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Faszination Baum

 Hängt auch mal in den Seilen: Wenn Holger Radke auf Bäume klettert, dann genießt er den Ausblick. Der Ingenieur für Landschaftsnutzung und Naturschutz hat sich nach seinem HNE-Studium mit einer Baumpflege-Firma selbständig gemacht.
Hängt auch mal in den Seilen: Wenn Holger Radke auf Bäume klettert, dann genießt er den Ausblick. Der Ingenieur für Landschaftsnutzung und Naturschutz hat sich nach seinem HNE-Studium mit einer Baumpflege-Firma selbständig gemacht. © Foto: Frei
boris kruse / 27.01.2011, 08:38 Uhr
Eberswalde (In House) 2005 gründete der HNE-Absolvent, Diplom-Ingenieur für Landschaftsnutzung und Naturschutz, Holger Radke sein Unternehmen BaumZeit AG. Kati Partzsch sprach mit ihm über den Sprung in die Selbstständigkeit, die Entwicklung seines Unternehmens und was man braucht, um unternehmerisch erfolgreich zu sein.

Nach dem Studium sein eigener Herr zu sein, ist für viele Studierende eine interessante Perspektive. Wie kam es zu Deiner Selbstständigkeit?

Holger Radtke: Zunächst hatte ich nach Abschluss des LaNu-Studiums das große Glück, mit einem Projekt im Forstbotanischen Garten Eberswalde eine Anstellung zu finden. Dabei konnte ich ein Umweltbildungskonzept umsetzen, das ich während meiner Diplomarbeit erarbeitet hatte. Wie so oft der Fall, lief die Stelle aus. Gut, dass ich bereits während und nach dem Studium in der Baumpflege aktiv gewesen war. Und in diesem Bereich schnell Verbesserungspotenziale erkannt hatte. So machte ich aus der Not eine Tugend und gründete 2005 das Unternehmen BaumZeit.

Dann war also auch der Zufall im Spiel?

Ja, ein eigenes Unternehmen zu gründen, war nicht von vornherein vorbestimmt. Es stellte sich mit der Zeit vielmehr als Chance heraus, meine Vorliebe für die Natur und den Wald mit meinen Fähigkeiten und Spaß an organisatorischer und praktischer Arbeit zu verbinden. So war es auch ein bisschen Abenteuer und im Rückblick Fügung.

Apropos Rückblick: Dieses Jahr feiert die BaumZeit ihr fünfjähriges Jubiläum. Was siehst du mit Blick in den Rückspiegel?

Von Anfang an war unermüdliches Engagement wichtig! Nach umfangreicher Akquise verlief der eigentliche Einstieg in das Unternehmen ziemlich plötzlich, das Telefon stand nicht mehr still. Das Geschäft konzentrierte sich anfangs auf die Bereiche Saatguternte und Baumpflege und wir hatten alle Hände voll zu tun. Nach und nach erweiterte ich das Produktportfolio, um nicht nur das Geschäft zu sichern, sondern vor allem um meinen weiteren beruflichen Interessen nachgehen zu können.

In welche Richtung haben Sie sich denn entwickelt?

Das gesamte Feld der Arboristik, also der Schutz und die nachhaltige Entwicklung von Gehölzen und Grünräumen im Siedlungsbereich haben es mir da besonders angetan, weiterhin auch die Baumbegutachtung. Und nach einem entsprechendem Akkreditierungsmarathon habe ich gerade die erste Arboristikschule in den neuen Bundesländern eröffnet. So gesehen eine rasante und positive Entwicklung.

Die Selbständigkeit habe ich dabei stets als „beruflichen Zehnkampf“ erfahren: Sich zum Beispiel sicher und intelligent im Baum bewegen zu können allein reichte nicht aus, sondern es war auch wichtig, mich immer wieder weiterzubilden und zu qualifizieren – die Bereitschaft für lebenslanges Lernen ist unerlässlich, will man im eigenen Unternehmen erfolgreich sein.

Was verbindest du mit der BaumZeit – Traumzeit oder eher kaum Zeit?

Die BaumZeit ist für mich Arbeits- und Lebenszeit zugleich. Das ist mir auch sehr wichtig. Organisation, Planung und praktische Arbeit erfordern einerseits ein hohes Maß an Konzentration und zeitlichen Ressourcen. Nur 20 bis 30 Prozent meiner Arbeitszeit verbringe ich wirklich im oder am Baum, zum Beispiel kletternd. Dabei wiederum muss ich den Baum technisch ansehen und die Ästhetik, das wahre Sehen bleibt meist außen vor. Dabei empfinde ich Selbstverwirklichung in meinen Möglichkeiten der Mitgestaltung, in der Umsetzung ökologisch orientierter Baumpflege. Viele Erkenntnisse und eigene Vorstellungen fließen direkt in den Arbeitsablauf ein. Und natürlich gibt es die Momente der Muße, in denen der Blick über die Baumwipfel schweifen kann, ich fasziniert bin vom Lebewesen Baum und dann denke: „Das schönste an der Arbeit ist die Arbeit“.

Welchen Rat würdest du angehenden Selbständigen mit auf den Weg geben?

Wer abwägt, ob Angestelltenverhältnis oder Selbständigkeit, dem möchte ich sagen, dass ersteres nicht immer das Nonplus- ultra ist. Die Selbstständigkeit – gut geplant, vor allem mit Blick auf die Finanzen – kann sehr viel mehr Freiheit und Raum für Kreativität bedeuten! Ich arbeite zudem ja nicht allein, sondern bin mit Kollegen in einer Fach- und Arbeitsgemeinschaft organisiert. Ich schätze den Austausch mit Kollegen bei gleichzeitiger Flexibilität in der unternehmerischen Entscheidung. Mit der gebührenden Portion Eigenmotivation und Liebe zur Sache ist der entscheidende Antrieb gegeben.

Weitere Informationen im Internet unter www.baumzeit.info

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