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Eis-Wasser steigt hoch und höher

Wasser am Haus bei Fritz Kretschmer in Erkner.
Wasser am Haus bei Fritz Kretschmer in Erkner. © Foto: MOZ
Joachim EGGERS / 11.12.2010, 08:35 Uhr
Erkner/Hartmannsdorf (In House) Nasse Keller, Bohlen von der Straße zum Haus – auf vielen Erkneraner Grundstücken in Spree-Nähe hat das Wasser bedrohliche Höchststände erreicht. In Hartmannsdorf ist die Straße nach Stäbchen gesperrt. Landwirte müssen ihre Tiere von den Weiden nehmen. Sie kritisieren die Wasserpolitik des Landes. Das Kreis-Umweltamt führt die Situation auf die vielen Niederschläge im Sommer und Herbst zurück. Den Einsatz eines Eisbrechers auf dem Dämeritzsee lehnt das Wasser- und Schifffahrtsamt ab. Auf dem Oder-Spree-Kanal hat er dagegen die Schifffahrt wieder ermöglicht.

Manfred Stachowiak hat vorgesorgt. Der Erkneraner weiß, dass sein Grundstück in der Wuhlhorster Straße, wegen der Feuchtwiesen zum Bretterschen Graben hin, bei Hochwasser Probleme bekommt. Deshalb hat Stachowiak das Fundament seiner Garage hinter dem Haus 10 Zentimeter über den höchsten Wasserstand gelegt, der seit 1945 gemessen worden ist. Am Freitag stand das Eis drei Zentimeter unter der Fundament-Kante – das Wasser steht sieben Zentimeter höher als je zuvor.

Noch schlimmer sieht es in der Herweghstraße in Erkner aus. Hans-Peter Bernert, Fritz Kretschmer und andere haben sich Bohlen von der Straße zu ihren Häusern gelegt, um trockenen Fußes hinein zu kommen. Der Rest ihrer Gärten ist von einer Eisschicht überzogen. Bei Kretschmer ist ein Kriechkeller überflutet. Der Auto-Unterstand ist nicht erreichbar. „Ich habe den Wagen im letzten Moment auf die Straße gefahren.“ Bernert sieht die Ursache des Hochwassers darin, dass die Gräben der Umgebung verkrautet seien. Auch die Uferbefestigung der Spree sei schlechter geworden, sodass der Fluss verlande und überschüssiges Wasser nicht mehr aufnehmen könne. Bernert nennt den Gosener Graben, der über Stichkanäle mit der Spree verbunden ist. Auch Landwirt Jens Werner beklagt, der Abfluss vom Karutzsee zum Bretterschen Graben sei zu.

In Hartmannsdorf sieht es nicht besser aus. Sylvia Karow pumpt seit September Wasser aus dem Keller. Die Möbel aus den einst dort gelegenen Kinderzimmern liegen bereits auf dem Sperrmüll. Schimmelpilze wachsen an den Wänden. Einige Häuser weiter räumen Renate und Manfred Lehmann ihren Keller leer. Das Wasser tritt durch die Wände und schwappt sogar in die 1,20 Meter hohe wasserdichte Wanne, die die Hartmannsdorfer für viel Geld haben bauen lassen. „Wir wohnen hier seit 40 Jahren, aber so etwas haben wir noch nicht erlebt“, sagt Manfred Lehmann. „Die Lage ist dramatisch“, sagt Spreenhagens Bürgermeister Bernhard Baumann. „Alle, die einen Keller haben und in der Nähe der Spree wohnen, haben Wasser im Keller.“ Zwischen Hangelsberg und Neu Zittau, so schätzt er, gibt es „einige hundert Betroffene“.

Seit Donnerstag ist die Straße zwischen Hartmannsdorf und Stäbchen überflutet und gesperrt – allerdings nur mit Warnbake und Verbotsschild. Autofahrer räumten beides beiseite. Am Freitag wurde nachgerüstet. Ausschließlich Spezialfahrzeuge, die zur OPAL-Gas-Trasse müssen, dürfen passieren, sagt Spreenhagens Amtsdirektor Joachim Schröder.

Kritik an mangelnder Gewässerpflege durch den Landschaftspflegeverbands Untere Spree wird laut. Verbands-Chef Torsten Weidner sagt, am Zustand der Gräben liege es nicht. Ab Freienbrink gebe es einen Eis-Rückstau, und in der Müggelspree sei das Wasser so hoch, dass die Gräben es nicht abführen können.

Volker Schmohl, der zwischen Gosen und Fürstenwalde mehr als 1000 Hektar Fläche hat, spricht von einer falschen Wasserpolitik des Landes. Er musste nach eigenen Angaben vor zwei Tagen seine Tiere auf Weisung des Amtsarztes von den Weiden nehmen. Schmohl spricht von künstlicher Aufstauung des Wassers der Spree – von Spremberg bis Berlin. Seine Forderung: Das Wasser müsste an der Großen Tränke im großen Stil in den Oder-Spree-Kanal gelenkt werden.

Den Einsatz eines Eisbrechers auf dem Dämeritzsee, um den auch Erkners Bürgermeister Jochen Kirsch gebeten hat, hält Schmohl für sinnlos – dazu sei das Spreeeck zu verlandet. Zuständig für Eisbrecher ist das Wasser- und Schifffahrtsamt. Gerrit Riemer, Sachbereichsleiterin für Wasserstraßen-Überwachung, sagt auch, ein Eisbrecher wäre kontraproduktiv. Sie hat das Umfeld bis zum Spreewald im Blick – und sieht überall zu viel Wasser. Seit zehn Tagen werde an der Großen Tränke das meiste über den Oder-Spree-Kanal gelenkt.

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