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Sonnenburger Schlossherrin hält an ihren Plänen fest

Hält an ihren Plänen fest: Evelyne Bülow mit Entwurfsplanung vor dem Schloss Sonnenburg
Hält an ihren Plänen fest: Evelyne Bülow mit Entwurfsplanung vor dem Schloss Sonnenburg © Foto: MOZ
jens sell / 13.01.2011, 08:17 Uhr
Altranft (In House) Vor knapp drei Jahren hatten ihre kühnen Pläne und Visionen für das Schloss Sonnenburg ein geteiltes Echo gefunden: Viele MOZ-Leser zweifelten an der Realisierbarkeit, andere warteten auf sichtbare Ergebnisse. Bisher vergeblich. Eine MOZ-Leserin aus Wriezen, die in Sonnenburg aufgewachsen ist, fragte am Lesertelefon nach: „Was ist eigentlich aus den vielen Vorhaben geworden? Mir blutet das Herz, wenn ich das Gelände und die Gebäude weiter verfallen sehe, und nichts geht voran.“

Heute wie damals ist Evelyne Bülow, eine studierte Künstlerin mehrerer Sparten, Schlossherrin und voller Pläne. Dass sämtliche im April 2008 in Aussicht gestellte Fristen verstrichen sind, ohne dass sich am Erscheinungsbild des Schlosses etwas zum Vorteil verändert hat, ist auch für Evelyne Bülow frustrierend. „Man hat so gar kein Erfolgserlebnis, das einen beflügelt“, gesteht sie ein. Dabei lässt sie sich nicht davon abbringen, ihre Pläne doch noch zu verwirklichen. Sie sei in der Vorbereitungsphase, wo äußerlich eben noch keine Fortschritte zu sehen seien. Innen sei das Schloss inzwischen entrümpelt und gereinigt worden. Das Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung in Dahlwitz-Hoppegarten hatte eine Bestandsdokumentation und eine Entwurfsplanung für das ganze Schlossgelände erarbeitet. Diese Pläne seien nach wie vor gültig, betont die Schlossherrin: „Das ist meine Lebensaufgabe, die ich auch durchziehen werde“, sagt sie, stellt aber auch klar, dass sie nicht in solchen stringenten wirtschaftlichen Kategorien denke, wie all jene, die über Fördergeld und Kredite entscheiden, sondern eher in künstlerischen.

Von Banken will sie sich ohnehin nicht abhängig machen, zu schlecht seien ihre Erfahrungen damit. Vielmehr arbeite sie jetzt daran, ihr Eigenkapital zu aktivieren. Dieses Eigenkapital beschreibt Evelyne Bülow als „geistig-immaterielle Wirtschaftsgüter“, das seien künstlerische Leistungen wie mehrere Bücher, sechs Musikstücke, Filme und Konzeptionen, die nur erfolgreich vermarktet werden müssten. Dafür brauche sie eine Anschubfinanzierung, denn sie will sich nicht an die große Medienindustrie verkaufen und der das Geschäft überlassen.

Deshalb hat sie die Möglichkeiten der Selbstvermarktung über das Internet für sich entdeckt. Und das sei gerade im Gange. Professionell werde ihre Website neu gestaltet. So könne man sich die Musik ab Ende Januar von ihrer Internetseite www.eves-fairytales.com herunterladen. Auch ihr humorvoll geschriebenes autobiographisches Buch „Flatulenz des kalten Krieges“ vermarktet sie dann über die Homepage. Davon könne man sich einzelne Kapitel, für die man sich interessiere, als E-Book auf den Bildschirm holen. Zuflüsse sollen auch Lesereisen mit ihrem Buch ermöglichen, „Lese-Performances“, bei denen mehrere Kunst-Sparten aufeinander treffen.

Wenn sie das Eigenkapital in Geld umgemünzt hat, will Evelyne Bülow zuerst das Dach des Sonnenburg-Schlosses sanieren lassen. Erst kürzlich habe ein Dachdecker ein Loch verschließen müssen. Sonst sei der Bau aber sicher und dicht. Inzwischen hat sie von drei Solarfirmen Angebote für eine alternative Energiegewinnung auf den anderen Dächern – das Schloss-Dach ist als Denkmal tabu – vorlegen lassen. Innen legt sie großen Wert auf innovative und umweltfreundliche Heizmethoden. Die Künstlerin spricht von wasserführenden Kachelöfen, mit denen man Fußbodenheizungen betreiben könne.

Die Pläne sehen vor, das verfallene Verwalterhaus zu Ferienwohnungen und einem Café umzubauen. In ehemaligen Ställen sollen Werkstätten für Keramik, Kulissen und anderes entstehen. Pläne und Visionen hat sie genug. Doch kein Wirtschaftspolitiker könne ihre geistig-immateriellen Wirtschaftsgüter richtig bewerten, das sei das größte Hemmnis.

Im Dorf allerdings will man von den Plänen nicht mehr viel hören. „Dort passiert doch nichts, das sind doch alles Märchen“, sagt ein Nachbar.

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