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Umzug mit 80 Metern Akten

Geburtsregister anno 1901: Die Standesbeamtinnen Anke Wilde und Angela Weigelt (v.l.) schauen in das älteste Exemplar. Seit einer Woche sind sie im neuen Domizil.
Geburtsregister anno 1901: Die Standesbeamtinnen Anke Wilde und Angela Weigelt (v.l.) schauen in das älteste Exemplar. Seit einer Woche sind sie im neuen Domizil. © Foto: moz
Hubertus Rößler / 04.02.2011, 08:00 Uhr
Fürstenwalde (In House) Wer das Wort Standesamt hört, denkt in erster Linie an Hochzeit. „Doch damit ist das Aufgabenfeld bei weitem nicht abgedeckt“, erklärt Angela Weigelt, Standesbeamtin in Fürstenwalde. Der Beruf umfasst auch das Verwalten von Geburtsurkunden, Anerkennung von ausländischen Entscheidungen wie Adoptionen sowie Recherche bei ungeklärten Sterbefällen. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Anke Wilde musste Angela Weigelt in der vergangenen Woche ihren Raum im Alten Rathaus räumen. „Da der Umzug gut durchorganisiert wurde, mussten wir keinen Tag schließen und konnten stets unseren Service zu den gleichen Öffnungszeiten anbieten“, berichten sie.

Das Standesamt befindet sich nun quer über den Markt in der Stadtverwaltung im Rathaus-Center (Raum 193). „Zumindest unser Trauzimmer im Alten Rathaus kann aber noch solange genutzt werden, bis die Bauzäune stehen“, sagt Angela Weigelt. Dies werde spätestens im April der Fall sein. Dann soll ebenfalls im Rathaus-Center ein provisorisches Trauzimmer errichtet werden. Darüberhinaus besteht die Möglichkeit, sich im Haus am Spreebogen oder im Hotel Kaiserhof das „Ja-Wort“ zu geben. „Und angesichts des räumlichen Engpasses hat uns das Restaurant Seeblick in Trebus zugesichert, kostenfrei Eheschließungen in den dortigen Räumlichkeiten durchführen zu können“, berichten die Standesbeamtinnen.

Frühestens im Oktober 2012, wenn das Alte Rathaus fertig saniert worden ist, können die Räume wieder bezogen werden. „Das Trauzimmer wird dann endlich auch per Fahrstuhl erreichbar sein“, sagt Angela Weigelt. Allein im vergangenen Jahr seien in Fürstenwalde rund 30 Trauungen abgesagt worden, weil der fehlende Aufzug Teile der Hochzeitsgesellschaft außen vor gelassen hätte.

Ob das Büro des Standesamtes hingegen dauerhaft im Rathaus-Center untergebracht werden soll, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geklärt. Die Standesbeamtinnen haben sich in den ehemaligen Räumen des Ordnungsamtes aber schon gut eingerichtet. Auch die knapp 80 laufende Meter Akten sind in ihrem neuen Büro in einer Hebelschubanlage aufgebaut. Darin befinden sich unter anderem die Geburts-Register der Stadt bis ins Jahr 1901 zurück. Außerdem werden hier die Urkunden über die Eheschließungen der vergangenen 80 Jahre aufbewahrt. Die Akten zu den Sterbefällen der Stadt reichen 30 Jahre zurück. „Fast alle Dokumente sind einmalig und wären beispielsweise bei einem Brand für immer verloren, da keine digitalen Kopien existieren“, so Anke Wilde.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in Fürstenwalde 133 Ehen geschlossen. In diesem Jahr sieht es aufgrund der räumlichen Lage etwas ruhiger aus. Auch für den 11.11.2011 sind bislang noch keine Reservierungen eingegangen.

Bereits seit mehr als 25 Jahren vermählen die beiden Standesbeamtinnen Frau und Mann. Doch Routine kommt dabei nicht auf: „Jede Trauung hat ihren eigenen Reiz – die Menschen sind eben sehr verschieden“, sagt Angela Weigelt. Erst gestern Vormittag gab es eine nicht ganz alltägliche Hochzeitsgesellschaft, als sie ein palästinensisches Paar traute. „Neben emotionalen Momenten erlebt man in dem Beruf immer wieder kuriose Geschichten“, erzählt sie. So musste bei der Trauung einmal der Bräutigam mitsamt der Hochzeitsgesellschaft auf die Braut warten – diese war noch beim Friseur gewesen.

Das Standesamt der Stadt Fürstenwalde ist in der vergangenen Woche umgezogen. Bis die Sanierung des Alten Rathauses abgeschlossen ist, also mindestens bis Oktober 2012, befindet es sich in der Stadtverwaltung im Rathaus-Center. Bei dem Umzug kamen insgesamt 140 Umzugskartons zum Einsatz, in denen rund 80 laufende Meter Akten transportiert wurden. Auch das Trauzimmer im Alten Rathaus muss demnächst vorübergehend geschlossen werden. Neben einem provisorischen Trauzimmer bietet die Stadt als Ausweichquartier verschiedene Restaurants und Hotels für die Eheschließung an.

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