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Stimmgewaltige Männer gesucht

Probe: Der Bernetsche Männerchor hatte Glück. Thomas Rommenhöller hat vor einigen Monaten die Leitung übernommen. Der Uckermärker dirigiert auch den Ringenwalder Kirchenchor sowie den Gesangsverein „Eintracht“ Friedrichswalde.
Probe: Der Bernetsche Männerchor hatte Glück. Thomas Rommenhöller hat vor einigen Monaten die Leitung übernommen. Der Uckermärker dirigiert auch den Ringenwalder Kirchenchor sowie den Gesangsverein „Eintracht“ Friedrichswalde. © Foto: moz
Viola Petersson / 17.11.2010, 08:10 Uhr
Joachimsthal (In House) „Wo echte Männer singen“, heißt es auf der Homepage des Bernetschen Männerchores. Doch so langsam werden sie knapp, die echten Männer. Die 1847 gegründete Sangesgemeinschaft der Schorfheidestadt wirbt um Nachwuchs für Bass und Tenor.

Dienstag, 19 Uhr, im Probenraum des Bernetschen Männerchores: Manfred Krüger, gewissermaßen der „Zeugwart“ des Vereins, verteilt auf den Stühlen Notenblätter. „Ich führe auch die Anwesenheitsliste“, erzählt der 72-Jährige, der seit 1960 Mitglied im Chor und damit der Dienstälteste ist.

Auf der Liste stehen noch um die 18 Männer. Doch leider kämen nicht mehr alle zu den Proben und Auftritten, bedauert Klaus-Dieter Folgmann, der Vereinsvorsitzende. Die Mitglieder werden immer älter, und Jüngere rücken kaum nach. „Wir sind eigentlich ein Rentnerclub“, sagt der 74-jährige frühere Elektromeister. Mit Ausnahme von vielleicht drei oder vier Sangesbrüdern seien alle Mitglieder im Ruhestand. Nach und nach treffen die Sänger zur Probe ein ...

Die dünner werdende Decke an Mitstreitern sei aber nicht das einzige Problem des Chores, sagt Folgmann. Mindestens genauso knapp seien in Brandenburg Dirigenten. So manche Gesangsvereinigung ist bereits in Ermangelung eines Leiters eingegangen, weiß der Joachimsthaler und nennt als Beispiel den Männerchor Finow, der vor wenigen Wochen aufgeben musste. Der Bernetsche Männerchor hatte Glück. Nach dem Ausscheiden von Maren Thörner, die den Chor seit 1991 leitete, konnten die Joachimsthaler Anfang des Jahres Thomas Rommenhöller aus Ringenwalde gewinnen.

Wobei die Schorfheidestädter mit dem Engagement des Uckermärkers eine Verpflichtung eingingen. „Wir verstärken den Gemischten Chor Friedrichswalde, und die Männer des Chores Friedrichswalde wiederum singen zusätzlich bei uns mit“, erzählt Folgmann.

Eine Zusammenarbeit, von der beide Seiten profitieren. Denn auch in der Nachbargemeinde kämpft man mit dem Problem schwindender Mitgliederzahlen.

„Die Vereine bleiben aber eigenständig“, betont der Vorsitzende. Darauf lege man Wert. Schließlich sei der Bernetsche Männerchor einer der ältesten Chöre in Brandenburg. 1997, zum 150-jährigen Bestehen, habe der Chor die Zelter-Plakette, die höchste Auszeichnung für Amateur-Chöre in Deutschland, erhalten, ergänzt Jörg Kotte (56), der Schriftführer, stolz. Den höchsten Mitgliederbestand verzeichnete der Chor Anfang des 20. Jahrhunderts. „Mit 53 aktiven Sängern“, zitiert Kotte aus der Chronik. Lang ist es her. Inzwischen ist auch Chorleiter Rommenhöller da.

Mit seinen 48 Jahren ist er gleichsam der Jüngste in der Runde des Bernetschen Männerchores. Dass die meisten Männer seit Jahren, ja sogar Jahrzehnten singen, sei zu hören, bescheinigt der ausgebildeter Musiker dem Sängerbund. „Der Eintritt in einen Chor ist aber an keinerlei Voraussetzungen geknüpft. Wer mitmachen möchte, ist herzlich willkommen. Das Singen kann man hier lernen“, sagt Rommenhöller, der sein Geld als Programmierer verdient und in seiner Freizeit insgesamt drei Chöre leitet. „Ich bin als Schüler sogar mal aus dem Schulchor geflogen“, fügt Klaus-Dieter Folgmann als Bestätigung ein. „Vor acht Jahren habe ich den Kirchenchor Ringenwalde gegründet“, erzählt Rommenhöller weiter. Damit sei er zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. „Ich mache seit meiner Kindheit Musik, habe im Staats- und Domchor Berlin gesungen.“

In diversen Chören mitgesungen hat auch Andreas Loher, der erst seit drei Jahren zum Bernetschen Männerchor gehört und mit seinen 56 Jahren das Durchschnittsalter zumindest leicht drückt. „Im Schulchor fing es an“, so der 56-jährige Grafikdesigner, der ansonsten vor allem gern Jazz hört.

Es ist 19.30 Uhr, etliche Stühle sind zwar noch frei. „Einige Männer sind krank“, weiß Rommenhöller und beginnt mit der Probe. „Wir üben das Weihnachtsprogramm.“ Sechs Auftritte bestreiten die „echten Männer“ aus Joachimsthal in der Adventszeit. Am 28. November geht es in Parlow los. Und natürlich hoffen die Sangesbrüder dann auf den Beifall des Publikums. Denn: „Das ist noch immer der schönste Lohn“, ist man sich einig.

Der Bernetsche Männerchor probt dienstags, 19.30 Uhr, am Joachimsplatz (Haus 2)

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