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Kunstraub hat Konsequenzen

Janet Neiser / 14.02.2011, 20:41 Uhr
Eisenhüttenstadt (In House) Nach dem Diebstahl der Bronzeplastiken „Wildschwein“ und „Schimpansenkinder“ werden schnellstmöglich eventuell weitere gefährdete Kunstwerke umgesetzt. Darüber haben sich Museumsleiter Hartmut Preuß und Bürgermeisterin Dagmar Püschel verständigt. Zudem gab die Polizei am Montag bekannt, dass es auch einen Einbruch in das Lager des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR in der Karl-Marx-Straße gegeben hat. Dieser wurde am Sonntagabend angezeigt. Unbekannte hatten die Hintertür und weitere Türen im Lager aufgebrochen. Was entwendet wurde, war noch nicht klar.

„Traurig und erschüttert“ über die Kunstdiebstähle sei sie, ließ Bürgermeisterin Dagmar Püschel (Linke) am Montag über die Pressestelle des Rathauses ausrichten. Die Plastiken bezeichnete sie als „besonders liebenswerte Seite“ von Eisenhüttenstadt. Gerade mit den Figuren würden viele Einwohner nicht nur Kunst, sondern auch Erinnerungen verbinden.

Das findet auch Gabriele Haubold vom Bereich Stadtentwicklung/Stadtumbau im Rathaus. „Der ideelle Verlust, der entstanden ist, ist durch nichts auszugleichen, falls die Plastiken nicht mehr gefunden werden“, sagt sie. Bestimmte Orte hätten Großeltern oder Eltern mit ihren Kindern und Enkeln direkt angesteuert, um die Plastiken zu sehen. „Ich habe beispielsweise früher immer die Bronze-Enten füttern wollen. Das waren sozusagen meine Enten“, erzählt die Stadtplanerin. „Ihre Enten“ sind mittlerweile umgezogen – aus Sicherheitsgründen. Sie schnattern nicht mehr in der Saarlouiser Straße, sondern auf dem Areal des städtischen Seniorenheimes.

Auch andere Plastiken ereilte das Schicksal „Zwangsumsiedlung“ schon. Manchmal machte es der Stadtumbau nötig, viel öfter war Vandalismus Schuld. Bis vor kurzem aber blieb es bei Beschädigungen: Da wurden Figuren abgebrochen oder beschmiert und mit großem Aufwand wieder restauriert. Die Auswahl für Kunstbanausen in Eisenhüttenstadt war und ist groß, immerhin gibt es im öffentlichen Raum mehr als 100 Kunstwerke. Nun sind zwei von ihnen spurlos verschwunden: die zirka 60 Zentimeter großen „Schimpansenkinder“ vom Rosenhügel und das 80 Zentimeter große „Wildschwein“ von der Insel.

Als Konsequenz werden weitere Plastiken und Skulpturen umgesetzt oder vorübergehend eingelagert, und zwar möglichst schnell. Die Bürgermeisterin habe dazu am gestrigen Tage ihr Einverständnis erteilt, erklärte Museumsleiter Hartmut Preuß. Welche Figuren betroffen sind, wollte er aus Sicherheitsgründen nicht sagen. Nicht, dass die Diebe vorher zuschlagen. Preuß bekräftigte erneut, dass er nicht an Metalldiebe glaube, die Bronze zu Geld machen wollen. Dann hätten sie sich gerade im Falle der relativ leichtgewichtigen Affen andere schwerere Figuren aussuchen können, sagt er. Vielmehr sehe das nach Tätern aus, die nach Tierplastiken Ausschau halten. „Sollte das so sein, kann man denen, die die Plastiken jetzt verstecken nur wünschen, dass sie allein keine Freude daran haben“, betont Gabriele Haubold.

Leicht fällt Preuß die „Umsiedlung“ der Kunstwerke nicht. Er weiß um den gestalterischen Aspekt der Plastiken. „Das hat sich dann teilweise erledigt“, sagt er. „Natürlich verlieren bestimmte Orte damit an Ausstrahlungskraft“, bestätigt Gabriele Haubold. „Aber was bleibt uns anderes übrig?“ Den Totalverlust weiterer Figuren will niemand riskieren. Nicht nur wegen des finanziellen Schadens, der bei beiden Figuren bei jeweils mindestens 20 000 Euro lag. Eine Sicherheitsgarantie gibt es dennoch für keine Plastik, egal, wo sie steht. Man sei auch darauf angewiesen, dass die Bürger ein wachsames Auge darauf werfen, heißt es aus dem Rathaus.

Einzelstücke sind die gestohlenen Plastiken nicht. Ein weiterer Bronzeguss der „Schimpansenkinder“ des Künstlers Stephan Horota steht in Berlin, am „Wildschwein“ von Reinhard Dietrich können sich Besucher des Rostocker Universitätsplatzes erfreuen.

Hinweise zu den Diebstählen an die Polizei: Tel. 03364 4250

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