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Die schmucke Seite der Medaille

Sammelt DDR-Medaillen: der Student Tobias Bank aus Wustermark
Sammelt DDR-Medaillen: der Student Tobias Bank aus Wustermark © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Ulrike Kirsten / 21.02.2011, 19:09 Uhr
Beeskow (In House) „Sei stolz auf mich – doch denke dran, dass Lorbeer auch verwelken kann“ mahnt die Inschrift auf der weißen Porzellanplakette ihren Besitzer. Moderatoren und Techniker des DDR-Fernsehens erhielten einen solchen „Fernsehlorbeer“ für besondere Leistungen.

Die Ausstellung „Mit Kunst geehrt“ auf der Burg Beeskow widmet sich ab Sonnabend der Medaillenkunst des Arbeiter- und Bauernstaates. Nach der Verstaatlichung der Porzellan-Manufakturen Meißen und Weimar förderte die DDR gezielt die Produktion von Medaillen. Das in der Ausstellung gezeigte, breite Repertoire an staatlichen, nichtstaatlichen und betrieblichen Auszeichnungen und Ehrengeschenken stammt aus der Sammlung von Tobias Bank. Zu ihr gehören auch Wandteller und Vasen. Eine hat der Student der Zeitgeschichte vor einigen Jahren vor der Müllpresse gerettet. „Sie ist in der Werkstatt von Hedwig Bollhagen entstanden. Eine echte Rarität, auch weil in der DDR-Flagge noch kein Staatswappen auftaucht“, erklärt Bank. Das Geschenk an den ehemaligen Kreisverband Osthavelland zum fünfjährigen Bestehen der Gesellschaft für Deutsch-
Sowjetische Freundschaft ist heute einen vierstelligen Geldbetrag wert.

Die Objekte des 25-Jährigen aus Wustermark ergänzen ausgewählte Exemplare des Kunstarchivs Beeskow. „Ich möchte Geschichte bildhaft machen“, sagt Tobias Bank. Auch die kontroverse Seite der Medaille will er zeigen. Zu den Ausstellungsstücken zählen neben Ehrengaben der bewaffneten Organe wie der Nationalen Volksarmee deswegen auch Wandteller und Plaketten des Ministeriums für Staatssicherheit. „Wir haben uns bewusst entschieden, diesen Bereich nicht auszuklammern, weil er Teil der DDR-Vergangenheit ist. Wir wollen keine Politik machen, lassen diese Ausstellungsstücke unkommentiert“, stellt Bank klar. „Jeder soll sich dazu seine eigenen Gedanken machen können.“

Beauftragten einst Feudal- und Geldadel Künstler mit der Gestaltung von Medaillen, so entschieden in der DDR vor allem gesellschaftliche Auftraggeber über die Motive. Zu Jubiläen von Städten, Gemeinden und berühmten Persönlichkeiten, von Betrieben, Sport- und Freizeitorganisationen wurden kleine Meisterwerke aus glasiertem und mattem Porzellan verliehen. Sie geben nicht nur Einblick in das Zusammenwirken von Staat und Gesellschaft, sondern sind zugleich Abbild filigraner Arbeitstechniken, mit denen Manufaktur-Mitarbeiter die Plaketten gestalteten. Fast 
10 000 verschiedene Medaillen sind allein in Meißen geprägt worden. Welche Bedeutung die Plaketten in der DDR hatten, verrät das mehrbändige Standardwerk „Medaillen aus Meißener Porzellan“.

„Mit Kunst geehrt. Medaillen und Plaketten der DDR“ auf der Burg Beeskow, 26. Februar bis 25. April, Di–So, 11–17 Uhr, ab 1. April Di–So, 9–19 Uhr

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