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Vom Boxer zum Geschäftsführer

Liebt Herausforderungen: Torsten Koch
Liebt Herausforderungen: Torsten Koch © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Janet Neiser / 20.03.2011, 21:11 Uhr
Eisenhüttenstadt (In House) Mit Torsten Koch hat ein früherer Box-Weltcupsieger und DDR-Meister das Zepter bei der Gebäudewirtschaft Eisenhüttenstadt (Gewi) übernommen. Der 50-Jährige wurde vorübergehend als Notgeschäftsführer eingesetzt.

„Es macht mir Spaß hier“, beteuert Torsten Koch. „Hier ist unheimlich viel Kompetenz vereint.“ Seit etwa drei Wochen sitzt er nun auf dem Chefsessel der Gebäudewirtschaft, nachdem deren langjährige Geschäftsführerin Simone Irmer fristlos gekündigt worden war. Gegen sie liegt der Verdacht vor, dass sie private Rechnungen über die Gewi und/oder die Tochterunternehmen abgerechnet hat. Theoretisch müsste Koch als Notgeschäftsführer nur alle zwei, drei Tage mal nach dem Rechten schauen, sagt er. „Aber ich bin täglich hier.“ Seine Hauptaufgabe bestehe darin, das Unternehmen nach außen hin zu vertreten und steuerliche Angelegenheiten zu beaufsichtigen. „Ich muss die Firma lenken und leiten, sie gut und möglichst gestärkt durch die Sturmzeit bringen und dem neuen, ordentlichen Geschäftsführer übergeben.“ Koch rechnet damit, dass diese Übergabe im Juni erfolgen könnte. Die Ausschreibung läuft bereits.

Angst vor dem Chefstuhl in dem Wohnungsunternehmen habe er nicht gehabt. Und dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Erstens ist der Jacobsdorfer selbst Chef einer Hausverwaltung und für etwa 800 Objekte – Mietshäuser, Gewerbeimmobilien sowie Wohnungseigentümergemeinschaften – verantwortlich. Das Geschäft der Gewi ist ihm somit nicht fremd. Zweitens hat er nicht seinen ersten Einsatz als Notgeschäftsführer. Schon seit dem Jahr 2000 arbeitet er mit dem Amtsgericht zusammen, hat Druckereien, Hotels und Bestattungsinstitute geführt, die in Not geraten waren. Sein Gehalt verhandelte er selbst. Drittens kennt Koch keine Angst: Er boxt sich überall durch. Schließlich stand er in den 1970ern und 80ern selbst im Ring, hat mit Henry Maske trainiert, zweimal den DDR-Meistertitel und den Box-Welt-Cup in Seoul geholt. Doch das erwähnt der gelernte Maschinen- und Anlagenmonteur nur bescheiden am Rande.

„Ich muss mich nicht abheben“, betont der gebürtige Greifswalder. Das ist auch sein Credo als Notgeschäftsführer. Er möchte als Mitarbeiter wahrgenommen werden. Bisher sei ihm das gelungen. „Ich glaube, ich habe es ganz gut verstanden, den Leuten eine gewisse Lockerheit zurückzubringen.“ Es sei ihm anfangs nicht leicht gefallen, mit den Mitarbeitern in Kontakt zu kommen. Die seien sehr vorsichtig und zurückhaltend gewesen. Nachdem er sich überall persönlich vorgestellt habe, sei das besser geworden. Was ihn befremdete, war der Fakt, dass die Kommunikation im Unternehmen nur über E-Mails gelaufen sei – auch mit der Geschäftsführerin. Koch hingegen mag es persönlich. „Meine Tür steht grundsätzlich offen. Ich möchte, dass das hier ein Miteinander wird“, erklärt er.

Was die Ermittlungen gegen Simone Irmer betrifft, hält er sich zurück. Das sei Sache der Staatsanwaltschaft. Er hat andere Aufgaben, musste beispielsweise dafür sorgen, dass die Tochterunternehmen der Gewi, die Oder-Immobilien Verwaltungs GmbH (OIV) und Oder-Immobilien Dienstleistungs GmbH (OID), wieder handlungsfähig sind. Dazu kündigte Koch als Notgeschäftsführer deren bisherige Chefin Simone Irmer. Ihre fristlose Kündigung zuvor galt nur für die Gewi, nicht für die Töchter. Koch setzte sich selbst als Geschäftsführer der OIV und OID ein. Das Problem sei gewesen, dass Simone Irmer dort die alleinige Entscheidungsbefugnis hatte. Als sie nicht mehr da war, sei es eng geworden, auch hinsichtlich der Bezahlung der Mitarbeiter.

Torsten Koch kritisiert das fehlende Vier-Augen-Prinzip aber nicht nur bei den Tochterunternehmen, sondern auch bei der Gebäudewirtschaft selbst. „Das ist eine der Hauptaufgaben des Geschäftsführers zur Absicherung des Unternehmens.“ Aus diesem Grund sei er dabei, die Prokura der Gewi zu erweitern. Und noch etwas ist ihm aufgefallen: Das größte Eisenhüttenstädter Wohnungsunternehmen vermarktet sich nicht gut genug. „Wer nicht wirbt, stirbt“, betont Koch. Ihm fehlen unter anderem Wohnungsangebote im Internet. Im Kampf gegen den Leerstand – vor allem in sanierten Wohnungen – schließt er auch Folgendes nicht aus: eine Senkung der Kaltmiete. Man müsse natürlich zuvor prüfen, ob es Mietpreisbindungen gibt. Und eine Preis-Korrektur nach unten dürfe nicht dazu führen, dass das Unternehmen ins Schleudern gerät. Momentan sei die Gewi aber gut aufgestellt. „Es ist überhaupt nicht so, dass hier Insolvenzgedanken aufkommen müssten.“ Die Liquidität sei gut. Das habe eine unabhängige Prüfung ergeben. Warum stets über Insolvenzvermeidung geredet wurde, könne er nicht nachvollziehen.

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Wohnungssuchender 18.04.2011 - 18:43:07

Herr Koch wirbt und stirbt

Der neue Notgeschäftsführer der GEWI klopft auch nur hohle Sprüche. Ich war so gespannt auf den angeblich neuen Werbungen im Internet mit preiswerten Angeboten für sanierte Wohnungen. Extra habe ich einige Zeit verstreichen lassen. Und dann waren da auf einmal welche! Aber Fehlanzeige, das sind doch alles nur dumme Sprüche, um die Bürger oder Bewerber zu verdummen. Gerademal 10 sanierte Wohnungen im Angebot. Und das Schlimmste, es sind alles alte und ewige Ladenhüter, die man mir in der Vermietung schon x-mal angeboten hat. Nur übergroße 3 und 4 Raumwohnungen , die keiner haben will und 70 % ohne Balkon und mehr als 60 % ab 3. Etage und höher. Was soll denn dieser Quatsch, ich fühle mich mehr als verulkt und angemeiert, eigentlich richtig vera.....Und dann die Mieten !!! Es werden nicht mal Miete und Betriebskosten auseinander gehalten. Da kann man den Mietpreis so schön verschleiern. Oder bedeutet BK 0,00 €, dass Herr Koch uns die Betriebskosten ab jetzt schenkt? Diese Angebote zwischen 7,77 € und 8,42 €/qm sind für diese Ladenhüter völlig überzogen, überteuert und das Papier, oder die Bits nicht wert. Das sollen die neuen abgesenkten Mieten sein? Auch wieder nur dumme Sprüche, genau, wie beim Wahlkampf der BM. So vermietet man keine Ladenhüter und schon gar keine Wohnungen und so macht Werbung überhaupt keinen Sinn. Mein Slogan zu diesem Artikel, Herr Koch wirbt und stirbt. Ich gehe lieber wieder zur EWG, da klappt das besser, auch wenn man länger warten muss.

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