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Selbstfindungsphase

Alexander Kempf / 23.11.2010, 08:07 Uhr - Aktualisiert 23.11.2010, 08:41
Fürstenwalde (In House) Die 1. Oberschule will mit Hilfe einer Arbeitsgemeinschaft ihre Geschichte aufarbeiten. Eine Lehrerin sucht dabei nicht nur Zeitzeugen, sondern auch einen neuen Schulnamen.

Als Dagmar Voigt und Guido Strohfeldt noch zur Schule gingen, war Schulgeschichte kein Thema. Ganz im Gegenteil. In der Deutschen Demokratischen Republik standen neue Namensgeber, wie Ernst Thälmann und Wilhelm Pieck, nicht aber alte Schulgebäude im Fokus. Heute erforschen die Geschichtslehrerin und der Museumschef gemeinsam die Geschichte der 1. Oberschule in Fürstenwalde.

Dabei gehörte deren Schulgebäude lange Zeit gar nicht zur Domstadt, sondern zu Ketschendorf, das erst 1950 eingemeindet wurde. Daher sei es auch nicht leicht, Informationen zu finden, erklärt der Museumsleiter. „Ketschendorf hatte keinen eigenen Kirchensprengel.“ Doch wer Schulgeschichte aufarbeiten will, komme um die Kirche nicht umhin, die noch bis ins 19. Jahrhundert das Monopol für die schulische Ausbildung in Deutschland hatte.

Beim Treffen mit Geschichtslehrerin Dagmar Voigt kann Guido Strohfeldt aber dennoch für etwas Aufklärung sorgen. Er hat ein Heft aus dem Jahr 1935 dabei, in dem der ehemalige Konrektor der Schule, Ernst Siebke, ein Kapitel auch der Schule in Ketschendorf widmet. „Aus der Geschichte eines Industrieortes“ steht auf dem Deckblatt.

Tatsächlich ist Ketschendorf zu dieser Zeit ein wahrer Wachstumskern, der durch ein angesiedeltes Kabelwerk stetig expandiert. Dem trägt auch die Schule Rechnung. 1892 wird das ältere Schulgebäude zur Straße hin fertig gestellt, 1904 wird ein noch größerer Bau mit „zwei Wohnungen für verheiratete Lehrer“ vollendet. Diese Wohnungen werden nur sechs Jahre später aus Platzmangel in Klassenzimmer umgewandelt.

Aus eben jener Zeit kann der Museumsdirektor auch zwei Bilder vorlegen. Es zeigt einen Mann mit Hut und Krawatte, umringt von gut drei Dutzend Knaben in feinem Sonntagsstaat mit Zierknöpfen. Die Bilder stammen vom pensionierten Fürstenwalder Rechtsanwalt Alfred Wegewitz. Einer der Knaben ist sein Vater.

Dagmar Voigt und Guido Strohfeldt hoffen nun, dass sich weitere Ketschendorfer bei ihnen melden und ihr privates Wissen mit ihnen teilen. Die Geschichtslehrerin möchte daraus mit Schülern eine Gedenkschrift für ihr Schulhaus erarbeiten. Vorbild sei die Grundschule „Theodor Fontane“. In einer Arbeitsgemeinschaft werden sich Schüler alle zwei Wochen zum Thema treffen. Für eine bevorstehende Projektwoche hat Dagmar Voigt schon zehn Jugendliche geworben, die mit ihr ins Kreisarchiv Beeskow fahren. „School History“, hat sie den einwöchigen Kurs genannt. Um gegen die alt eingesessenen Alternativen „Graffiti“ oder „Breakdance“ zu bestehen, war ein moderner Name nötig, erklärt sie. „Das kommt eben besser an.“

Von ihren Recherchen erhofft sich die Geschichtslehrerin auch einen neuen Namen für die 1. Oberschule, erzählt sie. Ernst Thälmann oder Wilhelm Pieck dürften keine Option sein.

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B. Kluge 23.11.2010 - 09:14:31

Selbstfindung mit Lonsdale

Liebe MOZ, sehr geehrter Herr Kempf vielleicht ist dem Schüler in der Bildmitte nicht klar, wessen Flagge er da auf seiner Brust demonstriert. Ein Redakteur sollte das schon wissen. Traurig, dass der Jugendliche in der MOZ eine so große Werbefläche gratis bekommt. Soll man aus dem Foto schließen, in welche Richtung sich die Suche nach einem Namen für die Schule bewegen wird? Setzt sich die Geschichtslehrerin auch mit den Symbolen der Gegenwart auseinander? Traurig!

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