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Die Rückkehr der Wölfe

Hungrig: Ein Wolf frisst von einem Knochen im Wildpark Schorfheide.
Hungrig: Ein Wolf frisst von einem Knochen im Wildpark Schorfheide. © Foto:
Ralf Loock / 17.12.2010, 22:32 Uhr
Beeskow (In House) Mehr als zehn Mal wurden in diesem Jahr im Landkreis Oder-Spree freilaufende Wölfe der Jagdbehörde in Beeskow gemeldet. Deren Mitarbeiter Matthias Fochtmann spricht von „gesicherten Hinweisen“. Damit sind Beobachtungen von zuverlässigen und glaubwürdigen Menschen wie beispielsweise von Förstern und Jägern gemeint. Gesichtet wurden die grauen Raubtiere in den vergangenen Monaten auch in Wäldern bei Storkow und bei Neubrück.

Bei einer Jagd bei in der vergangenen Woche bei Groß Eichholz bei Storkow herrschte gute Stimmung. Plötzlich entdeckten Jäger im Unterholz zwischen den fliehenden Wildschweinen und Rehen ein Tier, das die meisten nur aus dem Bilderbuch kannten: einen freilaufenden Wolf. Keiner wagte es, auf das Raubtier zu zielen, schließlich stehen Wölfe in Deutschland unter gesetzlichem Schutz. Und der wird streng eingehalten. In den vergangenen Jahren wurde mehreren Schützen der Prozess gemacht, die angeblich aus Versehen einen Wolf erlegt hatten. So entkam der Wolf bei Groß Eichholz ungeschoren.

Matthias Fochtmann von der Jagdbehörde des Landkreises kennt viele solcher Meldungen aus der Region Oder-Spree. In den Bundesforstflächen bei Storkow wurden diese Tier oft gesehen, in den vergangenen Monaten habe es im Großraum Neubrück vermehrt Hinweise auf Wölfe gegeben.

Die Tiere sind aus Osteuropa nach Deutschland eingewandert, aber die meisten, die jetzt in Brandenburg unterwegs sind, sind nicht selber über die Oder gekommen, sondern stammen aus dem Süden – so jedenfalls die Beobachtung der Experten. Auf verlassenen Truppenübungsplätzen in der Lausitz haben sich bereits ganze Wolfsrudel eingenistet. Einzelne Tiere wandern von dort aus nach Norden und erreichen so Beeskow, das Schlaubetal, Storkow und Neubrück. Andere wandern weiter ins nördliche Brandenburg und nach Mecklenburg-Vorpommern.

Ein Jäger, der vor etwa zwei Jahren an einem dunklen Winterabend mit seinem Wagen bei Kieselwitz im Schlaubetal unterwegs war, entdeckte auf der Straße zwei Wölfe. Trotz Bremsung fuhr er einen an. Das Tier wurde augenscheinlich leicht verletzt. Beide verschwanden im Unterholz.

Klagen von Bauern aus der Region über von Wölfen getötete Schafe liegen der Behörde nicht vor. Die Raubtiere, die im Schlaubetal unterwegs sind, machen auch Jagd auf Mufflons. Dies ist eine Wildschafart, die auf den Mittelmeerinseln Korsika und Sardinien beheimatet ist und die im Zuge der DDR-Staatsjagden im Schlaubetal angesiedelt worden war.

Die Mufflons können nicht so gut flüchten, daher werden sie für Wölfe oft zur leichten Beute, berichtet Monika Haker vom Forstbetrieb in Müllrose. Dazu komme, so ergänzte Matthias Fochtmann, dass einige Mufflons stehen bleiben und die Raubtiere mit ihren Hörner attackieren wollen. Damit geraten sie in ihr Verderben. Forstexperten vertreten die Prognose, dass die Wölfe sehr wahrscheinlich die Mufflons im Schlaubetal ausrotten werden, erläutert Matthias Fochtmann. So ganz neu ist der Wolf in der Region nicht. Schon zu DDR-Zeiten waren im gesamten Gebiet der Republik 33 Wölfe gefangen, geschossen oder angefahren worden. Fochtmann erwartet, dass sich immer mehr Wölfe in der Region ansiedeln werden.

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