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Dem Volk zu Ehren

Prachtexemplar: Tobias Bank zeigt ein außergewöhnliches Objekt aus seinem Plakettenrepertoire. Wegen ihrer Größe ist sie ein sehr seltenes Stück und unter Sammlern heiß begehrt.
Prachtexemplar: Tobias Bank zeigt ein außergewöhnliches Objekt aus seinem Plakettenrepertoire. Wegen ihrer Größe ist sie ein sehr seltenes Stück und unter Sammlern heiß begehrt. © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Ulrike Kirsten / 24.02.2011, 20:43 Uhr
Beeskow (In House) Die Ausstellung „Mit Kunst geehrt. Medaillen und Plaketten der DDR“ wird am Sonnabend auf der Burg Beeskow eröffnet. Ein Großteil der Exponate stammt aus dem Repertoire des 25-jährigen Tobias Bank aus Wustermark. Seiner Sammelleidenschaft geht der Student bereits seit seiner frühesten Kindheit nach. Auf der Suche nach schönen Objekten opfert er nicht nur viel Freizeit beim Stöbern auf Trödelmärkten und in Antiquitätengeschäften, sondern greift auch tief in die Tasche. „Wenn ich irgendwo ein extravagantes Stück entdecke, was mir noch fehlt, zahle ich das Geld gern“, sagt Tobias Bank.

Ein Bügelbrett, eine Tischdecke und Omas Wohnzimmer, mehr braucht Tobias Bank nicht, um seine erste Ausstellung auf die Beine zu stellen. „Da bin ich noch zur Grundschule gegangen und habe Familie und Freunde eingeladen“, erzählt der 25-Jährige. Ab morgen liegen fast 200 seiner Sammlerstücke unter schweren Glasglocken auf der Burg Beeskow. „Mit Kunst geehrt“ heißt die Schau, die Medaillen und Plaketten der DDR zeigt. Aus wertvollem Porzellan der Manufakturen in Meißen und Weimar. Auszeichnungen und Geschenke, mit denen die Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft die Besten des Volkes ehrten. „Für mich haben die Stücke einen historisch ideellen Wert, an denen man Geschichte gut erklären kann“, sagt der Politikwissenschaftler.

Unverkrampft nähert er sich dem Staat, in dem er zwar geboren wurde, dessen Historie er aber selbst nur aus Erzählungen und Büchern kennt. Als die Mauer fällt, ist Tobias Bank sechs Jahre alt. „Ich will nichts verklären, deswegen zeigen wir auch Medaillen und Plaketten der Parteien, bewaffneter Organe und des Ministeriums für Staatssicherheit. Sie sind eben auch Teil der DDR-Geschichte.“

Heute gehören so viele Objekte zu seinem Repertoire, dass sich Tobias Bank für seine Stücke eigens einen Raum angemietet hat. „Neben Plaketten zählen auch Fahnen, Werbeplakate, Orden und Abzeichen zu meinem Fundus. Ich habe allein fast 2000 Objekte aus Porzellan und Ton, die kriege ich bei mir zu Hause gar nicht unter.“ Vorsichtig befreit der junge Mann aus Wustermark eine Porzellanfigur vor dem schützenden Zeitungspapier, das einen Läufer des Olympischen Komitees der DDR umhüllt. „Die Skulptur kann man auch als Petroleumkerze benutzen“, sagt Tobias Bank und zeigt auf die Fackel, die der Läufer in der Hand hält. Behutsam hebt Bank die Spitze ab. „Sehen Sie, da ist der Docht.“

Fast zu jedem Ausstellungsstück kann er eine Geschichte erzählen. Ob zu einem Pokal von 1969, den Tobias Bank von einem ehemaligen Trainer der DDR-Handballnationalmannschaft der Männer bekommen hat oder zu einer Medaille, aus der sich – einem Gebirge gleich – ein Rosenmotiv aus edlem Weimarer Porzellan schält. „Solche großen Medaillen waren eher die Seltenheit, deswegen ist sie auch so besonders“, klärt Tobias Bank auf. Das nationale Aufbauwerk, das in der DDR für die Koordination von Städte- und Straßenbau zuständig war, ließ die Plakette zum 30. Jahrestag der DDR prägen.

„Sammler sind alle verrückt“, gesteht Tobias Bank und lacht. „Aber ich möchte, dass die Leute meine Stücke sehen. Deswegen stelle ich sie gern für Ausstellungen zur Verfügung. Es nutzt ja keinem was, wenn sie bei mir zu Hause nur auf dem Dachboden rumliegen.“ Für seine Leidenschaft hat der Student sogar schon einen Kredit aufgenommen. „Da war dieser Orden, den ich in einem Trödelgeschäft entdeckt habe. Den wollte ich unbedingt, hatte aber nicht genug Geld“, verrät Bank. „Ich spare dann eben bei anderen Dingen.“

Denn Tobias Bank will vor allem eins. Historische Unikate vor ihrem Ende auf dem Sperrmüll retten, sie für das kulturelle Gedächtnis der Gesellschaft bewahren. „Wer zu Hause alte Plaketten hat, die er loswerden will, der kann sich gern bei mir melden“, sagt Tobias Bank und versichert: „Ich bezahle auch dafür.“

„Mit Kunst geehrt. Medaillen und Plaketten der DDR.“ auf der Burg Beeskow – Eröffnung morgen um 15 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 25. April von Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr zu besichtigen. Kontakt zu Tobias Bank unter Telefonnummer 0174 6240053

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