Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Kampf um Leser wird schwieriger

Frauke Adesiyan / 06.01.2011, 08:01 Uhr
Frankfurt (In House) Keine Auskunft in der ersten Etage, Ausleihe nur von 12 bis 18 Uhr, verschlossene Türen am Mittwoch. Wenn es so kommt, wie Kulturdezernent Markus Derling (CDU) es in seinem Entwurf zur Kulturentwicklungsplanung vorsieht, wird das die Zukunft der Stadt- und Regionalbibliothek sein. Fünf Stellen von Mitarbeiterinnen, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen, sollen nicht wieder besetzt werden. „Und das sind alles Bibliothekarinnen“, betont Lektorin Sigrid Riedel die Problematik. Zwei ihrer Kolleginnen fallen schon in diesem Jahr aus, darunter auch die Lektorin für Belletristik. „Das ist der am stärksten nachgefragte Bereich, es wurde immer versprochen, diese Stelle neu zu besetzen“, sagt sie verärgert. Nach dem Auslaufen der fünf Stellen bleiben 14 Mitarbeiter für beide Häuser.

Angesichts der bevorstehenden Einschnitte sieht Bibliotheksleiter Dirk Wissen keine andere Möglichkeit, als auch im Haus 1 in der Bischofstraße einen Schließtag einzuführen und die Öffnungszeiten von derzeit acht auf sechs Stunden zu reduzieren. Er ahnt, „das wird Proteste geben“. Schon eine vorige Verkürzung der Öffnungszeiten, sei vor allem bei den älteren Nutzern schlecht aufgenommen worden. Doch auch wenn die Bücherei geöffnet ist, wird sich einiges ändern. „Es wird längere Wartezeiten und weniger Auskünfte geben“, so seine Einschätzung. Bei letzteren handelt es sich nicht nur um Tipps, wo ein bestimmtes Buch steht. Auch bei der Recherche nach Medien, der Entgegennahme von Leserwünschen und dem Bedienen der Computer benötigten viele Bibliotheksnutzer Hilfe.

Evelyn Kanig, Leiterin der Kinderbibliothek in der Collegienstraße, macht sich vor allem Sorgen darüber, wie sie künftig neue Leser gewinnen soll. „Es wird immer schwieriger, Kinder zum Lesen zu bringen, wir versuchen das mit Veranstaltungen zu kompensieren.“ Neben Vorlesestunden und der Beratung von Lehrern gehört zum Beispiel auch die Versorgung der Schulen mit sogenannten Medienpaketen zu bestimmten Unterrichtsinhalten zu ihrer Arbeit. „Es ist so viel mehr, als Bücher über den Tisch zu reichen. Es ist ein täglicher Kampf um den Leser“, so Evelyn Kanigs Beschreibung ihrer Aufgaben. Wo die Bibliothek hinsteuert, wenn sie sich nicht mehr um den Lesenachwuchs kümmern kann, will sie sich gar nicht ausmalen.

Das Fazit des Bibliothekleiters: „Die Grundversorgung ist dann nicht mehr gesichert“.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG