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Wiedersehen mit der Heimatstadt

MHOEFER1N / 08.09.2008, 06:12 Uhr
Als die meisten von ihnen Frankfurt verließen, waren sie Mitte 20. Einige waren verheiratet, hatten Kinder, einen Beruf, eine Anstellung. Doch der Entschluss der Freunde stand fest: In der DDR wollten sie nicht leben und siedelten in den westlichen Teil Deutschlands um. Jetzt kamen sie zurück in ihre alte Heimat- stadt.

Das längst geschlossene und mit Unkraut überwucherte Haus am Berg - das war der Treffpunkt der zwölf Freunde. Zum Tanzen kamen sie hierher, zum Musik hören. Die AHB Swing Band, gegründet von Georg Kosciel- niak und Hans-Jürgen Schmutzler, die hörten sie gern. Doch nicht lang. "Swing Band, das klang doch viel zu amerikanisch. Also wurde die Band verboten. Georg und Hans-Jürgen durften nicht mehr zusammen spielen", erinnert sich Orthopädieschuhmacher Armin Malik, der heute in Babenhausen lebt. Musikagent Georg Koscielniak zog die Konsequenzen und 1953 weg. Er lebt heute in Luzern und hatte vor zehn Jahren die Idee, die Freunde wieder zusammenzutrommeln. "Seitdem treffen wir uns jedes Jahr einmal. Immer bei einem von uns", erzählt Gisela Lange, die in Bad Harburg lebt.

Zum 10. Jahrestag dieser Treffen hatten sie sich Frankfurt, ihre Heimatstadt ausgesucht. Einige der heute Mittsiebziger waren seit 50 Jahren nicht mehr in der Stadt. Und wie die Damen und Herren so am alten Straßenbahndepot stehen und auf den Start zur Sonderfahrt warten, kommen weitere Erinnerungen. An die Tanzabende im Leipziger Garten (Polonia), die Schulzeit in der Oberschule Wieckestraße und später im Friedrichsgymnasium, an den Onkel von Georg Koscielniak, Gustav Scheithauer, der den Gutshof Nuhnen leitete. An den Porzellanladen Dieterich in der Berliner Straße, den Gisela Lange damals mit ihrem Mann führte. Oder an die Stunden für das Nationale Aufbauwerk für das Kleist-Café. "Die Steine, die dafür gebraucht wurden, haben wir herantransportiert. Dafür wurde die Mauer rund um den Friedhof, das ist heute der Kleistpark, zur Hälfte heruntergenommen", erinnert sich Karl-Eberhard Assmann.

Das Kleist-Café haben die Freunde am Sonnabend besucht, um dort gemeinsam Abendbrot zu essen. Doch zuvor sind sie noch zu ihrem Haus am Berg gegangen, haben sich durchs Gebüsch geschlagen, um dann mit Sekt auf die schönen Abende anzustoßen, die schon mehr als ein halbes Jahrhundert her sind.

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