Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Kolbe-Museum würdigt Stötzer mit Werkschau

Peter Liebers / 24.01.2011, 08:43 Uhr
Berlin (In House) „Kannst Du etwas mit Pathos anfangen?“, war Werner Stötzer 1990 gefragt worden. Mit der ihm eigenen Lakonie hatte der damals international bekannteste schaffende Bildhauer der DDR geantwortet: „Ich hab’s in meinen frühen Jahren probiert, aber mein Instinkt reißt immer wieder den Arm am Gipsmodell runter oder bricht – wie bei den Torsi – den Kopf weg, weil ich weiß, wie gefährlich das Pathos ist.“ Die im Georg-Kolbe-Museum in Berlin-Charlottenburg am Sonntag eröffnete Werkschau folgt seiner Auffassung und das schon deshalb, weil Museumsleiterin Ursel Berger bereits vor 20 Jahren eine Ausstellung mit Stötzer veranstalten wollte, die die Akademie der Künste der DDR boykottiert hatte, und es jetzt durch den Tod des Künstlers „leider nicht zur gewünschten Zusammenarbeit mit ihm kam“.

Gemäß seinem Namenspatron widmet sich das Kolbe-Museum der Bildhauerkunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ursel Berger sieht in Stötzers „deutlichem Schritt aus dem Schatten seiner Lehrer“ Waldemar Grzimek und Gustav Seitz heraus etwas ganz Besonderes, weil Vermittelndes zwischen den unterschiedlichen bildhauerischen Vorgehensweisen nicht zuletzt auch der Generationen. Seine konsequente Hinwendung zum Stein beeinflusste seitdem das Maß und die Form seiner Arbeiten. Für den naiven Betrachter geschah dies auf Kosten des Figürlichen, denn die Bronzen Stötzers wie die „Große Sitzende mit aufgestütztem Arm“ (1970-74) oder seine Holzarbeiten wie die „Galionsfigur“ (1970) vermochten für jeden erkennbar in der Präzisierung der Form sowohl Lebensfreude als auch Schmerz auszudrücken. Angeregt von einem Brecht-Gedicht und der Begegnung mit dem Österreicher Alfred Hrdlicka habe Stötzer in den 1970er-Jahren begonnen, „immer wieder neu die Ausdruckskraft der figürlichen Darstellung zu erkunden“, erklärt Berger jene Hinwendung zum Stein. War bei der Erarbeitung einer Bronze die Methode des Auftragens von Material am Gipsmodell das Arbeitsprinzip, so entstand die Steinskulptur bei Stötzer durch Abtragen. „Mich ekelte vor dieser schnellen Fertigkeit, vor dieser Geschicklichkeit“, erklärte der Künstler und meinte das geschickte Modellieren, „die Tonquetscherei“, wie er es nannte.

Für Stötzer blieb Hrdlicka von weitreichender Bedeutung, weil er sich dem Realismus nicht verpflichtet fühlte, aber auch die im Westen dominierende Abstraktion nicht pflegte. „Für mich ging eine Hoffnung davon aus, ich wusste, da ist auch einer, der als Bildhauer den Raum zwischen den Menschen so ernst nimmt, wie den Menschen selber“, benennt Stötzer die für sich neu gefundene Qualität, in der sich Form und Inhalt entsprechen.

Unter Mitwirkung von Stötzers Witwe Sylvia Hagen stellt Ursel Berger eine Auswahl aus dem Werk zusammen, um den im Juli 2010 im Oderbruch verstorbenen Künstler zu ehren. Ursprünglich als Geburtstagsgabe gedacht, sei es nun eine Gedenkausstellung.

Georg-Kolbe-Museum, Berlin-Charlottenburg, bis 3. April, Di-So 10-18 Uhr, Tel. 030 3042144. Der Defa-Film „Der nackte Mann auf dem Sportplatz“ wird am 27.2. und 3.4. jeweils um 11.30 Uhr gezeigt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG