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Chorsänger beklagen massive Nachwuchsprobleme

In Brandenburg haben Chöre aber immer weniger Mitglieder.
In Brandenburg haben Chöre aber immer weniger Mitglieder. © Foto: dpa
19.02.2011, 14:54 Uhr
Potsdam (DPA) In Brandenburg scheint der Spaß am Singen verloren zu gehen. Landesweit klagen die Chöre über einen Schwund an Mitgliedern. „Wir haben ein massives Nachwuchsproblem“, berichtet der Chorverantwortliche beim Landesmusikrat, Hans-Peter Schurz. Landesweit gebe es praktisch keinen Chor, der nicht unter diesen Problemen leidet. Insbesondere bei den Schul- und Kinderchören sinkt die Zahl der Sänger kontinuierlich, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.    An den Kitas und Schulen, aber auch in den Elternhäusern werde der musikalischen Erziehung heute zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, nennt Schurz eine der Ursachen für die Krise. Immer weniger Eltern würden ihren Kindern zu Hause etwas vorsingen, in den Kindertagesstätten sei es ähnlich. In den Schulen setze sich die Problematik dann fort: „Chorarbeit ist nicht Teil des Stundensolls eines Musiklehrers“, sagte Schurz. Wenn er singen lasse, dann nur aus persönlichem Spaß.    Darüber hinaus fehle es an Musiklehrern. Die Referendare wandern laut Schurz in andere Bundesländer ab, weil die Konditionen dort besser seien. „Und von den noch vorhandenen Musiklehrer gehen immer mehr in den Ruhestand“, ergänzte der ehemalige Musikerzieher und Chordirigent. Das Bildungsministerium griff Schurz auch an: Dort gebe es nicht einmal eine Fachkraft für den Bereich Musik. Länder wie Baden-Württemberg hätten davon gleich mehrere.    Dem brandenburgischen Verband gehören insgesamt etwa 250 Chören mit 9500 Sängern an. Hinzu kämen eine ganze Reihe von Schul- und Kirchenchören, deren Zahl schwer zu erfassen sei, sagte Landeschorleiter Peter Ullrich. „Fakt ist aber, dass es wesentlich weniger Schulchöre gibt als noch vor zehn Jahren.“ Als Ursache führte Ullrich unter anderem die moderne „Eventkultur“ mit einzelnen spektakulären Veranstaltungen an. „Länger wollen sich junge Leute nicht binden“, sagte Ullrich.    Singen im Chor und Musik im Allgemeinen setze aber Geduld und kontinuierliches Engagement voraus. Belohnt würden die Sänger mit einem tollen Gemeinschaftserlebnis: „Beim Chorsingen erlebt man mit anderen Menschen die Gefühle, die Musik auslöst“, erläutert Ullrich.    Das Bildungsministerium räumte ein, dass dem Fach Musik nicht immer die Aufmerksamkeit geschenkt werde, das es eigentlich verdient hätte. Wegen der PISA-Studien stünden seit Jahren vor allem die sogenannten Kernfächer wie Mathematik oder Deutsch im Fokus der Öffentlichkeit, sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding.    „Dabei sind Musik und die gesellschaftlichen Fächer ebenso wichtig.“ Eine Fachkraft nur für den Bereich Musik wie vom Landesmusikrat gefordert, könne sich das Ministerium aber nicht leisten. „Die im Vergleich zu Baden-Württemberg viel kleinere Verwaltung gibt das nicht her“, erläutert Breiding.    Um die Nachwuchsprobleme der Chöre in den Griff zu bekommen, haben Landesmusikrat und Landes-Chorverband mittlerweile mehrere Initiativen gestartet. Beim Programm „Felix“ beispielsweise werden Mitarbeiter des Chorverbandes in die Kindertagesstätten entsandt. Sie unterstützen die Erzieher bei der Etablierung eines „musischen Klimas“ durch tägliches Singen. Bei Erfolg gibt es eine Auszeichnung mit dem „Felix“-Qualitätszeichen.    Vorbildlich verhalte sich hier die Sängerstadt Finsterwalde, wie Landeschorleiter Ullrich erläutert: „Finsterwalde ist die erste Stadt in ganz Deutschland, in der alle Kitas das Felix-Qualitätszeichen haben.“

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