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Früherer RAF-Terrorist Sonnenberg verweigert die Aussage

10.03.2011, 12:29 Uhr
Stuttgart (AP) . Im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Verena Becker wegen des Buback-Attentats von 1977 hat der frühere Terrorist Günter Sonnenberg als Zeuge die Aussage verweigert. Der 56-Jährige machte am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart nur wenige Angaben zu seiner Person.

Der Vorsitzende Richter Hermann Wieland appellierte mehrfach an den Zeugen, auf sein Auskunftsverweigerungsrecht zu verzichten. Es gebe „höhere Werte“, „nämlich eine Moral und ein Gewissen“, sagte Wieland. Er forderte Sonnenberg „im Namen der Gesellschaft, der Opfer und ihrer Angehörigen“ auf, zu sagen, was er über den Anschlag wisse.

Der RAF-Aussteiger Peter-Jürgen Boock hatte ausgesagt, dass er den früheren RAF-Terroristen Stefan Wisniewski als den wahren Todesschützen beim Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback ansieht und Sonnenberg als Fahrer des damals genutzten Motorrads. Weder Wisniewski noch Sonnenberg wurden aber bislang wegen des Buback-Attentats verurteilt.

Sonnenberg war im Mai 1977 - einen Monat nach dem Attentat vom 7. April 1977 - in eine Schießerei mit der Polizei verwickelt, wo er durch einen Kopfschuss schwer verletzt wurde. Danach lag er vier Wochen im Koma.

Das Verfahren zum Buback-Mord wurde bei Sonnenberg 1982 eingestellt, und zwar mit Blick darauf, dass er bereits im April 1978 wegen Mordversuchs an zwei Polizisten zu zweimal lebenslänglich verurteilt worden und wegen seiner Kopfverletzung dauerhaft gesundheitlich beeinträchtigt war. Im Mai 1992 wurde Sonnenberg auf Bewährung entlassen.

Mit Blick auf seine Haftzeit sagte Sonnenberg am Donnerstag, er habe sich 13 Jahre lang in „Totalisolation“ befunden. Nachdem er aus dem Koma erwacht sei, sei er „neu zur Welt gekommen“. Sonnenberg gab weiterhin an, dass er keinen Beruf ausübt und von Hartz IV lebt.

Welches RAF-Mitglied am 7. April 1977 vom Soziussitz des Motorrads aus die tödlichen Schüsse an einer Karlsruher Kreuzung abfeuerte, ist bis heute ungeklärt. Wegen des Buback-Attentats wurden die RAF-Terroristen Knut Folkerts, Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt als „Mittäter“ verurteilt.

Nebenkläger Michael Buback hält Becker für die Todesschützin beim Mord an seinem Vater. Die Bundesanwaltschaft sieht die 58-jährige Angeklagte hingegen lediglich als Mittäterin an.

Nach Sonnenberg soll auch Wisniewski noch als Zeuge vernommen werden. Außerdem sind der frühere RAF-Terrorist Rolf Heißler und die Ex-Frau Boocks, Waltraud Liewald, geladen.

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