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Bus-Stop nach Blitz-Eis

Von Karin Sandow, Lea Sophia Lukas und Jörg Kotterba / 07.01.2011, 07:30 Uhr - Aktualisiert 07.01.2011, 13:11
Frankfurt (In House) Der am Donnerstag kurz nach acht Uhr einsetzende Glatteisregen setzte einen Großteil des Stadtverkehrs lahm. Ab 10.10 Uhr fuhren keine Busse mehr. Entwarnung gab es erst, als die Hauptverkehrsstraßen vom städtischen Winterdienst gesalzen wurden. Viele Taxifahrer ließen ihre Fahrzeuge in den Garagen. Auch die Schulen setzten auf Sicherheit. Teilweise wurde mittags der Unterricht abgebrochen. Uwe Rister, Dienstgruppenleiter in der Polizeiwache Halbe Stadt, lobte am Nachmittag die besonnene Fahrweise der Kraftfahrer. „Es gab im Stadtgebiet kleinere Unfälle – wie an jedem Tag.“

Kurz nach acht Uhr verwandelte sich am Mittwoch die Stadt in eine gefährliche Schlitterbahn. An der sogenannten Europakreuzung Richtung Grenze stand um 8.35 Uhr ein Auto mit Berliner Kennzeichen quer. Auch andere Fahrzeuge, die zu rasant die Kurve nahmen, kamen ins Schlingern. Sparkassenkunden, die keine zehn Minuten nahe der Franz-Mehring-Straße parkten, mussten an ihren Autoscheiben kratzen. Ab 
10.10 Uhr bis Mittag fuhr kein Bus mehr in der Stadt. Busfahrer Bernd Genz konnte seinen Fahrgästen am frühen Vormittag keinen sicheren Heimweg gewähren. Mit seinem Gelenkbus der Linie 980 war er am Morgen mehrmals ins Rutschen geraten. „Jeder Fahrer muss das selbst entscheiden, aber für mich ist es im Moment zu gefährlich zu fahren.“ Wie Genz stellten auch zahlreiche seiner Kollegen ihre Busse am Bahnhofsvorplatz ab und warteten mehrere Stunden auf bessere Straßenverhältnisse.

Und auch Taxifahrer wie Wolfgang Herrmann, Sprecher des Frankfurter Funktaxi-Vereins mit 28 Mitgliedern, gaben vormittags auf. „Wir haben unseren Stammkunden, die zum Arzt gefahren werden wollten, empfohlen, alle Termine abzusagen. Die Straßen sind spiegelglatt und die Gefahr von Unfällen ist groß.“

Die städtischen Winterdienstler nutzten ihre letzten Reserven, um wenigstens die wichtigen und am meisten frequentierten Straßen zu salzen. „Die komplette Mannschaft vom Bauhof und unsere Dienstleister waren vormittags unterwegs. Die wichtigsten Straßen sind jetzt frei“, informierte Henrik Waskow vom Tiefbauamt am Nachmittag. Durch den chaotischen Dezember gab es bisher – auch für die Hausmeister der Großvermieter und andere Einsatzkräfte der Hausverwaltungen – schon 
29 Einsatztage.

Kaum zum Einsatz kamen gestern hingegen Polizei und Feuerwehr. Uwe Rister, Dienstgruppenleiter in der Polizeiwache Halbe Stadt, lobte am frühen Abend die besonnene Fahrweise der Kraftfahrer. „Es gab im Stadtgebiet nur ein paar kleinere Unfälle – wie an jedem Tag. Alle ohne Personenschaden.“ Auch Michael Wallmann von der Berufsfeuerwehr informierte: „Der Tag verlief glimpflich. Wir wurden zu keinem einzigen Blitz-Eis-Einsatz gerufen.“

Die Frankfurter sind offensichtlich vorsichtig. Denn auch die Zentrale Notaufnahme des Klinikums meldete kein erhöhtes Unfallaufkommen. „Es gab acht unfallchirurgische Aufnahmen, das ist eher im normalen Bereich“, berichtete am Nachmittag Chefärztin Dr. Petra Wilke.

Entwarnung kam auch von Enrico Schewsky von der ADAC-Pannenhilfe mit Sitz in der Fürstenwalder Poststraße. „Es gab nur das Übliche, Starthilfe und so.“

Auch die Frankfurter Schulen setzten vor allem auf Sicherheit. Am Konrad-Wachsmann-Oberstufenzentrum, wo das weiträumige Gelände zwischen Beeskower und Potsdamer Straße nach Aussage von Schulleiter Bernd Wagner komplett vereist war, wurde der Unterricht nach der vierten Stunde abgebrochen. „Wir haben viele Schüler und Auszubildende sowie Lehrer von außerhalb und wollen sicher gehen, dass alle gut nach Hause kommen“, erklärte Bernd Wagner.

„Bei uns geht kein Kind in der Pause auf den Hof oder ohne unser Wissen nach Hause“, versicherte auch Wiebke Tetzlaff, Leiterin der Grundschule Mitte an der Bischofstraße. Auch die Hortkinder blieben vorerst im Schulgebäude und traten nicht den Weg zum Hortstandort an der Gubener Straße an. Zudem versuchten die Lehrer, Eltern zu erreichen sowie die Horte Bambi und Spatzenhaus, um gemeinsam Lösungen für einen sicheren Heimweg zu finden.

Meteorologe Hans-Joachim Knußmann warnt, dass auch heute früh bei Temperaturen von null bis ein Grad Plus Nässe überfrieren kann. „Am trüben Wochenende steigen die Temperaturen bis auf sechs Grad.“ Nächste Woche könne die Quecksilbersäule sogar bis auf elf Grad klettern. Der Winter wäre aber noch lange nicht vorbei.

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Mein Name wäre Schmitt 10.01.2011 - 21:45:04

Ohne Wetter wäre nur die Hälfte los

Wie üblich und hundertfach vernommen, hat der gemeine Frankfurter wohl exakt vier Feinde: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. PS: Eine Analogie zur DB ist rein zufällig.

Ralf Günter Bauer 09.01.2011 - 11:56:18

@S. Träthner

Ich zitiere aus dem MOZ-Artikel: „Es gab im Stadtgebiet nur ein paar kleinere Unfälle – wie an jedem Tag. Alle ohne Personenschaden.“ Auch Michael Wallmann von der Berufsfeuerwehr informierte: „Der Tag verlief glimpflich. Wir wurden zu keinem einzigen Blitz-Eis-Einsatz gerufen.“ Auch die Zentrale Notaufnahme des Klinikums meldete kein erhöhtes Unfallaufkommen. „Es gab acht unfallchirurgische Aufnahmen, das ist eher im normalen Bereich“, berichtete am Nachmittag Chefärztin Dr. Petra W. Diese MOZ-Ausschnitte bestätigen meine Meinung: Das sogenannte Blitz-Eis war relativ harmlos. Weniger harmlos erscheint mir ihre hasserfüllte Reaktion auf die Tatsache, dass Sie relativ früh Ihr Haus verlassen mussten. Dafür bin ich nicht verantwortlich.

Sepp Träthner 08.01.2011 - 20:03:59

@ Herr Bauer

Wenn Sie hier schreiben, dass die MOZ einen Elefanten aufgeblasen hat, Sie sich am Donnerstag tatsächlich 5 km kreuz und quer zu Fuß mit kleinen Tippelschritten auf Ihren gut profilierten Schuhen durch Ffo fortbewegt haben, würde mich nur noch interessieren, ob dies auch in der Zeit zwischen 08:30 und 12:00 Uhr war? Am Donnerstag stieg die Temperatur von Nachts noch deutlich unter 0 Grad liegenden Temperaturen früh rasant auf deutlich über 0 Grad. Der Boden war nach den wochenlangen Minustemperaturen natürlich noch gefroren. Wegen der plötzlichen Plusgrade und des nun dummerweise gegen 08:00 Uhr einsetzenden Regens kam es zu dem im Artikel beschriebenen Phänomen Blitzeis. Ich bezweifle insofern ausdrücklich, dass Sie Ihre Tour am Vormittag nach 08:30 Uhr gemacht haben. Ab der Mittagszeit war dann aufgrund der anhaltenden Plusgrade und der inzwischen vergangenen Zeit und Möglichkeit auf diese Bedingungen z.B. mit Streuen zu reagieren, tatsächlich zumindest auf den Gehwegen der Hauptstraßen und im Zentrum ein relativ gefahrfreies Fortkommen möglich. Und Ihre angebliche Beobachtung keine gestürzten Menschen gesehen zu haben erklärt hier nur eines... Ihre 5 km Tour quer durch Ffo hat Sie jedenfalls nicht an einer Notaufnahme von Ärzten oder Kliniken vorbeigeführt. Bevor Sie also aus Ihren persönlichen Beobachtungen Schlüsse ziehen, fragen sie sich beim nächsten mal bitte vorher, ob sich die Welt wirklich nur um Ihren eigenen persönlichen Kosmos bewegt und es nicht vielleicht doch sein kann, dass da draußen auch etwas geschieht, wovon Sie nicht persönlich Kenntnis nehmen konnten, sondern vielleicht doch erst aus der Presse erfahren könnten. Hier, bei einer einfachen Berichterstattung über (ja von allen Meteorologen sogar angekündigte) Geschehnisse gleich von aufgeblasenen Journalismuselefanten zu reden ist wirklich nicht hilfreich sondern eher überflüssig.

Ralf Günter Bauer 08.01.2011 - 15:24:06

Journalistischer Katastophen-Elephant

Auf meinem Gang durch Frankfurt bin ich unterwegs vielen alten und jungen Menschen begegnet. Ich habe niemanden gesehen, der gestürzt war. Es ist wie immer eine kleine Minderheit, die sich nicht auf den Beinen halten konnte - laut MOZ-Artikel. Um die wird wie immer ein großes Geschreibsel gemacht - die schweigende Mehrheit geht sicher seiner Wege. Wenn es anders wäre, würde unsere Stadt und unser Land zusammenbrechen - sind sie aber nicht. Hier wurde mal wieder aus einer Eis-Mücke ein journalistischer Katastophen-Elephant gezüchtet!

Andre 08.01.2011 - 11:20:47

@Wo war Glatteis?

meinen Glückwunsch das auf ihren 5 Kilometermarsch duch Frankfurt nichts passiert ist,"dann werden wir mal den Autos und Bussen mal das richtige Schuhwerk verpassen und dann können die auch bei diesen Witterrungsverhältnissen sicher fahren"mann sollte erst nachdenken und dann schreiben,denn es war ganz schön Glatt auf unserren Straßen und Gehwegen,Hut ab vor der leistung mach eines Busfahrers

Andre 08.01.2011 - 11:18:06

@Wo war Glatteis?

meinen Glückwunsch das auf ihren 5 Kilometermarsch duch Frankfurt nichts passiert ist,"dann werden wir mal den Autos und Bussen mal das richtige Schuhwerk verpassen und dann können die auch bei diesen Witterrungsverhältnissen sicher fahren"mann sollte erst nachdenken und dann schreiben,denn es war ganz schön Glatt auf unserren Straßen und Gehwegen,Hut ab vor der leistung mach eines Busfahrers

Ralf Günter Bauer 07.01.2011 - 12:18:18

Wo war Glatteis?

Ich bin gestern zirka 5 Kilometer kreuz und quer durch Frankfurt gelaufen, habe alle meine Termine erledigt ohne Sturz und bin wieder gesund zuhause angekommen. Mein Tipp: Winterschuhe mit einer Profilsohle und kleinere Schritte machen es möglich, sich auch bei diesen Witterungsbedingungen draußen zu bewegen. Auch hier gilt wieder einmal das bekannte Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Bekleidung.

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