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Jetzt können sie Wurzeln schlagen

© Foto: Johann Mueller
Mandy Timm / 15.11.2010, 07:48 Uhr - Aktualisiert 15.11.2010, 09:09
Letschin/Neutrebbin/Reitwein (In House) „Alles was bei uns wächst, haben wir mitgebracht“, sagt Matthias Berte gutgelaunt. „Nichts japanisches.“ Berte arbeitet bei der Baumschule Lürssen in Tempelberg. Er und seine Mitarbeiter sind am frühen Sonnabendmorgen die Ersten auf dem Marktplatz in Letschin. Ihre Fracht: mehr als 1000 junge Birken, Linden, Esskastanien, Erlen und Eschen. Die jungen Bäume sollen an diesem Tag unter die Leute gebracht werden, für einen Euro das Stück.

Der Euro ist mehr symbolisch, als dass er Kosten deckt. Aber die Aktion ist für einen guten Zweck, für die zweite große Baumpflanzaktion zu der mehrere Initiativen und Vereine aufgerufen haben. Das Motto: Bäume statt CO2-Endlager. Deutschlandweit soll gepflanzt werden. Das Ziel: mindestens 10 000 Bäume, doppelt so viele wie bei der ersten Pflanzaktion im Frühjahr. Morgens in Letschin steht jedoch schon fest, dass es viel mehr Bäume geworden sind, nämlich das Vierfache, fast 22 000 in 120 Städten und Dörfern der Republik.

Rolf Ignaz, einer der Hauptakteure und vom Verein Bruchkultur, stimmen die Zahlen und die vielen Bürger, die sich mittlerweile um den Laster drängen und aus vielen umliegenden Dörfern kommen, zuversichtlich. Auch wenn sich Ignaz über jeden einzelnen freut, die Sorgen bleiben. Das Bewusstsein der Leute, sagt er, in Bezug auf die geplante CCS-Technologie müsse sich ändern. „Während hier mittlerweile wohl jeder weiß, was dahinter steckt und geplant ist“, sagt der Quappendorfer, „sieht das am Berliner Stadtrand schon ganz anders aus. Aber wir sind nicht nur regional betroffen. Jeder ist betroffen, überall.“

Ignaz weiß, dass mit den Pflanzaktionen das Problem nicht gelöst werden wird. Es geht vielmehr darum, Alternativen aufzuzeigen. So sieht das auch Conrad Schulz aus Platkow. Gut 30 junge Bäume hat er bestellt. Schulz spendet sie seiner Gemeinde für den Festplatz, weil er gegen die CCS-Technologie ist und um die Sicherheit in seiner Heimat fürchtet. „Das ist doch keine Lösung“, sagt er. „Aber das Schlimmste ist: dass nicht mal erwiesen ist, dass die Technologie sicher ist.“ Die Mitglieder vom Verein „Wir im Oderbruch“ wollen gleich mehr als 700 Bäume in den kommenden Tagen pflanzen – diesmal nicht vor der eigenen Haustür, sondern bei Bekannten, die Flächen in Müllrose, Groß Lindow und Mahlow zur Verfügung stellen. 
 Dagmar Duhr aus Werbig spendet spontan Bäume für eine Pflanzaktion in Reitwein. Eigentlich hat sie nur welche für ihren eigenen Hof bestellt. Aber um die Aktion dort zu unterstützen, spendiert sie fünf Bäume. „Wo sie später stehen, ist mir völlig egal“, sagt die Frau. „Hauptsache die Luftverschmutzung wird verringert.“

Die Bäume, 40 insgesamt, werden noch am selben Tag in Reitwein auf dem Sportplatz gepflanzt. Etwa 35 Kinder und Erwachsene treffen sich dort zur Pflanzaktion, zu der Bürgermeisterin Renate Kurz aufgerufen hatte. Für sie ist die Teilnahme an der Aktion Ehrensache. „Viele haben sich gewundert, warum ausgerechnet Reitwein mitmacht“, sagt sie. Denn unmittelbar betroffen von einem möglichen CO2-Endlager ist ihr Dorf nicht. „Aber wir liegen mitten zwischen Neutrebbin und Beeskow“, sagt Kurz. „Also sind wir doch irgendwie betroffen. Wir können nicht Augen und Ohren verschließen. Und: wer weiß was uns noch erwartet. Das kann ja im Moment niemand sagen. Deshalb wollen auch wir in Reitwein ein Zeichen setzen und uns solidarisieren.“

10 000 neue Bäume waren das Ziel. Am Ende werden jetzt fast 22 000 gepflanzt – deutschlandweit. Die zweite Baumpflanzaktion, zu der Vereine und Initiativen am Sonnabend aufgerufen hatten, war ein voller Erfolg. Allein in Letschin und Neutrebbin verteilte eine Baumschule aus Tempelberg etwa 1000 junge Bäume. Bürger und Akteure wollen mit der Pflanzaktion erneut ein Zeichen gegen das vom Bundestag geplante CCS-Speichergesetz setzen und zeigen, dass es Alternativen gibt. Gemeinsam gepflanzt wurde auch in Reitwein – aus Solidarität und für ein sauberes Klima.

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