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Kinderbuchillustratorin Gertrud Zucker mit Ausstellung auf Burg Beeskow

Plakat zum „Schulgespenst“: Das Buch mit Illustrationen von Gertrud Zucker war in der DDR sehr beliebt und diente als Vorlage zum gleichnamigen Film. Die Künstlerin, die im Januar 75 wird, stellt ab Sonnabend auf der Burg Beeskow aus.
Plakat zum „Schulgespenst“: Das Buch mit Illustrationen von Gertrud Zucker war in der DDR sehr beliebt und diente als Vorlage zum gleichnamigen Film. Die Künstlerin, die im Januar 75 wird, stellt ab Sonnabend auf der Burg Beeskow aus. © Foto: Karl-Heinz Arendsee
Ruth Buder / 08.12.2010, 08:04 Uhr
Beeskow (In House) Die Ausstellung ist eine Hommage an Gertrud Zucker. Ab kommenden Sonnabend zeigt die Burg Beeskow Arbeiten der in Bad Saarow lebenden Kinderbuchillustratorin. Am 3. Januar wird sie 75 Jahre alt. Zu den bekanntesten Büchern, die sie bebilderte, gehörten wohl „Ilse Bilse“ oder „Das Schulgespenst“, das auch verfilmt wurde. Die freischaffende Künstlerin erhielt mehrere Preise, darunter 1989 den Kunstpreis der DDR und – ebenfalls 1989 – die Bronzemedaille der Internationalen Buchausstellung Leipzig für das Buch „Weshalb bekommt man eine Ohrfeige“.

„Lirum, larum Löffelstiel, alte Weiber essen viel, junge müssen fasten, Brot liegt im Kasten ....“, heißt es in einem alten (vielleicht wieder hochaktuellen) Reim. Gertrud Zucker hat dem im Vers beschriebenen „alten Weib“ einen Haarknoten, rote Pausbacken und eine üppige Leibesfülle gegeben. Lustig anzusehen – für Alte wie Junge.

In Stil und Technik hat sich die Künstlerin nie festgelegt, deshalb ist sie auf den ersten Blick nicht immer unverwechselbar. Gertrud Zucker hat viele Handschriften, ihre Figuren sind konservativ schön, auch nach der Wende hat sie keinen Zeitgeist bedient, auch wenn mancher Verleger es gewünscht hat. Ein bisschen trauert die 74-Jährige schon der „geschlossenen Gesellschaft“ in der DDR hinterher, die rund 100 Kinderbuchillustratoren viel Raum für kreatives Arbeiten gegeben und deren Auskommen gesichert habe. Das habe sich nach der Wende schlagartig geändert. Kinderbuchillustrator zu sein, sei heute eine „brotlose Kunst“. Das Werben um den Druck eines Buches gehe bis an die Grenzen der Demütigung, sagt Gertrud Zucker. Zwei unveröffentlichte Bücher sind auf der Ausstellung auch zu sehen: „Krümel“ mit Texten von Peter Abraham und „Mein Geburtstagszoo“ mit Texten von Helmut Preißler. Hier fand sich bislang kein Verleger.

Es sind die einzigen Wermutstropfen. Im Grunde ist die Exposition unterm Dach der Burg die Erfolgsgeschichte eines künstlerischen Lebens. Auch wenn die Illustratorin nur ein Bruchteil ihrer Arbeiten zeigt, wird die Vielfalt ihres Talents, die Ausdauer eines jahrzehntelangen Schaffens sichtbar. Inspiriert haben sie Autoren wie Peter Abraham, Fred Rodrian, Ruth Werner, Helmut Preißler, Benno Pludra oder auch Till Sailer. Letzterer erzählt in einem gemeinsamen Buch die zauberhaft farbig illustrierte Geschichte „König Midas und sein Barbier“. Gezeigt werden die fertigen Bände wie „Ilse Bilse“, „Taps und Tine“, „Das Schulgespenst“, „Weshalb bekommt man eine Ohrfeige“ oder „Hosenmatz“ , aber auch der lange Weg bis zu ihrem Druck. Dennoch wirken die Skizzen, Zeichnungen, Grafiken, darunter auch Kratz- und Schabtechniken, wie von leichter Hand gemacht.

Für Gertrud Zucker war schon in jungen Jahren klar: Entweder werde ich Schlittschuhläuferin oder Künstlerin. Sie entschied sich für letzteres, holte sich nach ihrer Schulzeit in Berlin das nötige Rüstzeug während eines Grafikstudiums an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. Ihre Lehrer waren Arno Mohr, Werner Klemke und Paul Rosié.

Eingestiegen ist sie in ihren Beruf über Kinoplakate für Kinderfilme und den Verleiher „Progress“. „Das war ja damals pure Handarbeit, und so hatte ich beim Verlag etwas zum Vorzeigen“, erzählt Gertrud Zucker.

Seit 1960 lebt sie als freischaffende Künstlerin in Bad Saarow, sie ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder, acht Enkel und einen Urenkel. In Mutters und Omas Fußstapfen ist bisher keiner ihrer Nachkömmlinge gestoßen. „Meine Kinder fanden es eher peinlich, eine Mutter zu haben, die Kinderbücher macht“, erinnert sich die Saarowerin. „Kinder möchten ja immer solche Mütter wie die anderen Kinder haben.“

Dem kommenden Sonnabend sieht sie etwas aufgeregt entgegen. Viele Künstler-Gefährten, Bekannte, Freunde und die Familie werden dabei sein. Besonders freut sich die angehende Jubilarin auf Enkelin Friederike. Die Gesangsstudentin wird für die Gäste und ihre Großmutter singen.

Die bis zum 13. Februar 2011 laufende Ausstellung „Ilse Bilse, jeder will se“ wird am Sonnabend um 15 Uhr auf der Burg Beeskow „Unterm Dach“ eröffnet. Die Laudatio hält Till Sailer. Es werden auch Kinderbücher mit Illustrationen von Gertrud Zucker verkauft.

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