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Gorzów bangt um seine Tram

Strassenbahnfahrer Stanislaw Cziemczoch in Gorzow
Strassenbahnfahrer Stanislaw Cziemczoch in Gorzow © Foto: Heinz Köhler
Dietrich Schröder / 12.02.2011, 09:57 Uhr
(Landsberg) Einige der Waggons sind schon über 40 Jahre alt und würden auch einem Technikmuseum alle Ehre machen. Und an vielen Stellen sind die Gleise so ausgeschlagen und krumm, dass die Fahrt stellenweise zur gefährlichen Schaukel-Party wird. „Trotzdem möchte ich die Bahn nicht missen. Sie gehört zu unserer Stadt und macht keinen Schmutz wie die Autos“, betont eine ältere Dame. Sie wartet wie einige Schülerinnen an der Ausfallstraße nach Küstrin auf die Linie 2, die sie ins Zentrum bringen soll. Doch der Zustandsbericht, den der Chef der örtlichen Verkehrsbetriebe, Roman Maksymiuk, kürzlich vorlegte, spricht eine deutliche Sprache: Ein Drittel des 24 Kilometer langen Gleisnetzes müsste am besten sofort ausgewechselt werden. Und von den Wagen haben einige fast zwei Millionen Kilometer auf dem Buckel, sodass ihre weitere Reparatur kaum noch möglich ist. „Wenn wir in den nächsten fünf Jahre nicht 200 Millionen Zloty (rund 50 Millionen Euro) aufbringen, müssen wir uns von der Bahn verabschieden“, lautet Maksymiuks Schlussfolgerung. Und da man für das gleiche Geld, das ein neuer Triebwagen mit Anhänger koste, gleich mehrere Busse kaufen könne, wäre es vielleicht besser, schon heute umzusteigen. Seit dieser Vorschlag bekannt wurde, ist die Straßenbahn das Thema Nummer eins in der polnischen Kommune. Von den Verteidigern der Tram wird immer wieder ins Feld geführt, dass die Bahn nun einmal prägend für das Bild der Stadt an der Warthe sei. Innerhalb weniger Tage wurden mehr als 1000 Unterschriften für eine Petition gesammelt. Die Geschichte der Bahn reicht in die deutsche Vergangenheit zurück. Als Landsberg am Ende des 19. Jahrhunderts etwa 35?000 Einwohner hatte, bemühte man sich um ein modernes Verkehrsmittel. Am 29. Juli 1899 eröffnete die elektrische Bahn ihren Betrieb. Schon einmal, nämlich infolge der Weltwirtschaftskrise musste dieser von 1921 bis 1924 eingestellt werden. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Oberleitungen für O-Busse umgerüstet. Doch weil die polnischen Bewohner den Bahnbetrieb wieder aufnahmen, konnte 1999 dessen 100. Jahrestag gefeiert werden. Bürgermeister Tadeusz Jedrzejczak versprach jetzt, dass er nicht als Liquidator dieser Tradition ins Geschichtsbuch eingehen werde. Woher das Geld für die Bahn kommen soll, weiß er aber auch noch nicht zu sagen.

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