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Vom Straßenrand auf den Acker

In Mehrow: Auch Neuenhagener Laub, Grün- und Holzabfälle verarbeitet Torsten Rahlf zu einem Gemisch, das Landwirte gern zur Bodenverbesserung kaufen. Foto: MOZ/Irina Voigt
In Mehrow: Auch Neuenhagener Laub, Grün- und Holzabfälle verarbeitet Torsten Rahlf zu einem Gemisch, das Landwirte gern zur Bodenverbesserung kaufen. Foto: MOZ/Irina Voigt © Foto: Irina Voigt/MOZ
Irina Voigt / 05.01.2011, 18:59 Uhr
Mehrow/Neuenhagen (In House) Die Frage, was mit dem in Neuenhagen eingesammelten Laub geschieht, bewegt den Gemeindevertreter Billy Six (Neue Bürgerallianz) nach wie vor. Sämtliche Antworten aus Ministerien und Verwaltungen befriedigen den 23-Jährigen nicht. Er sieht weiterhin Unrechtmäßigkeiten.

Die Gemeinde Neuenhagen hat seit einigen Jahren die Mehrower Firma von Torsten Rahlf mit der Entsorgung des Straßenbaumlaubs und des Grünschnitts von den öffentlichen Flächen und Straßenlagen beauftragt. Nachdem es im vergangenen Jahr in den Fachausschüssen aufgrund von Nachfragen von Billy Six um Mengen und Abrechnungen Debatten gegeben hatte – bezahlt wurde durchschnittlich für rund 4500 Kubikmeter Laub –, fragt der Fraktionsvorsitzende der Neuen Bürgerallianz (NBA) nach dem Verbleib des Laubes.

Seinen Recherchen nach würde der Entsorger Rahlf keine genehmigte und zertifizierte Kompostieranlage betreiben. Six schlussfolgert das aus einer Liste, die vom Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg veröffentlicht wird.

„Dort ist das Unternehmer tatsächlich nicht als zertifizierte Kompostieranlage verzeichnet. Wir betreiben ja auch keine Kompostieranlage nach dieser Definition, sondern im Unterschied dazu seit 2007 eine genehmigte Anlage zur Bodenaufbereitung“, sagt Geschäftsführer Torsten Rahlf. Sein Unternehmen besitze dafür die erforderliche Bescheinigung als „Immissionsschutzrechtlich genehmigte Anlage zur Aufbereitung von Boden mit Zwischenlager“, die jedes Jahr aktualisiert wird.

Carola Diescher aus dem Referat Anlagen- und Umweltüberwachung beim Landesumweltamt verweist auf diese Genehmigung. „Der Inhaber darf im Jahr zwischen 3000 und 30 000 Tonnen Stoffe verarbeiten“, sagt sie. Die Erlaubnis gelte für Kork- und Holzabfälle sowie Grünschnitt, Laub und Gras.

Auf dem Betriebshof landet in der Saison das Laub aus Neuenhagen und 15 weiteren Gemeinden im Umkreis auf großen Haufen. „Es wird im Verlauf von sieben Monaten immer wieder zerkleinert, mit Erde gemischt und versetzt mit geschreddertem Holz, Ästen und Grasschnitt“, sagt Rahlf. Zum Schluss werde alles nochmals gründlich gesiebt und an Landwirte für die Verbesserung der Böden von Feldern und Wiesen oder auch an Gartenbetriebe verkauft. „Die nehmen das Gemisch sehr gern, es ist absolut bio und ohne irgendwelche Zuschlag­stoffe“, sagt Rahlf.

Diese Verarbeitung sei nur für Laub aus Anlagen und von Straßenbäumen möglich. „Mit Laub versetzter Straßenkehricht wird wegen der möglichen Belastung gesondert behandelt und muss der Entsorgung zugeführt werden“, weist Carola Diescher hin.

Diese Art und Weise der Aufbereitung auf dem Mehrower Betriebsgelände unterscheidet sich von herkömmlichen zertifizierten Kompostieranlagen. Dort verrotten auch Garten- oder Küchenabfälle. Zudem müssen für die Beschleunigung des auch geruchsintensiven Prozesses Zusatzstoffe hinzugefügt werden.

„Zweimal im Jahr werden unsere Gemische untersucht und nach den geltenden Abfallverwendungs­bestimmungen bewertet“, sagt Ehefrau Karin Rahlf, im Unternehmen für die Buchhaltung zuständig. Auch der Landkreis Barnim habe ein wachsames Auge darauf, fügt sie hinzu. Das Landesumweltamt habe zudem festgestellt, dass solch eine sehr umweltschonende Bodenaufbereitung als hochwertig einzustufen sei.

Die Aussagen des Gemeindevertreters Billy Six kann der Unternehmer nicht nachvollziehen. „Wir haben alle nötigen Genehmigungen für unsere Arbeit aktuell gültig vorliegen“, sagt Torsten Rahlf. Seine Firma habe demzufolge gar keine irgendwie gearteten Probleme mit der Gemeinde Neuenhagen. Daher werde er sich auch unter den erweiterten Kontrollbedingungen, die der Hauptausschuss beschlossen hat, an der Ausschreibung der Straßenreinigung, des Winterdienstes und der Laubentsorgung wieder beteiligen, sagte er.

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