzaktion, 13./14. November, Anlieferung der Bäume am 13. November, 9 Uhr Letschin, am Kirchturm, 11 Uhr Neutrebbin am Alten Fritz, Baumbestellungen unter Tel. 033432 72338 oder bei BruchKultur Tel. 033476 607020, Infos unter www.baeume-statt-co2-endlager.de; nächste Mahnwachen am 5. Dezember und 2. Januar, jeweils 14.30 Uhr, Marktplatz Letschin.

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