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Jäger setzen sich für Wildvielfalt ein

Jens Sell / 18.03.2011, 07:23 Uhr - Aktualisiert 18.03.2011, 09:32
Bad Freienwalde (In House) Der Wildbestand im Oderbruch hat unter der andauernden Vernässung bleibenden Schaden genommen. Das beklagte der Vorsitzende der Hegegemeinschaft Zollbrücke Otto Kurth auf der Vollversammlung des Jagdverbandes Bad Freienwalde.

Nicht nur die Landwirtschaft leidet unter dem hohen Grundwasserspiegel und der damit einhergehenden andauernden Vernässung großer Flächen des Oderbruchs, sondern auch der Niederwildbestand. Das legte der Vorsitzende des Hegerings Niederwild Zollbrücke Otto Kurth auf der Vollversammlung des Jagdverbandes Bad Freienwalde dar.

„Der mangelhafte Abfluss des Niederschlagswassers aus dem Bruch und die Veränderung der Biotope haben auch den Tierbestand verändert. Hinzu kommt die Veränderung der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung der Flächen“, sagte Kurth. Stark entwickelt habe sich der Bestand des Schwarzwildes. Im Oderbruch habe man 80 Stücke zur Strecke gebracht. Das Rehwild habe sich konstant entwickelt. Kurth sprach von 780 Stück, 260 blieben auf der Strecke.

Sorge bereiten ihm hingegen die Niederwildbestände. Der Fasan sei stark rückläufig: „Das Rebhuhn ist verschwunden, das hatten wir früher regelmäßig und stabil im Bruch. Und wer uns Jägern nachsagt, wir hätten es ausgerottet, dem sei gesagt: Seit 1970 wird es nicht mehr bejagt, und trotzdem ist es verschwunden. Ebenso die Bekassine.“ Die schwindenden Kaninchenbestände sehe er mit Wehmut. Das einzige Wild, das von der Vernässung und Verbuschung der Landschaft profitiere, seien fast alle Raubwildarten. Über 400 Stücke wurden geschossen: vor allem Füchse und Marderhunde. Hingegen seien die 500 Stück klassisches Niederwild eher gering. Dort traf es vor allem Fasan, Taube und Gans.

Der Hegering Zollbrücke ist mit seinen 30 aktiven Mitgliedern – nominell hat er mehr – zuständig für 10 000 Hektar jagdbare Fläche. Im Januar haben die Jäger den Wildbestand erfasst, versichert Otto Kurth. Besonders krass haben die Bodenbrüter unter der Vernässung zu leiden, berichtet er. Es klingt aber auch Kritik an undifferenziertem Artenschutz durch, wenn Kurth sagt: „Ich finde es scheinheilig, wenn manchmal Vögel zum Vogel des Jahres ausgerufen werden wie die Feldlerche. Die ist fast verschwunden, dafür breiten sich schwarmweise die Krähen und andere Rabenvögel aus, die gern die Gelege der Bodenbrüter fressen. Ebenso geht der Haussperling zurück, aber wir beobachten an den Siedlungsrändern massenhaft Elstern. Und wenn Matthias Freude den Rückgang des Eisvogels beklagt, sollte er vielleicht bedenken, dass der eine Uferböschung zum Brüten braucht. Was aber, wenn alle Gräben randvoll sind, weil das Land für die Pflege der Gewässer erster Ordnung nicht genügend Geld bereitstellt?“

Man höre keine Rohrdommel mehr im Oderbruch, die Bekassinen seien auch verschwunden: „Da hatten wir einen reichen Bestand.“ Otto Kurth mahnte eindringlich, der Vernässung und Verschilfung im Oderbruch gegenzusteuern: „Sonst erleben wir ein Fiasko.“ Das dichte Schilf lasse keine nachhaltige Regulierung des Schwarzwildbestandes zu, und es biete das ganze Jahr über Deckung. Werde dann noch Mais auf großen Flächen angebaut, sei der Tisch des Schwarzwildes reichlich gedeckt.

Karsten Liebich vom Vorstand des Jagdverbandes, machte für die zurückgehende Artenvielfalt des Wildbestandes auch die eintöniger werdende Fruchtfolge der Landwirtschaft verantwortlich: „Wenn sich unter dem Aspekt des Anbaus für erneuerbare Energie die Feldfrüchte auf Roggen, Weizen, Raps und Mais beschränken, werden einzelne Wildarten gefördert. Die Wildschäden steigen, auch weil sie dort schwer zu bejagen sind.“ Liebich regte eine Drei-Seiten-Vereinbarung an, in der Landwirte, die Pächtergemeinschaften und der Jagdverband ihre Interessen ausgleichen und ein gemeinsames Vorgehen absprechen. Man solle sogar noch die Hegegemeinschaften einbinden und praktisch eine Vier-Seiten-Vereinbarung aushandeln, so Liebich in der Versammlung.

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Lovis Kauertz 18.03.2011 - 17:00:32

Wildbestand im Oderbruch

Herr Kurth sollte - wenn er ernstgenommen werden möchte - doch bitte auch den Tierschutz und den Naturschutz in seine Gespräche mit einbeziehen!

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