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Mit Polnisch zu besseren Chancen

Kopf und Hand: Die Erst- und Zweitklässler lernen auch, ihre Körperteile auf Polnisch zu benennen.
Kopf und Hand: Die Erst- und Zweitklässler lernen auch, ihre Körperteile auf Polnisch zu benennen. © Foto: Katrin Becker
Katrin Becker / 24.11.2010, 20:15 Uhr
Frankfurt (Oder) (In House) Das Interesse an Polnischunterricht wachse, sagt die Schulleiterin der Grundschule Mitte. Am Oberstufenzentrum ist das Polnisch-Angebot jedes Jahr aufs Neue unsicher. Und am Słubicer Lyzeum wählen wieder mehr Schüler Deutsch als Abitur-Prüfungsfach. Insgesamt wächst in der Grenzregion die Überzeugung, dass man mit Kenntnis der Sprache des Nachbarn für eine Karriere besser ausgestattet ist.

„Tablica“ – die Kinder zeigen nach vorn zur Tafel, „stół“ –- die kleinen Finger wandern auf die Tischplatte, „kwiat“ – alle zeigen auf die Blume am Fenster. Gesang, Gitarrenbegleitung und Spiele gehören dazu, wenn Jurek Grabowski den Erst- und Zweitklässlern im Hort der Grundschule Mitte seine Muttersprache näherbringt. „Ich habe so viele Kinder in der Arbeitsgemeinschaft wie lange nicht mehr“, freut sich der Germanist aus Słubice, der jeden Montag im ehemaligen Friedrichsgymnasium mit rund 20 Grundschülern übt.

„Wir gehen manchmal nach Polen“ und „weil es Spaß macht“ sagen die Kinder über ihre Beweggründe, die Nachbarsprache zu lernen. Einige hatten vorher schon in der Kita etwas Polnisch kennengelernt, manche wachsen zweisprachig auf. An der Grundschule Mitte lernen die Kinder regulär Polnisch – als Fremdsprachenunterricht mit Benotung und gleichwertig zu Englisch, wie Schulleiterin Wiebke Tetzlaff berichtet. Seit vier Jahren gibt es diese Möglichkeit, mittlerweile nehmen rund 40 Prozent der 
430 Schüler daran teil. „In der Grenzregion ist man einfach besser ausgestattet, wenn man die Sprache des Nachbarn lernt“, ist die Schulleiterin sicher.

Laut Informationen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft (DPG) Brandenburg ist die Frankfurter Einrichtung die einzige Grundschule in Brandenburg, die diese Form konsequent umsetzt. Bemühungen, noch weitere Grundschulen in der Grenzregion vom regulären Polnischunterricht zu überzeugen, haben bislang nicht gefruchtet. Häufig würden hingegen Arbeitsgemeinschaften außerhalb des Schulunterrichts angeboten wie an der Evangelischen Grundschule oder, seit den Herbstferien durch die Spende eines Słubicer Unternehmers ermöglicht, auch an der Erich Kästner Grundschule.

Bereits auf eine jahrzehntelange Tradition hinsichtlich des Polnischunterrichts kann das Karl-Liebknecht-Gymnasium blicken, wo seit den 1950ern die Nachbarsprache gelehrt wird. Ab Klasse 7 kann hier Polnisch als zweite Fremdsprache gewählt werden, jedes Jahr komme laut Schulleiter Wolfgang Mayer ein Kurs mit rund 24 Schülern zusammen. Immer mehr Schüler haben jedoch Vorkenntnisse, was einen differenzierteren Unterricht erforderlich mache. Daneben besuchen polnische Schüler ab Jahrgangsstufe 10 das Frankfurter Gymnasium und legen hier auch ihr Abitur ab. Und seit mehreren Jahren nehmen Liebknecht-Schüler und Schüler des 2. Gymnasiums Słubice am „Latarnia“-Projekt teil, wobei mittwochs die Schulbänke getauscht werden. Momentan seien außerdem drei deutsche Schüler in Poznan.

Auch am Oberstufenzentrum lernen derzeit etwa 100 Schüler Polnisch. Gewünscht hatten dies die Ausbildungsbetriebe der angehenden Einzelhandelskaufleute und Verkäufer. Jedoch sei das Angebot nicht konstant, räumt Abteilungsleiterin Barbara Purps ein: „Die Möglichkeit ist immer abhängig von den zugewiesenen Lehrerstellen“. Auch aus anderen Branchen, Barbara Purps nennt die Immobilienkaufleute, wurde bereits Bedarf bekundet.

„Die Schüler sehen die Notwendigkeit, die Nachbarsprache zu lernen“, sagt Maria Jaworska. Die Direktorin des Słubicer Lyzeums stellt fest, dass das Interesse an der deutschen Sprache seit etwa zwei Jahren wieder zurückkehrt. Dabei lernen alle Schüler in den letzten drei Schuljahren bis zum Abitur an ihrer Schule Deutsch. Und wieder mehr Schüler möchten auch ihre Abschlussprüfung im Fach Deutsch ablegen, erzählt sie. Auch an den übrigen Słubicer Schulen wird Deutsch unterrichtet. Für Gesamtpolen hingegen geht das Interesse am Deutschunterricht allmählich zugunsten des Englischen zurück.

Um diesem Rückgang entgegenzuwirken, hatte das Goethe-Institut in Polen vor einigen Monaten das prestigeträchtige Projekt „Deutsch-Wagen-Tour“ gestartet: Fünf farbige Wagen sind dabei in Polen unterwegs, um mit Sprachlektoren, multimedialen Unterrichtsmaterialien und Wettbewerben junge Polen für die deutsche Sprache zu begeistern. In der DPG ist man überzeugt, dass ein ähnliches Programm wie der „Deutsch-Wagen“ auch für die deutsche Grenzregion sinnvoll wäre. Mit dem Titel „Polski Express“ sollte ein ähnliches Konzept umgesetzt werden, allerdings gibt es keine Finanzierung.

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Polygraph 25.11.2010 - 18:01:26

Hallo Herr Paul,

also Ihrem Kommentar kann man entnehmen, dass das Erlernen der Polnischen Sprache "verplemperte Zeit" wäre. Vielleicht ist Ihnen nicht bekannt, das vor und nach dem Ersten Weltkrieg die Bevölkerung in den Grenzregionen zweisprachig aufwuchs. Das hatte z.B. auch im grenzüberschreitenden Handel recht praktische Vorteile für beide Seiten. Auch gegenwärtig suchen deutsche Unternehmen für ihre Niederlassungen in Polen deutsche Führungskräfte mit perfekten Polnischkenntnissen, und finden oftmals keine. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass weit mehr Polen Deutsch sprechen, als wir Polnisch? Deutsche Überheblichkeit ist hier wenig hilfreich.

Exilfrankfurter 25.11.2010 - 11:16:32

Titelverweigerer

Dass man heute Englisch sprechen sollte ist ja wohl eher eine Selbstverstänlichkeit! Dass jede weitere Fremdsprache nur von Vorteil sein kann sollte auch jedem klar sein... Und aus eigener Erfahrung: je weniger deutsche Schüler eine bestimmte Fremdsprache lernen um so höher ist der eigene Marktwert, wenn man diese spricht! Also würde ich nicht von verplemperter Zeit sprechen.

Paul 25.11.2010 - 07:26:47

Polnisch => Weltsprache

Schade um die Zeit, welche die Schüler mit Polnischunterricht verplempern. Die Zeit sollte doch lieber in Mathe, Deutsch und vor allem in ein richtiges Wirtschaftsenglisch investiert werden. Wieviel von den polnisch lernenden Schülern bleiben denn nach dem Schulabschluss in Frankfurt, und wieviel davon brauchen dann POLNISCH ! Dieses Schulfach gehört sofort abgeschafft, als Hinweis gilt die PISA-Studie. Paul

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