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Leidenschaft und Wehmut

Stilsicher und ausdrucksstark: Begleitet von den Musikern Harry Timmermann (l.) und Sergej Lukaschow sang Berna Kühne-Spicer auch ein Lied über eine jüdische Mutter.
Stilsicher und ausdrucksstark: Begleitet von den Musikern Harry Timmermann (l.) und Sergej Lukaschow sang Berna Kühne-Spicer auch ein Lied über eine jüdische Mutter. © Foto: Elke Lang
Elke Lang / 29.11.2010, 07:24 Uhr
Storkow (In House) Klezmer ist auf der Burg Storkow keine Seltenheit, ob im Rahmen einer Lesung, einer bunten Veranstaltung oder als eigenständiges Konzert. Am Freitagabend begeisterten im Großen Saal über eine Stunde lang zwei Spitzenmusiker der international bekannten Berliner Gruppe Harry’s Freilach.

„Freilach heißt fröhlich“, erklärte der Klarinettist Harry Timmermann, und das war auch die Stimmung dieses Abends. Es erklangen Tanzlieder für Feste und Familienfeiern, besonders für Hochzeiten. Über dem harmonischen Grundgerüst durch das Akkordeon ließ der Musiker seine Klarinette schluchzen, lachen, meckern und hüpfen. Er überblies, gab Farbe mit Vibratos und Trillern, zog den Ton lang, um ihn dann urplötzlich abzustoßen. Es gab Stücke, die steigerten sich in ein geradezu schwindelerregendes Tempo. Das Publikum war begeistert und konnte manchen Titel auch in seiner freien Improvisation wiedererkennen. Darunter war aus dem Musical „Anatewka“ nach dem Roman „Tewje der Milchmann“ das bekannte Lied „Wenn ich einmal reich wär’“.

Bereits im Juni dieses Jahres waren die Storkower und ihre Gäste auf den Geschmack gekommen, als Harry’s Freilach beim internationalen Gala-Abend „Die magische Brücke“ zwanzig Minuten lang typischen Klezmer darboten. Diese Gala war von der Storkowerin Berna Kühne-Spicer arrangiert worden, die am Freitag erneut als Veranstalterin fungierte und selbst mit auftrat.

Harry’s Freilach unter der Leitung Harry Timmermanns aus Zeuthen spielt seit 1992 in wechselnden Besetzungen Freilachs, Horas, Nigunim und chassidische Tänze sowie neuere Kompositionen im Klezmer-Stil, wie er sich von Osteuropa aus über die ganze Welt verbreitet hat. Gekommen war Harry Timmermann diesmal mit dem Ukrainer Sergej Lukschow, der Bajan spielt, eine osteuropäische Form des Knopfakkordeons.

Das gesamte Konzert wurde von Harry Timmermanns Spiel- und Ausdruckskunst getragen. Aber auch die zwei Solostücke von Sergej Lukaschow, ukrainische Hochzeitstänze, und die zwei Lieder von Berna Kühne-Spicer wurden von den knapp 50 Zuhörern mit stürmischem Applaus aufgenommen. Die Storkowerin, die mit großer Stilsicherheit und Leidenschaftlichkeit beeindruckte, hatte ihr Lied über eine jüdische Mutter, über ein Mutterherz, das alles „wunderhell“ werden lässt, Dorothea Herzberg gewidmet. Diese junge jüdische Frau, die den Holocaust nicht überlebte, war für einige Zeit in dem Haus Am Markt versteckt worden, in dem die Sängerin heute lebt.

Auch Astrid Schömberg, Jürgen Matschuk und Bettina Knorrek aus Storkow gehörten zu denen, welche die Künstler nicht ohne Zugabe gehen ließen. „Die Musik ist schwungvoll, peppig, immer mit einer Geschichte verbunden und lebensfroh – man könnte mittanzen“, war Jürgen Matschuk begeistert. „Und aus der Mischung aus Wehmütigkeit und Heiterkeit wird die jüdische Seele vorstellbar“, ist für Bettina Knorrek das Beglückende. Astrid Schömberg wiederum ist von der Sehnsucht und Zuversicht angetan, die aus dieser Musik sprechen.

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