Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

"Enorm viel Emotionalität im Thema"

KUKRAKAU / 31.01.2011, 08:54 Uhr - Aktualisiert 31.01.2011, 09:34
Panketal (In House) Von Kai-Uwe Krakau

Sollen sich Bernau und Panketal zusammenschließen? Um diese Frage ging es beim Bürgerstammtisch der Niederbarnimer Bündnisgrünen am Freitagabend. Das Votum der kleinen Runde fiel eindeutig aus.

Es war sicher nicht der beste Termin, um über dieses Thema zu diskutieren. Denn nur wenige Kilometer weiter, in der Grundschule Schwanebeck, hatten sich zu selben Stunde viele Gemeindevertreter, Kommunalpolitiker und Bürger zum traditionellen Neujahrsem
pfang versammelt. Der eine oder andere hätte sicher gerne mitdiskutiert. „Die beiden Bürgermeister von Panketal und Bernau wären gerne gekommen“, bedauerte Thomas Dyhr vom grünen Regionalverband die Terminüberschneidung. So hatten sich im Kellergewölbe von „Leo`s Restauration" nur wenige Grüne und Symphatisanten eingefunden. Als einziger Bernauer Stadtverordneter aus einem anderen politischen Lager war Frank Goral von der CDU gekommen.

Thomas Dyhr wunderte sich in seinem Eingangsstatement zunächst darüber, dass in dem Thema „enorm viel Emotionalität“ steckt. Dabei spreche durchaus viel für eine Fusion der beiden Kommunen. „Allerdings“, so schränkte der Bündnisgrüne ein, „dürfe sie nicht erzwungen werden. Eine breite Diskussion in der Bevölkerung sei daher unerlässlich. „Die Menschen müssen mitgenommen werden".

Für Klaus Labod, fraktionsloses Mitglied in der Stadtverordnetenversammlung Bernau, hat ein Zusammenschluss ebenfalls Vorteile. „Es gibt Synergieeffekte, etwa im Wasser- und Abwasserbereich, bei der Nutzung von kulturellen Einrichtungen, beim Bauplanungsrecht“, erklärte der Schönower. Eine größere Kommune hätte mehr Zuständigkeiten, die Verwaltung sei kompetenter. „Da wirkt viel im psychologischen Bereich“, so Labod. Rational gebe es keine Gründe, die gegen eine Fusion von Bernau und Panketal sprechen. Der Stadtverordnete sprach sich jedoch dafür aus, den Ortsbeiräten mehr Entscheidungsmöglichkeiten zu geben. Dies sei derzeit noch ein kommunalverfassungsrechtlicher Mangel, so Labod.

Auch Frank Goral steht dem Thema durchaus positiv gegenüber. Er erinnerte an die Eingemeindung von Schönow in die Stadt Bernau. Vorher habe es auch „einige Befindlichkeiten“ gegeben. Inzwischen sei man aber gut zusammengewachsen. Das konnte auch Dyhr bestätigen. „Für die Schönower hat sich kaum etwas geändert. Die Hundesteuer ist um zehn Euro gestiegen und für die Straßenreinigung muss nun gezahlt werden. Das war aber schon alles“, so Dyhr.

Ralph Satzer, selbst Panketaler, sprach von alten Befürchtungen bei den eingesessenen Zepernickern und Schwane-
beckern. „Den Menschen, die in den letzten Jahren in die Gemeinde gezogen sind, ist es doch egal, ob es zu einer Fusion kommt oder nicht“, sagte Satzer.

Die Runde zeigte sich abschließend davon überzeugt, dass das Thema Zusammenschluss bis zur nächsten Kommunalwahl auf der Tagesordnung stehen wird. Bis dahin sollten sich die agierenden politischen Gruppierungen positionieren, hieß es.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Dr. Frank Valentin 01.02.2011 - 16:51:53

Oh weh!

@Thomas Dyhr: Was trifft, trifft auch zu (Karl Kraus) Ich bin nicht neidisch, im Gegenteil. Aber ich finde es traurig, dass Sie leider nicht genügend Einfühlungsvermögen besitzen, um zu merken, wie Kommentare a la" Ach, die paar Euor kann sich doch wohl jeder leisten!" beim Bürger ankommen. Mal drüber nachdenken und nicht gleich so giftig werden! ich habe schließlich nur Fragen gestellt.

Thomas Dyhr 01.02.2011 - 15:37:32

Denkverbote schaden

Nach dem bereits in Sicht befindlichen Auslaufen der Transferleistungen von West nach Ost und in Anbetracht des Greifens der Schuldenbremse auf Landesebene wäre es angesichts einer bereits heute schwierigen Haushaltslage des Landes fahrlässig, nicht von zukünftigen Problemen in der Gemeindefinanzierung auszugehen. Wenn man aber mögliche Probleme erkennt, sollte man sich m.E. darüber rechtzeitig Gedanken machen, wie man Gemeindefinanzen zukünftig krisenfest macht. Werter Dr. Valentin - Ihre Gedanken laufen auf ein Denkverbot und ein "Weiter so bis es nicht mehr geht" hinaus. Ergebnis dieser Denkungsart wäre hektische Betriebsamkeit am Tage X mit viel Flügelschaden und wenig Effekt, dafür aber umso größerem Schaden. Ich finde es richtig, die Diskussion rechtzeitig und vor allem ergebnisoffen zu beginnen - noch ist es Zeit, sich allseits auch auf problematische Zeiten einzustellen. Und Ihre neben der Sache liegenden Neidattacken gegen "gutsituierte grüne Beamte" können Sie sich schenken. Sie diskreditieren mit Unsachlichkeit die Ernsthaftigkeit Ihrer Argumente. Das fände ich schade.

Dr. Frank Valentin 01.02.2011 - 15:14:47

Analysen?

Gibt es irgendeine objektive, d.h. unabhängige Analyse zu den Effekten der Gemeindegebietsreform 2003? Ist wirklich irgendetwas durch diese mit Brachialgewalt durchgepeitschte "Reform" des Generalissimus Schönbohm besser, preiswerter, demokratischer geworden? Werden die Brandenburger seitdem demokratischer und vor allem besser verwaltet? Was haben sie aufgeben müssen für die weitere Zentralisierung kommunaler Aufgaben? Sind das Chaos mit Post und Kurierdiensten nach den Straßen-und Ortsumbenennungen sowie mit den neuen Postleitzahlen schon wieder vergessen und wer entschädigt den Bürger eigentlich für dieses seit Jahren anhaltende Durcheinander? Sind Social skills wie Heimatgefühl, Heimattreue und Liebe zum Heimatort unnötig in Zeiten des ständigen Wandels, in Zeiten gnadenloser Globalisierung? Schaffen wir uns nicht mit immer größeren, noch zentralisierteren Verwaltungseinheiten, die gleichzeitig auch eine noch höhere Mobiliät des Bürgers voraussetzen, die Strukturen von Vorgestern - als nämlich unsere Energievorräte noch unerschöpflich erschienen? Was drängt die Grünen in Brandenburg in einer Art vorauseilendem Gehorsam gegenüber Platzecks SPD und deren Schreibtischplänen sich derartigen unnötigen Überlegungen hinzu geben - wenn o.a. Fragen noch nicht einmal ansatzweise geklärt sind? Fragen über Fragen. Und eine ganz persönliche Frage an gutsituierte "grüne" Beamte, die im Barnim wohnen und in Berlin einen gutbezahlten Arbeitsplatz haben: Sind 10 Euro höhere Hundesteuer und Gebühren für Leistungen, die durch die Stadt fast nie erbracht werden, wirklich nicht der Rede wert?

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG