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Dorfschule soll in staatlicher Hand bleiben

Anett Zimmermann / 29.03.2011, 19:43 Uhr - Aktualisiert 29.03.2011, 19:43
Oberbarnin (In House) Die Oberbarnimer Gemeindevertreter haben sich am Montagabend für den Erhalt der Grundschule in Prötzel als staatliche Einrichtung ausgesprochen. Fast die Hälfte der dort unterrichteten Kinder kommt aus Oberbarnimer Ortsteilen.

Die Oberbarnimer Gemeindevertreter hatten 2007 beschlossen, dass Prötzel der Schulstandort für die drei Ortsteile Klosterdorf, Grunow/Ernsthof und Ihlow bleiben soll. Darauf machte Bürgermeister Lothar Arndt jetzt noch einmal aufmerksam. Nur die Kinder aus Bollersdorf sollten weiter die näher gelegene Buckower Grundschule besuchen. Nach dem Beschluss sei mit dem Amt Barnim-Oderbruch eine für zehn Jahre geltende öffentlich-rechtliche Vereinbarung getroffen worden – mit einer Kündigungsfrist von einem Jahr jeweils zum Schuljahresbeginn. Und 45 Kinder, so der Bürgermeister, würden zurzeit die Schule in Prötzel besuchen. Die Schwierigkeiten dort, darunter Ausfallstunden, Busprobleme und das nicht umgesetzte Ganztagskonzept, seien bekannt, würden sich zum Teil aber nicht von denen anderer Schulen unterscheiden.

Umso überraschter hätten die Oberbarnimer zur Kenntnis nehmen müssen, dass sich das Amt Barnim-Oderbruch mit dem Thema Trägerwechsel befasst, ohne dass der Vertragspartner zumindest informiert worden wäre. Bedauerlich sei zudem, dass Vertreter der Gemeinde nicht zu der Elternversammlung Mitte Februar eingeladen waren. Schließlich würde fast die Hälfte der Kinder an der Schule in Prötzel aus Oberbarnimer Ortsteilen kommen. „Und wir wünschen uns dort eine ordnungsgemäße und qualifizierte Ausbildung“, so Lothar Arndt.

Sein Prötzeler Amtskollege Rudolf Schlothauer erklärte jetzt als Gast, dass es darum gehe, den Schulstandort zu sichern. Zugleich stellte er klar, dass im Moment „keine akute Gefahr, dass bestimmte Klassen nicht mehr zugelassen werden“, besteht. Nur eine Garantie dafür gebe es nicht. Deshalb befasse sich der Amtsausschuss seit Dezember unter anderem mit der Frage, ob der Erhalt der Schule über einen freien Träger verlässlicher gesichert werden kann: „Wir wollten das prüfen. Nicht mehr und nicht weniger.“ Um sich erst einmal in Ruhe informieren zu können und Verunsicherung zu vermeiden, habe man dazu die dann vor allem von Eltern und Lehrern kritisierte Geheimhaltung vereinbart. Den Trägerwechsel werde es aber nur geben, „wenn wir diesen gemeinsam wollen“.

Elternsprecher Sven-Michael Keil verwies unterdessen darauf, dass sich die Eltern mit ihren Prob-
lemen an das zuständige Ministerium in Potsdam gewandt hätten, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Staatliches Schulamt, Amtsverwaltung und Landrat seien informiert gewesen. Nach der späten und unbefriedigenden Antwort aus dem Ministerium und den Vorgängen in Bezug auf einen Trägerwechsel habe man die Eltern über den aktuellen Stand informieren und ihre Meinung erfragen wollen. Schließlich seien die meisten freien Schulen auf Elterninitiative heraus gegründet worden und nur mit ersten Klassen an den Start gegangen. „Wo sollen dann aber die anderen Kinder hin?“, fragte Keil und fügte hinzu. „Weil es hierauf keine Antwort gab und gibt, sind wir Eltern sauer.“ Zudem hätten sich 83 Prozent der Oberbarnimer Eltern für den Standort Prötzel ausgesprochen. „Es gibt für uns also keinen Grund für eine Privatisierung“, sagte Sven-Michael Keil auch mit Hinblick darauf, dass nach einem Gespräch mit dem Staatlichen Schulamt inzwischen eine Lehrkraft mehr in Prötzel arbeitet und eine weitere ab September zugesichert worden sei.

Schulleiterin Edeltraud Humboldt ergänzte, dass dank der Einführung der Flex-Klassen die große Unsicherheit der Vergangenheit passé sei. Jahrgangsübergreifender Unterricht, so Heike Kollasch aus Klosterdorf und selbst Lehrerin, sei darüber hinaus nicht nur in den Klassenstufen 1 und 2 möglich. Sie erinnerte auch daran, dass es „für Oberbarnim 2007 ja Argumente für die Dorfschule in Prötzel gegeben hat“.

Manfred Ahrens aus Grunow/Ernsthof unterstützte zudem den Gedanken eines runden Tischs zum Thema. „Wir dürfen nicht bei der Bildung sparen“, mahnte er. Der Versuch der Geheimhaltung sei ein Fehler gewesen, doch es sei auch an der Zeit, die Probleme wieder aus der Öffentlichkeit herauszuziehen. Stefan Zopf aus Bollersdorf gab zu bedenken, dass bereits die Reichenberger Schule geschlossen ist: „Ländliche Entwicklung hängt aber auch von der Bildung ab.“

Auf Nachfrage von Lothar Arndt erklärte Rudolf Schlothauer, dass der Ausbau des Dachgeschosses der Schule in Prötzel fortgesetzt werden soll. Wenn nicht in diesem Jahr, so spätestens 2012. Auch dies sollte dann am Dienstagabend Thema im Amtsausschuss sein. (Bericht folgt.)

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