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Volle Auftragsbücher bei Brunnenbau

Der kleinste Bohrer: Firmeninhaber Ralph Pestke (49) an einer Maschine, die Brunnen bis 90 Meter Tiefe bohren kann.
Der kleinste Bohrer: Firmeninhaber Ralph Pestke (49) an einer Maschine, die Brunnen bis 90 Meter Tiefe bohren kann. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Jens Sell / 09.02.2011, 21:06 Uhr
Bad Freienwalde (In House) Nur das kleinste der sechs Brunnenbohr-Geräte der Firma Pestke steht derzeit auf dem Firmengelände in der Bad Freienwalder Bahnhofstraße. Die anderen sind auf Baustellen unterwegs. Während der Hochwassergefahr standen sie auf dem Gelände der Agrargenossenschaft Dannenberg. Brunnenbaumeister Ralph Pestke führt den Betrieb in der vierten Generation.

Er baut Brunnen für die Trinkwasserversorgung in Berlin und Brandenburg, bohrt die Löcher für die Erdwärmepumpen von mehr als 150 Eigenheimen im Jahr und bohrt für Industrie und Landwirtschaft zur Grundwasserregulierung.

Auf der Berliner Seite des Griebnitzsees werden exklusive Villen gebaut. Deren künftige Besitzer sollen sich nicht allzu sehr um Heizkosten sorgen. Darum beginnen Mitarbeiter der Bad Freienwalder Firma Brunnenbau Pestke in zwei Wochen damit, Bohrungen für die Wärmepumpen niederzubringen, die die Häuser beheizen und gegebenenfalls auch kühlen sollen. Eine vierköpfige Familie mit 120 Quadratmetern Wohnfläche müsse 450 bis 500 Euro Stromkosten pro Jahr für die Wärmepumpe einkalkulieren, dafür bekomme sie Heizung und Warmwasser, rechnet Ralph Pestke vor. Als Kooperationspartner des Heizungsbauers Viessmann bohren Pestkes Leute im Jahr für 150 bis 180 Eigenheime die Löcher für die Wärmepumpen. Je nach geologischer Lage sind Bohrungen um die 100 bis 120 Meter nötig, um eine Wassertemperatur von acht bis zwölf Gard vorzufinden. Bei großen Ablagen wie dem Neubau einer Grundschule in Wandlitz können das schon mal 35 Bohrungen zu 125 Metern sein. Für das Firmengebäude in der Bahnhofstraße waren drei mal 100 Meter nötig. Aufträge dafür kommen ständig herein. 80 bis 90 Prozent liegen in Berlin und Brandenburg, aber die Wege führen auch nach Usedom, Schwerin, Magdeburg und bis nach Dresden.

Erstes und wichtigstes Standbein des Brunnenbaus Pestke, der die Gründungsjahreszahl 1900 im Firmenlogo führt, sind Trinkwasserbrunnen. Die Wasser- und Abwasserzweckverbände lassen sich von Pestke große Versorgungsbrunnen von 60 bis 70 Zentimetern Durchmesser und 150 Meter Tiefe für die Trinkwasserförderung bohren. „Diese Brunnen müssen Sie heute viel tiefer als noch vor 20 Jahren bohren, das ist eine bedenkliche Entwicklung“, sagt Ralph Pestke. Noch bis vor fünf Jahren reichten oftmals 60 Meter, um auf einen sauberen Grundwasserleiter zu stoßen. Inzwischen haben sich nach Einschätzung des Fachmanns vor allem landwirtschaftliche und militärische Altlasten so weit im Boden ausgebreitet, dass die Grundwasserleiter zu sehr mit flüchtigen Kohlenwasserstoffen kontaminiert sind. In Biesenthal beispielsweise liegt der Brunnen in einer stattlichen Entfernung des ehemaligen Russentanklagers. Da mussten die Pestke-Leute 132 Meter tief bohren, um sauberes Wasser zu finden. In noch größeren Tiefen kommt aber das Problem der Versalzung, erzählt Ralph Pestke. In Kienitz im Oderbruch komme es sogar viel früher. Dort stieß er bei einer kleinkalibrigen Messbohrung für Sonden der Geophysik bereits in 60 Meter Tiefe auf eine zu starke Salinisierung.

Ralph Pestke ist einer, der den Untergrund der ganzen Region kennt. Nördlich von Neuruppin sollen demnächst zahlreiche Erkundungsbohrungen für ein neues Wasserwerk niedergebracht werden. Mit Luft und Wasser könne man in der nächsten Woche aber sicher nicht bohren, weil noch einmal Frostwetter angesagt sei. Das Lufthebeverfahren wird für großkalibrige Bohrungen verwendet. Es kommt auch für Aufträge aus der Industrie zum Zuge. Für das Grundwassermanagement auf dem Gelände des Kraftwerks Jänschwalde mussten zig Bohrungen niedergebracht werden. Auch für die Landwirtschaft ist der Brunnenbau Pestke stark im Geschäft: „Angesichts der aktuellen Niederschläge glaubt man es kaum, aber unser Landstrich versteppt. Die Landwirte müssen bewässern, um ihre Erträge zu sichern.“

Die Jahreszahl 1900 steht im Firmenlogo des Brunnenbaus. Franz Pestke spezialisierte damals seine Landmaschinen-Schlosserei. Sein Sohn Heinz führte das Geschäft weiter. Als er 1971 starb, musste es Brunnenbaumeister Klaus Pestke zu einer Produktionsgenossenschaft verstaatlichen und wurde Vorsitzender. Seit 1991 ist der Betrieb wieder in Familienbesitz und gibt derzeit 25 Freienwaldern Lohn und Brot.

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