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TV-Moderator Dieter Moor im ländlichen Modelldorf

Fernsehmoderator Dieter Moor interessiert sich nicht nur für Hochkultur. Im brandenburgischen Hirschfelde betreibt er seit sieben Jahren einen Öko-Bauernhof.
Fernsehmoderator Dieter Moor interessiert sich nicht nur für Hochkultur. Im brandenburgischen Hirschfelde betreibt er seit sieben Jahren einen Öko-Bauernhof. © Foto: dpa
20.12.2010, 10:21 Uhr
Hirschfelde (DPA) Kultur und plattes Land ­ das passt doch nicht zusammen. „Im Gegenteil“, sagt Dieter Moor (52) und streichelt eines seiner bulligen Galloway-Rinder. Zwar ist es vor allem großstädtische Hochkultur, die der Moderator von „titel thesen temperamente“ am Sonntagabend in der ARD präsentiert. Moors Alltag spielt sich aber woanders ab: weit draußen in der brandenburgischen Provinz.

Im Dorf Hirschfelde (Barnim) bewirtschaftet der gebürtige Schweizer mit seiner Ehefrau Sonja seit sieben Jahren einen Öko-Bauernhof. Jetzt wird expandiert: Gemeinsam mit anderen Dorfbewohnern wollen die beiden den Ort zu einem „Modelldorf“ für ökologisches und soziales Miteinander machen. Und auch Kultur kommt in dem Örtchen eine knappe Autostunde von Berlin entfernt nicht zu kurz.

„Ländliche Agri-Kultur ist fast so alt wie die Menschheit selbst“, sagt Moor. Auf Äckern seien die ersten zivilisatorischen Leistungen erbracht worden ­ das Bestellen von Feldern und das Domestizieren von Tieren. Menschen kochten und lernten, Lebensmittel zu konservieren. „Hirschfelde ist 800 Jahre alt. Wie viele Füße hier schon über das Land gegangen sind, das jetzt ich selbst beackere“, meint Moor ehrfürchtig. Mit den vielen Seen, den weiten Feldern sei die Region eben nicht „Dunkeldeutschland“, sondern eine lange verkannte Schatztruhe.

Wie schön es in der brandenburgischen Provinz sein kann, beschrieb Moor nach seinem Umzug 2009 in seinem Buch über die „arschlochfreie Zone“. In Hirschfelde lagen nach der Wende nicht nur die Felder brach, sondern in Teilen auch das nachbarschaftliche Miteinander. Viel Zeit des Lebens wird außerhalb des Dorfes verbracht. Sogar zum Bäcker fahren zahlreiche Landbewohner heute kilometerweit mit dem Auto, nicht nur in Hirschfelde. Zum Supermarkt-Discounter sowieso: „Im Sommer sind hier die Bäume voll mit Äpfeln. Aber die Leute holen sie bei Lidl“, sagt Moor. So könne selbst in einer 300-Seelen-Gemeinde wie Hirschfelde Anonymität entstehen.

„Es gab hier praktisch keinen Punkt im Dorf, wo sich alle mal treffen konnten“, sagt Andreas Strube, Aufsichtsratschef der Hirschfelder Genossenschaft. Sie hat dafür gesorgt, dass es diesen Treffpunkt wieder gibt. Im ehemaligen Konsum aus Ostzeiten wurde im November der Dorfladen ins Leben gerufen. Er ist Tante-Emma-Laden, Tratschplätzchen, Kleinkredit-Bank und Kulturcafé in einem.

Es geht darum, zurück zu den Wurzeln zu gehen. Vor allem regionale Produkte werden verkauft: Wurst, Schrippen und Fruchtlikör. Es gibt Serviceangebote wie eine Handwerkervermittlung. Und für Kultur ist auch gesorgt: Im Saal sollen Dorffeste gefeiert werden. Demnächst gibt es ein Jazz-Konzert. Mitmachen kann in der modernen Kommune jeder Hirschfelder, indem er einen Anteilsschein erwirbt. „Die Leute sind doch hungrig danach, etwas Sinnvolles zu tun“, sagt Strube. So eine Genossenschaft, das sei gelebte Demokratie.

Der Dorfladen ist nur der Anfang. Strube, das Ehepaar Moor und die anderen Hirschfelder haben mit ihrem Modelldorf noch viel vor. Ob liebevolle Landschaftspflege, artgerechte Tierhaltung oder nachbarschaftliche Hilfe von Haustür zu Haustür - Ziel ist ein neues Bewusstsein für das Zusammenleben im ländlichen Raum, eine neue kulturelle Identität. Kulturmoderator Moor will fleißig mithelfen. Gerade hat er ein neues Buch über eine ökologisch bewusste Küche veröffentlicht. „Es wäre schön, wenn unser Engagement über Hirschfelde hinaus Schule macht“, meint er.

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Zwergnase 20.12.2010 - 17:34:02

Dieter Moor- kreativ, innovativ und hartnäckig.

Grüße Sie, habe Ihr Buch gerne gelesen. Da ich in ähnlicher Situatiion zur gleichen Zeit wie Sie nach Brandenburg gekommen bin, freue ich mich immer von Ihnen zu hören. Die Landschaft ist wunderschön. Man braucht allerdings etwas Zeit um anzukommen. Vernetzten Sie sich und Sie werden merken, um wie viel reicher Sie werden. Es gibt hier wunderbare Initiativen, die auch Unterstützung erfahren sollten. Da ist es im nachhinein überhaupt nicht mehr negativ sein Auto benutzt zu haben. Brandenburg will entdeckt werden.

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