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Pilgern wie im Mittelalter

ANETT ZIMMERMANN / 01.04.2010, 08:40 Uhr
Strausberg Der Berliner Christian Haase ist ein moderner Pilgerer. So hatte er über das Internet angekündigt, von Sonntag an auf dem Jakobsweg von Frankfurt (Oder) nach Berlin unterwegs zu sein. Ob er die Südroute über Fürstenwalde und Erkner oder die Nordroute über Müncheberg und Strausberg nehmen würde, war da noch offen. Seinen Bericht wird man demnächst auch nachlesen können - in seinem Blog (Tagebuch) unter www.ickglob ditnich.de. Zwischendurch hatte er Nachrichten per Handy abgesetzt und so auch Angebote für Unterkünfte auf der Südstrecke erhalten, doch da befand er sich nach einem Reisesegen mit Gesang von Silvia Scheffler in Sieversdorf schon nördlich.

Handy wie Armbanduhr verschwinden beim Laufen jedoch im selbst gemachten Pilgerbeutel, einem umfunktionierten Einkaufsbeutel aus Stoff, den er mit einem Trageriemen versehen hat. Denn noch eines lag ihm diesmal besonders am Herzen: Weitgehend so zu laufen wie ein Pilgerer im Mittelalter. Fündig geworden ist er dafür in entsprechenden Läden, hat sich einiges aber auch selbst einfallen lassen. So trägt er unter anderem Hemd, Tunika und Hose aus Leinen, darüber einen Wollmantel. Die Fibel - Knöpfe gab es in der Zeit ja noch nicht -, die den Mantel zusammenhalten sollte, hat er wieder abgemacht. "Einfach unpraktisch, die ist ständig abgefallen", begründet er. Eine weitere Ausnahme hat er unter Gamaschen versteckt: die Wanderschuhe. Lederschuhe wie im Mittelalter würden zu schnell verschlissen sein, meint der Neuköllner, der in dem Bezirk auch in der Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung tätig ist und versucht, Leute wieder in Arbeit bringen.

Sein Pilgern sieht er dazu als Ausgleich, aber nicht nur. Vor drei Jahren habe er überlegt, was ihm in der Freizeit noch Spaß machen könne und habe sich an das Wandern erinnert. Seither hat er verschiedene Pilgerwege ausprobiert. Schnell gerät er ins Erzählen. Etwas Abenteuerlust sei schon dabei, aber evangelisch getauft, sei dies für ihn auch jedes Mal eine Neupositionierung zu seinem Glauben. "Das hätte ich vorher nicht gedacht", gibt er offen zu und freut sich, dass er durch sein Gewand auch schnell mit Leuten ins Gespräch gekommen ist, die ihm unterwegs begegnet sind. Und dann erinnert er sich daran, dass ihm Familie Luckas in Philippinenhof morgens einen Zettel mitgegeben hat. "Dies sind meine Füße, ich kann nur so weit gehen, wie sie mich tragen" ist darauf ein Ausspruch des bekannten Regga e -Sängers Bob Marley zu lesen. "Das passt doch", meint der 41-Jährige am Dienstagabend, bevor er in Strausberg in die S-Bahn steigt.

Im Mai, wenn das Wetter besser ist, will er noch einmal kommen, um bessere Fotos machen zu können. Mit der vorösterlichen Tour, Auftakt zu seinen diesjährigen Pilgertouren, ist er dennoch zufrieden. Auch, weil er nicht wie 2008 bei Bad Wilsnack im Schneesturm abbrechen musste. Und trotz eines ungewollten Umwegs wegen fehlender Ausschilderung bei Hoppegarten ist er sogar einen Tag früher als gedacht am Ziel.

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