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Der eingeschränkte Blick

In der Diskussion: Claudia Schmid-Rathjen (stehend) aus Wandlitz wünschte sich, dass die WITO stärker in das Projekt „Wasserinitiative Nordost“ (WIN) eingebunden wird. Foto: MOZ/Kai-Uwe Krakau
In der Diskussion: Claudia Schmid-Rathjen (stehend) aus Wandlitz wünschte sich, dass die WITO stärker in das Projekt „Wasserinitiative Nordost“ (WIN) eingebunden wird. Foto: MOZ/Kai-Uwe Krakau © Foto: MOZ
KUKRAKAU / 07.03.2011, 08:01 Uhr
Biesenthal (In House) Von Kai-Uwe Krakau

Bilanz und Ausblick bei der WITO – das war das Thema des ersten „Biesenthaler Gesprächs“ 2011 am Freitagabend. Als Gast konnte die Linken-Fraktion im Kreistag Barnim den Geschäftsführer des Unternehmens, Rüdiger Thunemann, begrüßen.

Es habe oft heftige Diskussionen um die WITO gegeben, so Moderator Lutz Kupitz in seinen einleitenden Worten. Er hoffe deshalb, dass der Abend etwas dazu beitragen könne, zu klären, was die GmbH leiste und wo die Grenzen ihrer Arbeit liegen. Aufklärung sei nötig, hieß es.

Bevor die knapp 30 anwesenden Zuhörer in die Diskussion einstiegen, gab Geschäftsführer Thunemann zunächst einen Überblick zur Tätigkeit des „Lobbyisten für den Barnim“. Er stellte die verschiedenen Bereiche wie die Wirtschaftsförderung, die Investorenansiedlung und die Existenzgründerberatung vor, erwähnte die Suche-Biete-Börse und verwies auf die 2010er-Bilanz. Sie weist fünf Unternehmen aus, die rund 
35 Millionen Euro im Landkreis investiert haben, 135 Arbeitsplätze wurden geschaffen, 
150 Firmen vom WITO-Team betreut. „Wir sind 24 Stunden am Tag erreichbar, das ist ein großer Vorteil“, so Thunemann. Und er nannte eine weitere Zahl: Rund sechs Millionen Euro an Steuern aus der Tourismusbranche fließen jährlich in die Kassen der Barnimer Kommunen.

Wie dann die Zusammenarbeit mit Bernau sei, wollte anschließend eine Stadtverordnete wissen. „Sehr gut, erfolgreich, unkompliziert“, antwortete Thunemann. Für ihn sei es immer noch ein Traum, wenn sich Motor Weber in der Hussitenstadt ansiedelt. „An uns liegt es nicht“, so der WITO-Geschäftsführer.

Die Wandlitzer Gemeindevertreterin Claudia Schmid-Rathjen wollte es dann doch etwas kritischer und versuchte, die „Schwachstellen“ zu hinterfragen. Mit zunächst wenig Erfolg. WITO-Chef Thunemann verwies lediglich darauf, dass sein Unternehmen, vornehmlich im touristischen Bereich, lediglich eine koordinierenden Funktion hat. „Die inhaltliche Arbeit, etwa, wenn es um die Bau von Radwegen geht, müssen die Kommunen machen“, betonte er.

Daraufhin meldete sich Lutz Kupitz zu Wort. „Der Blick auf den Barnim ist in vielen Gemeinden eingeschränkt“, stellte der Linken-Kreistagsabgeordnete fest. Wenn man von der WITO mehr wolle, müsse man auch mehr Geld geben. Das Potenzial sei dort durchaus vorhanden.

„Wie sieht es mit der Finanzierung der Tourismus-Informationsstellen aus, wenn die Förderung 2014 ausläuft“, fragte Kerstin Berbig aus Wandlitz. Man könne „mit Rat und Tat helfen“, aber nicht mit Geld, so Thunemann. Die Mittelverteilung erfolge im politischen Raum, also im Kreistag. Um alle sogenannten I-Punkte ordentlich betreiben zu können, seien jährlich rund 
380 000 Euro erforderlich. Eines ist aber auch für Thunemann klar: „Wir können sie nicht einfach zumachen“.

Andreas Scharschmidt, Vorsitzender des Tourismusvereins Naturpark Barnim und Chef der Tourismusgemeinschaft Barnimer Land sieht in dieser Frage vor allem die Kommunen in der Pflicht. „Wenn die Informationsstellen nicht finanziert werden, bleibt nur, sie zu schließen“, so seine Auffassung. Scharschmidt gab sich aber auch leicht optimistisch. Noch sei etwas Zeit, um vernünftige Lösungen zu finden, meinte der Vereinsvorsitzende.

Auch die Wasserinitiative Nordost (WIN) war ein Thema bei den „Biesenthaler Gesprächen“. Würde es Sinn machen, wenn die WITO mehr in das Projekt eingebunden wäre, erkundigte sich abermals Claudia Schmid-Rathjen, die auch Kreistagsabgeordnete ist. Geschäftsführer Thunemann konnte darauf nur erklären, dass sich ein Projektteam in der Kreisverwaltung mit dem ehrgeizige Vorhaben beschäftigt. Insofern habe man mit WIN nichts zu tun. Der Wirtschaftsförderer ließ aber durchblicken, dass es nicht schade, wenn die WITO sich dort auch um das Marketing kümmern könnte.

Nach gut anderthalbstündiger Debatte zog Lutz Kupitz schließlich ein positives Fazit. „Wir sind am Beginn einer Diskussion“, stellte er fest. Sein Wunsch sei es, dass sich Städte und Gemeinden in naher Zukunft darüber verständigen, was sie eigentlich von und mit der WITO wollen. „Da müssen wir zu einem Konzept kommen“, so Kupitz.

Dem Team um Rüdiger Thunemann zollte er abschließend ein dickes Lob. In den vergangenen zwei Jahren habe sich die Außenwirkung der Gesellschaft deutlich verbessert, ließ der Kreistagsabgeordnete wissen.

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Dr.-Ing. Frank Valentin 07.03.2011 - 09:26:52

99 Luftballons

Eine bewährte Methode aller Thunemänner dieser Republik ist es offensichtlich, potentielle Kritiker sofort mit einem richtigen Zahlensalat totzuschlagen. Hier mal ein paar Äppel mit ein paar Birnen verglichen und fertig ist die Erfolgsgeschichte. Kann ja eh keiner Nachprüfen und Abgeordnete lieben Erfolgsgeschichten. Also noch schnell ein paar Luftballons steigen lassen. Wer sagt eigentlich, dass die vom Geschäftsführer der WITO als eigene Erfolge propagierten Zuwächse nicht auch ohne die vor allem kommunalen und damit aus Steuern stammenden Investitionen in eine sogenannte Wirtschafts- und Tourismusfördergesellschaft zustande gekommen wären? Ich empfehle der "MOZ" und auch den Linken, endlich wirklich einmal kritisch nachzufragen. Z.B. zur Präsentation des Landkreises Barnim auf der diesjährigen Grünen Woche, der weltweit größten Landwirtschaftsausstellung, bei der es selbstverständlich auch um den Zusammenhang Landwirtschaft und Tourismus geht. Ich zitiere die "MOZ" vom 19.Januar 2011: "Der Barnim ist in diesem Jahr nicht auf der Grünen Woche in Berlin vertreten. In den Jahren 2009 und 2010 präsentierte sich der Landkreis den Messebesuchern noch auf dem Stand des Landkreistages. Dort können Landkreise jedes Jahr gebührenfrei in eigener Sache werben. Sie müssen lediglich für ihre eigenen Auslagen aufkommen. Die Kosten für die Standfläche, den Standbau und den Strom übernimmt der Verband. In diesem Jahr erreichte Markus Mempel, den Pressesprecher des Landkreistages, keine Bewerbung aus dem Barnim." Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Man bekommt also einen richtig teuren Messestandplatz gesponsort und keiner - weder WITO noch Landkreis Barnim - geht hin! Unglaublich. Ignoranz, Dummheit, Überheblichkeit ? "Broschüren und Urlaubsjournale" sollen es nun lt Wirtschaftsdezernent Bockhardt richten. Wie bringt man die an den Kunden ? In Berlin hätte der Kunde=Tourist sie direkt am Ausstellungsstand abgeholt. Aber das ist nur ein ganz kleiner Aspekt der Traumtänzerei namens WITO. Man baut offensichtlich Luftschlösser auf und erzählt Märchen, so das von den rund sechs Millionen Euro an Steuern aus der Tourismusbranche, die jährlich in die Kassen der Barnimer Kommunen fließen und die sie wohl nur wegen der WITO. einnehmen, oder ? Gibt es überhaupt Konzepte für diese WITO? Außer, dass sie nach wie vor überwiegend nur Immobilien verwaltet? Wo will man mal hin? Was ist z.B. mit den drohenden Altanschließerbeiträgen, die eine Ansiedlung von größeren Unternehmen in Brandenburg und damit auch im Barnim massiv verhindern ? Davon ist auch ganz offensichtlich die Ansiedlung von Weber Motors in Bernau betroffen. Aber da baut Thumnemann ja schon mal vor und wäscht seine Hände in Unschuld . „An uns liegt es nicht“, so der WITO-Geschäftsführer.Was ist in diesem Zusammenhang mit der Großbäckerei Bernau ? Richtige "Aufklärung" sieht jedenfalls anders aus und insofern scheint der Abend verschenkt gewesen zu sein. Von der MOZ muss man als Steuerzahler und Unternehmer langsam verlangen können, dass sie ihre falsch verstandene Kollegialität gegenüber Herrn Thunemann aufgibt und endlich einmal wirklich kritische Fragen zur Verwendung unserer Steuermittel und damit zu Aufwand und Ergebnis der Arbeit der WITO stellt. Wenn die Linken es schon nicht können...

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