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Musik ist ihr Lebenselixier

Große Ehrung für eine bescheidene Frau: Landrat Gernot Schmidt (r.) und Kreistagsvorsitzender Wolfgang Heinze überreichten beim Kreistag der Alfriedländerin Dorothea Blache die Verdienstmedaille des Bundesverdienstordens.
Große Ehrung für eine bescheidene Frau: Landrat Gernot Schmidt (r.) und Kreistagsvorsitzender Wolfgang Heinze überreichten beim Kreistag der Alfriedländerin Dorothea Blache die Verdienstmedaille des Bundesverdienstordens. © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 10.03.2011, 20:25 Uhr
Seelow/Altfriedland (In House) Eine große Ehrung gab es zu Beginn der Kreistagssitzung am Mittwochabend. Kirchenmusikerin Dorothea Blache aus Altfriedland wurde mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet.

Wer das Heim von Dorothea und Richard Blache in Altfriedland betritt, der spürt sofort, dass hier die Musik zu Hause ist. Zwei Klaviere, Notenhefte, Musikbücher, Wandschmuck – alles erzählt von der großen Leidenschaft einer kleinen Frau. Auch einen Tag nach der Auszeichnung ist sie noch ganz verwundert. „Warum gerade ich?“, fragt sie. Sie tue das, was ihr möglich und für sie selbstverständlich ist.

1948 zogen ihre Eltern nach Altfriedland. Vater Otto Stiehm war ein Musiker durch und durch, erzählt die 79-Jährige. Er war es, der alle vier Kinder zur Musik führte. Otto Stiehm übernahm das Pfarramt im Ort. Tochter Dorothea wurde gleich mit eingespannt, denn es fehlte eine Organistin. 1954 lernte sie ihren Mann Richard kennen. Es war jenes Jahr, als die Klosterkirche Altfriedland eine neue Orgel bekam. Die alte Buchholz-Orgel war 1945 von Bewohnern des Dorfes mutwillig zerstört worden. Bei Schuke in Potsdam wurde eigens für die Altfriedländer Kirche ein neues Instrument konzipiert. „Eine wunderschöne Orgel“, schwärmt Dorothea Blache.

Jeden Tag sitzt sie an ihrem Instrument, selbst bei Minusgraden. Wer nicht übe, könne nicht spielen, erklärt sie. Für sie ist die Musik Lebenselixier. Von 14 bis 15 Uhr ist sie sieben Tage die Woche in ihrer Kirche, spielt Orgel, führt auch Besucher durch das Gotteshaus. Die Klosterkirche Altfriedland ist ohne Familie Blache kaum denkbar. Ehemann Richard ist Kirchenältester, beide sind Mitglied im neuen Förderverein, in dem sich Christen und Nichtchristen für eine Sanierung des Gotteshauses engagieren. Ein Haus, in dem auch die Brandenburger Sommerkonzerte seit Jahren Station machen, wofür sich die Kirchenmusikerin immer wieder einsetzt. Ein Punkt, den der Kreistagsvorsitzende Wolfgang Heinze in seiner Laudatio am Mittwochabend besonders hervorhob. Sie halte zuverlässig alle Fäden in der Hand, bereite die Konzerte vor, organisiere die Kaffeetafeln.

Sie redet nicht gern über ihr Engagement und möchte schon gar nicht als jemand Besonderes gesehen werden. Ohne ihren Mann wäre all das ohnehin nicht möglich, betont sie. Beide würden sich an das Lebensmotto der Diakonissen halten: Dein Lohn ist, dass man dienen darf. Wenn es ihr gesundheitlich vergönnt ist, wolle sie das noch lange tun. Im Juni wird sie 80, im Mai feiert sie mit ihrem Richard Goldene Hochzeit. Sie könne noch gut laufen, Fahrradfahren, schwimmen und ein Auto lenken. Das sehe sie als Geschenk. Dafür möchte sie auch etwas zurückgeben. Erst, seit sie im Ruhestand ist – von 1948 bis 1991 arbeitete sie als Kirchenmusikerin und Katechetin im Kirchenkreis Bad Freienwalde – habe sie ganz für die Musik leben können, gesteht sie. Trotz Berufstätigkeit gab sie die Liebe zur Musik ihren drei Kindern weiter, die alle Instrumente erlernten und zu Hause gemeinsam spielten. Alle Drei sind heute Musiker, wie auch deren Kinder. Enkelin Viola räumte mit ihrer a-cappella-Gruppe schon bundesweit diverse erste Preise ab. Nun hat die Oma auch einen ganz großen, unterzeichnet von Bundespräsident Christian Wulf. Ministerpräsident Matthias Platzeck legte auch eine Urkunde dazu. Es ist ein Dank der Gesellschaft für jemanden, der anderen viel gibt.

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