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Bäume als Symbol der Versöhnung

Treff im Friedenswald: Mitinitiator Eberhard Grasshof (2.v.l.) informiert Beata Rauch und Darius Müller von Schloss Trebnitz, Tobias Seyfarth, Sprecher des Landrates, Frank Madel und Gerhard Grundemann vom CJD Seelow sowie Bürgermeister Jörg Schröder (l.)
Treff im Friedenswald: Mitinitiator Eberhard Grasshof (2.v.l.) informiert Beata Rauch und Darius Müller von Schloss Trebnitz, Tobias Seyfarth, Sprecher des Landrates, Frank Madel und Gerhard Grundemann vom CJD Seelow sowie Bürgermeister Jörg Schröder (l.) © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 03.03.2011, 20:06 Uhr - Aktualisiert 03.03.2011, 20:06
Seelow/Werbig (In House) Am 
2. April ist Seelow Gastgeber einer Festveranstaltung anlässlich des 20. Jahrestages des Friedenswaldes auf dem Werbiger Krugberg. Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) ist Schirmherr der Veranstaltung, die gemeinsam mit dem Bildungs- und Begegnungszentrum Schloss Trebnitz sowie der Stiftung für West-Östliche Begegnungen vorbereitet wird.

„Es war eine ungewöhnliche, aber politisch sehr wichtige Aktion 1991“, sieht es Landrat Gernot Schmidt heute. Er war als damaliger ehrenamtlicher Bürgermeister von Werbig einer von vier Privatinitiatoren des Friedenswaldes. Zu der Gruppe gehörten auch der Schriftsteller Martin Stade, der Sprecher der ersten Brandenburger Landesregierung, Eberhard Grashoff, und der Berliner Aktionskünstler Ben Wargin. „Uns war es wichtig, gerade in der Zeit des großen Umbruchs ein Zeichen zu setzen“, blickt Gernot Schmidt zurück. „Wir wollten die Tür in Richtung Osten nicht zuschlagen. Das hat sich im Nachhinein als wichtig und richtig erwiesen“, steht für den Landrat fest. Bis heute gebe es ein gutes Verbindung zur russischen Botschaft, stehe der Kreis für eine enge Partnerschaft mit seinen polnischen Nachbarn. „Und mit den internationalen Jugendbegegnungen in Trebnitz haben wir ein weit über das Land hinaus wirkendes spezifisches Merkmal gesetzt“, ergänzt Schmidt. Mit dem Friedenswald sollte ein Zeichen der Versöhnung mit den Völkern östlich der Oder gesetzt werden. Zur Pflanzung im April 1991 kamen nicht nur der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe und der Chef der russischen Streitkräfte in Deutschland, Generaloberst Matwej Burlakow, sondern auch polnische Generäle. In den Folgejahren wurde die Idee als Friedensstafette in die Länder der einstiegen Hauptkampflinie des Krieges weitergetragen.

In der gemeinsamen Sitzung des Bildungs- und Jugendausschusses der Stadt rief Darius Müller vom Schloss Trebnitz die Friedenswald-Stationen in Erinnerung (siehe Info-Kasten). Der größte Friedenswald entstand in Brest. Er befinde sich in einem sehr guten Zustand und werde von den Bewohnern des Stadtviertels sehr gut angenommen, berichtete Darius Müller. Er konnte sich davon im vergangenen Jahr bei einem Besuch mit Schülern aus der Region überzeugen.

Der Friedenswald bei Moskau hingegen wurde im vergangenen Jahr Opfer der verheerenden Waldbrände rund um Russlands Hauptstadt, berichtete Müller. Er soll aber wieder neu angepflanzt werden, sei ihm versichert worden. Der Verein Schloss Trebnitz ist Kurator der Friedenswälder, hat sich vor allem der Begegnung von jungen Menschen aus Deutschland, Polen, Weißrussland und Russland zur Aufgabe gemacht. In solche Begegnungen werden immer wieder auch Treffen und Einsätze an den Friedenswäldern organisiert.

„Wir möchten den Werbiger Friedenswald künftig noch mehr nutzen“, erklärte Darius Müller. Dabei soll es vordergründig um ungezwungene Treffen gehen unter freiem Himmel. Man wolle die grünen Oasen nicht historisch überfrachten. Man könne sich auch vorstellen, dass der Wald touristisch mit genutzt wird.

Bis zur großen Festveranstaltung werden Jugendliche des CJD Seelow im Friedenswald wirken und den Pflegerückstand aufholen. Für den 2. April haben Manfred Stolpe sowie die Botschafter aus Russland, Weißrussland und Polen ihr Kommen zugesagt. Nach dem Treff am Friedenswald ist eine feierliche Kranzniederlegung an der Seelower Gedenkstätte geplant. Darius Müller lud alle Stadtverordneten und die Seelower Bürger dazu schon jetzt herzlich ein.

Stationen der Friedensstafette:

April 1991: Im Beisein des Oberkommandierenden der sowjetischen Streitkräfte wird auf Privatinitiative von vier Männern am Krugberg der erste Friedenswald gepflanzt. Im gleichen Jahr findet im November ein international viel beachtetes Treffen mit Jugendlichen aus Deutschland, Polen, Weißrussland und Russland statt. Prominenter Gast ist Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth.

Oktober 1992: Im polnischen Gorcyza, gegenüber dem Reitweiner Sporn – einstigem Unterstand von General Shukow, der die letzte große Schlacht des Zweiten Weltkrieges leitete – pflanzen junge Leute einen zweiten Friedenswald. Er wird in den Folgejahren vernachlässigt, 2004 aber in einer neuen gemeinsamen Aktion wieder angelegt.

April 1994: Unter Beteiligung Tausender Brester entsteht in einem Neubaugebiet der weißrussischen Stadt der dritte Friedenswald. Von der Fläche her ist er der größte

September 1995: Jugendliche aus Deutschland, Polen, Weißrussland und Russland legen am Kilometer 72 vor den Toren Moskaus – der Linie des ehemaligen Frontverlaufs – den vierten Friedenswald an. Mit dabei ist die damaligen Brandenburgische Bildungsministerium Angelika Peter.

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