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Retter fordern neues Schneidgerät

Marco Marschall / 08.04.2011, 18:43 Uhr
Heckelberg (In House) Nach dem schweren Unfall auf der B 158 vor zwei Wochen, dringt der Brandschutzausschuss von Falkenberg-Höhe auf die Anschaffung eines neuen Rettungsgeräts. Durch die Kosten könnte die Sanierung einzelner Ortswehren kippen, und auch die Anzahl der Standorte steht zur Debatte.

Der 31. März hat etwas verändert. Bei einem Frontalzusammenstoß zweier Autos auf der B158 kommt eine 54-jährige Frau aus Leuenberg in ihrem Renault Clio ums Leben. Der 58-jährige Fahrer eines Mercedes wird schwer verletzt. Er muss aus der Kabine seines Fahrzeugs freigeschnitten werden. Doch beim Einsatz des Schneid -und Spreizgerätes der Löschgruppe aus Leuenberg wird deutlich: Das Gerät ist veraltet, stößt bei den heutigen Herausforderungen, wie verstärkten Fahrgastzellen, an seine Belastungsgrenze.

Auch die mit angerückte Feuerwehr aus Werneuchen (Barnim) – der Unfall ereignete sich in der Nähe der Kreisgrenze – benötigt mit ihrem moderneren Gerät noch etwa eine Stunde, um den Fahrer des Mercedes freizuschneiden. Die Fahrerin des Renault ist bereits bei Eintreffen der Einsatzkräfte nicht mehr am Leben.

Am vergangenen Donnerstag wurde infolge des Ereignisses auf der Sitzung des Brandschutzausschusses des Amtes Falkenberg-Höhe nun über die Anschaffung eines neuen Rettungsgerätes für die Feuerwehr Leuenberg diskutiert. Mehrere Ausschussmitglieder sprachen sich während der Sitzung für eine solche aus. Es sei „beschämend“, äußerte sich Ausschussmitglied Wolfgang Düvier, wenn man in solch einem Fall amtsübergreifend Feuerwehren alarmieren müsse. Auch Amtsbrandmeister Ingo Köhler machte deutlich, dass das vorhandene fast 20 Jahre alte Gerät so schnell wie möglich ersetzt werden müsse. Dieses müsse in Leuenberg lagern, da hier die meisten Unfälle passierten. Werneuchen könne die technische Hilfeleistung allein auf Dauer nicht bewerkstelligen.

20 000 Euro, so kalkuliert der stellvertretende Amtsdirektor Holger Horneffer, seien die Kosten für ein modernes Schneid -und Spreizgerät. Angesichts der Haushaltslage müsse aber klar sein, dass mit der Anschaffung, geplante Instandhaltungsmaßnahmen der Gerätehäuser der einzelnen Wehren des Amtes zurückgestellt werden müssten. Ausschussmitglied Maik Hölzer warf auch die Frage nach der Notwendigkeit von neun Feuerwehrstandorten im Amt auf. „Es bringt nichts ein Prunkhaus hinzustellen und zu versuchen, Autos mit der Nagelschere aufzuschneiden“, so Hölzer.

Einvernehmlich empfehlen die Abgeordneten nun die Brandschutzkonzeption des Amtes zu relativieren. Die darin vorgesehenen Aufwendungen für die Gerätehäuser sollen an die Notwendigkeit gegenüber der Anschaffung des Rettungsgeräts und die Frage nach ihrem langfristigen Erhalt gebunden werden. Zudem solle, bis das neue Gerät da ist, zu den Einsätzen künftig immer die Feuerwehr aus Falkenberg mit anrücken, die über ein etwas moderneres Rettungsgerät verfüge, so Holger Horneffer.

Angesichts der Enthüllungen über illegale Preisabsprachen bei Herstellern von Feuerwehrfahrzeugen, würden derzeit auch Schadensersatzansprüche als Einnahmequelle zur Sanierung der Wehren geprüft. Acht der insgesamt zehn Fahrzeuge im Amt fielen in den Zeitraum der Absprachen, informierte der stellvertretende Amtsdirektor. Den Beschluss über die Anschaffung des Rettungsgerätes für Werneuchen hält Horneffer für gesichert. Schließlich sei es für die Einsatzkräfte das Schlimmste, wenn sie vor Ort nicht helfen könnten.

Die Bilder des Einsatzes vor zwei Wochen, seien laut Leuenberger Ortswehrführer Robert Müller, besonders verheerend gewesen, sodass ein Team der Notfallseelsorge angefordert werden musste. In einem Brief bedanken sich die Einsatzkräfte bei den Seelsorgern auch für die Verarbeitung der Eindrücke in späteren Gesprächen.

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Schneidgerät Ingo Köhler Brandschutzausschuß Holger Horneffer Feuerwehrstandort

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