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Die Macht des Blickes


Seine Bilder zeigen Abgründe: Professor Dieter Gantz bei der Vernissage zur Ausstellungseröffnung am Freitag in der Galerie Bernau. Foto: Klaus-Peter Rudolph
Seine Bilder zeigen Abgründe: Professor Dieter Gantz bei der Vernissage zur Ausstellungseröffnung am Freitag in der Galerie Bernau. Foto: Klaus-Peter Rudolph © Foto: Klaus-Peter Rudolph
BHORN / 27.02.2011, 19:02 Uhr
Bernau (In House) Die Galerie Bernau eröffnete ihre zweite Ausstellung unter dem Jahresmotto „geistes/GEGENWART“ am Freitag mit einer Vernissage. Diesmal werden Bilder des 1932 im Saalkreis geborenen, heute Berliner Malers und Hochschullehrers Prof. Dieter Gantz gezeigt. Die Ausstellung ist mit dem Titel „Von der Macht des schonungslosen Blickes“ überschrieben.

Schonungslos ist der Blick des Malers Dieter Gantz auf alle Fälle. Seine Werke spiegeln die ganze Breite menschlicher und gesellschaftlicher Abgründe wieder. Es sind keine schönen Bilder, die Gantz unter den Eindrücken des alltäglichen Verfalls, selbst erlebter Brutalitäten, Horrorgeschichten und Negativschlagzeilen in den Medien malt. In Fratzen, geballten Fäusten und unnatürlichen Körperhaltungen begegnen uns die Gestalten, die das Entsetzliche und schwer zu verarbeitende ausdrücken. Gantz setzt auf Betroffenheit, Ekel, Abgestoßen- und Angezogenheit bei den Betrachtern.

Es hat den Maler berührt, als sein Sohn ohne Anlass von Jugendlichen auf offener Straße zusammengeschlagen wurde. Die Leute, die vorbeigingen, haben weggesehen. Kein Mitleid, keine Hilfe für den Unterlegenen. Das Ereignis hat Gantz in mehreren Bildern verarbeitet. Und der Betrachter kann nachvollziehen, welche Anstrengung es den liebenden Vater gekostet hat, sein Entsetzen, seine Wut, sein Unverständnis über den Kopf in die malenden Finger zu leiten. Das ganze Drama vor dem geistigen Auge während eines langen Entstehungsprozesses.

Ähnlich geht Dieter Gantz auch mit anderen Themen um. Da sind die unheiligen Kleriker, die sich an Kindern vergehen, Kinder, die in Hungerregionen aufwachsen müssen oder Menschen, die in Kriegen sterben, mit denen sie nichts zu tun haben. Geschichten und Ereignisse, die sich heute mitten unter uns, auf unserer so klein gewordenen Welt zutragen. All das bewegt den Maler und er sieht und malt es mit schon fast aggressiver Schonungslosigkeit in grellen Farben. Die Einsicht, dass wir eben nicht allein unter einer Käseglocke leben, die uns hermetisch vor allem Unbehagen beschützt, kommt zwangsläufig.

Die Ausstellung ist in der Galerie Bernau in der Bürgermeisterstraße 4 noch bis zum 9. April zu sehen. Die Galerie-Öffnungszeiten sind: Di–Fr10–18 Uhr und Sa10–16 Uhr.

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