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Seit 65 Jahren ein Haus der Kinder

Farbtupfer: Von Gelb bis Terracotta leuchtet die Fassade des Kinderheims am Grünen Weg auch an grauen Wintertagen.
Farbtupfer: Von Gelb bis Terracotta leuchtet die Fassade des Kinderheims am Grünen Weg auch an grauen Wintertagen. © Foto: MOZ/Dietmar Horn
Karin Sandow / 22.12.2010, 08:04 Uhr
Frankfurt (In House) Auf den Tag genau am Heiligabend begeht das Kinderheim Clara Zetkin ein Jubiläum. Mit einer Weihnachtsfeier ist es 1945, also vor 65 Jahren, eröffnet worden. Willy Jentsch, damals stellvertretender und später Oberbürgermeister von Frankfurt, ließ es einrichten, seine Frau, von allen nur Muttchen genannt, war erste Leiterin. Heute ist das Haus dank vieler Sponsoren und Unterstützung der Stadt schöner denn je. 35 Kinder und Jugendliche aus Familien in Krisensituationen werden betreut. Der Arbeit mit den Familie gehört die besondere Aufmerksamkeit der Erzieher.

Heinz Lange hieß das erste Kind, das im Dezember 1945 im Kinderheim am Grünen Weg aufgenommen wurde. Zwölf Jahre alt war der Junge damals. Vater und Bruder waren im Krieg gefallen, die Mutter kurz nach Kriegsende an Typhus gestorben. Wie andere Kriegswaisen hauste er in Ruinen, suchte am Bahnhof aus den Abfällen Reisender etwas zu essen. Willy Jentsch, damals stellvertretender Oberbürgermeister, machte es sich zur Aufgabe, für Kinder wie ihn ein Heim in der Stadt zu schaffen. Am 24. Dezember wurde es unter dem Namen Clara Zetkin eröffnet. Jentsch’ Frau war erste Leiterin. Sie wurde, wie Heinz Lange später berichtete, von allen immer nur Muttchen genannt.

Auch andere Erinnerungen überlieferte das erste Heimkind den späteren Erziehern und Heimbewohnern. Da lebte er schon lange mit seiner Pflegemutter in Rüsselsheim, hielt aber Kontakt zum Haus, in dem er in schweren Jahren nicht nur eine Heimstatt fand. Ihm und allen anderen Mädchen und Jungen, so das Credo von Jentsch und den damaligen Mitarbeitern, sollte Selbstbewusstsein und Kraft vermittelt werden, ihr eigenes Leben zu gestalten. Nie sollte einer das Gefühl haben, als Heimkind weniger wert zu sein als andere. „Und genau so halten wir es heute noch“, erzählt Ines Webert, die das Kinderheim jetzt leitet.

Vieles hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Waren es früher vor allem Flüchtlingskinder und Kriegswaisen, die im Heim ein neues Zuhause und Geborgenheit fanden, sind es heute Kinder und Jugendliche, deren Familien unterschiedliche Krisensituationen durchleben. Sie wohnen inzwischen nicht nur im Haus am Grünen Weg, sondern auch in Außenwohngruppen in der Herbert-Jensch-Straße und in der Mixdorfer Straße. Auch zwei alleinstehende Mütter mit Kleinkindern leben in der Gemeinschaft. Wichtiges Anliegen der Mitarbeiter ist die Arbeit mit den Familien der Kinder und Jugendlichen, „denn unser Ziel ist es, dass die Krisensituationen bewältigt wird und die Kinder wieder im Schoß ihrer Familie leben können“, so die Heimleiterin. Das gelinge nicht in jedem Fall. Und so wird es auch am Heiligabend Mädchen und Jungen geben, die im Heim sind.

„Unser Haus ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet, es gibt Kinder, die an Wochenenden oder Feiertagen nach Hause können und andere, die bleiben“, so Ines Webert. Doch es geht allen sehr gut, versichert sie. Mitunter kämen Menschen, die den Kindern etwas schenken wollen. Darüber freuen sich Ines Webert und ihre Kollegen. Doch sie zeigen dann auch erst einmal das Haus, um deutlich zu machen, dass die Bewohner nicht bedürftig sind.

„Wir haben inzwischen sehr viele Förderer und Sponsoren, denen wir viel verdanken. Das Haus sieht von außen und innen wunderschön aus. Daran haben viele Anteil, zum Beispiel die Aktion Wirtschaft für Kinder, andere Unternehmen und Privatpersonen wie ein anonym bleiben wollender Nikolaus aus Berlin. Allen ein großes Dankeschön“, sagt Ines Webert, die so auch guter Dinge in die Zukunft schaut, denn am 1. Januar wird der Verein Kinderheim Clara Zetkin das Haus in seine Trägerschaft nehmen, nachdem man sich „im Guten“, wie sie versichert, von der Kindervereinigung Mit Kindern für Kinder getrennt hat.

Eine Feier zum Jubiläum wird es aber nicht geben. Kinder und Mitarbeiter haben sich stattdessen vor einigen Wochen ein gemeinsame Wochenende auf Schloss Boitzenburg gegönnt.

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