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Moor kontra Schweinemast

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Ulrich Thiessen / 06.03.2011, 14:03 Uhr - Aktualisiert 06.03.2011, 14:03
Potsdam (In House) Noch in diesem Jahr soll eine Entscheidung fallen, ob im uckermärkischen Haßleben eine Mastanlage für 68 000 Schweine errichtet werden darf. Die Gegner des Vorhabens bauen auf ein neues Gutachten zu einem benachbarten Moor. Sie sehen alle Voraussetzungen erfüllt, die Genehmigung abzulehnen.

Seit 2003 wird im Norden des Landes darüber gestritten, ob eine ehemalige Schweinemastanlage aus DDR-Zeiten, in der bis zu 140 000 Tiere gehalten wurden, mit der halben Kapazität wieder in Betrieb genommen werden kann. Zunächst hatte ein holländischer Investor die Haltung von 85 000 Schweinen beantragt, 2008 aber die Zahl auf 68 000 Tiere reduziert. Die entsprechende Genehmigung wird seit mehr als sieben Jahren bearbeitet. Bürgerinitiativen mit entgegengesetzten Interessen kämpfen genau so lange in der Region – „proSchwein“ und „Kontra Industrieschwein“ stehen sich gegenüber.

Am Freitag präsentierten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Deutsche Tierschutzbund, die Bürgerinitiative „Kontra Industrieschwein“ und die Grünen-Fraktion im Landtag ein neues Gutachten. Im Auftrag des Landesumweltamtes hatte Professor Hans Joosten von der Universität Greifswald ein in der Nähe gelegenes Moor begutachtet und dabei festgestellt, dass es sich um ein schützenswertes Biotop handelt. Durch die Schweinemast von 1978 bis 1991 sei das zwölf Hektar große Moor durch Stickstoffablagerungen stark beeinträchtigt worden. Eine Fortsetzung der Mast könnte das Moor weiter schädigen. Gleichzeitig habe das Gelände das Potenzial als eines von nur drei Mooren in Brandenburg vorrangig in das Moorschutzprogramm des Landes aufgenommen zu werden, sagte Gert Müller von der Bürgerinitiative. Die für das Moor schädliche Stickstoff-Emission sei auch mit Filteranlagen nicht völlig einzudämmen.

Für Peter Kremer, Rechtsanwalt des BUND Brandenburg ändert das Gutachten das gesamte Genehmigungsverfahren. Nun gehe es nicht länger um die Prüfung, ob die Anträge ordnungsgemäß abgearbeitet werden und wenn nichts dagegen spricht, die Mastanlage zu genehmigen. Mit der Expertise zum Moor habe das Umweltministeriums jetzt einen Ermessensspielraum. „Das Ministerium kann den Antrag des holländischen Investors ablehnen, ohne dass es Schadensersatzklagen fürchten muss“, erläuterte Rechtsanwalt Kremer.

Außerdem seien inzwischen in dem Moor Insekten und Vögel nachgewiesen worden, die europaweit geschützt werden. Allerdings räumt auch der BUND ein, dass die Schweinemast auch genehmigt werden könne, wenn die zuständige Behörde ein öffentliches Interesse für eine entsprechende Ausnahmegenehmigung feststellt.

Dieses Interesse sehen die Befürworter in der wirtschaftlichen Bedeutung des Betriebes für die Region und vor allem in der Schaffung von bis zu 50 Arbeitsplätzen. Die Bürgerinitiative „Kontra Industrieschwein“ macht unterdessen darauf aufmerksam, dass auch weitere Ausnahmegenehmigungen für den Betrieb erteilt werden müssten. So seien reguläre Brandschutzmaßnahmen kaum zu erfüllen, die die Rettung der Tiere im Brandfall vorsehen. Außerdem entspreche die Tierhaltung nicht den aktuellen EU-Vorgaben, da kein Tageslicht vorgesehen ist und den Tieren bei der geplanten engen Haltung die Schwänze kupiert und Eckzähne abgekniffen werden müssten, damit sie sich nicht gegenseitig verletzen.

Im Umweltministerium teilt man die Sicht des BUND nicht. Es gebe keinen Spielraum bei der zu treffenden Genehmigung, hieß es am Freitag. Das Verfahren werde auch nicht politisch entschieden, sagte Abteilungsleiter Günter Hälsig. Das Moorgutachten liege inzwischen der Kreisverwaltung Uckermark zur Begutachtung vor. In Prenzlau müsse man dazu Stellung beziehen. Dann treffe das Landesumweltamt, Außenstelle Frankfurt (Oder), eine Entscheidung. Laut Hälsig passiert das noch in diesem Jahr. Außerdem werde sowohl eine Genehmigung als auch eine Ablehnung mit hoher Wahrscheinlichkeit beklagt werden, 
so Hälsig. (Mit Adleraugen)

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Gabi 10.05.2011 - 07:53:39

Ja es sind Lebewesen.

Der Mensch ist unmöglich, es zählt nur noch Profit! Hähnchen werden in zwei Monaten mit Mais gemästet, was sie eigentlich nicht fressen. Vier Impfungen gibts in diesem kurzen Leben, eingesperrt zu Tausenden und keine Wiese zum grasen. All das essen wir mit. Gucken sie sich auf YouTube : " Food inc was essen wir wirklich" Durch Mais von Monsato und Insektizide versauen wir unsere Böden und somit unser Leben, die Bienen...

Antonietta 10.05.2011 - 07:24:50

Tiere sind Lebewesen genau wie Menschen.

Sie empfinden Schmerz und Gefühle wie z.B. Angst. Trotzdem werden Schweine, Rinder, Hühner usw. von Menschen wie Produkte oder Waren behandelt. Wir sperren sie ein, halten sie teilweise unter den schlimmsten Bedingungen, mästen und töten sie, um sie dann zu essen.

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