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Himmlischer Honig

Imker Frank Hinrichs stellt am Dienstag (19.04.2011) auf dem Dach des Berliner Doms in Berlin zwei Bienenkörbe auf.
Imker Frank Hinrichs stellt am Dienstag (19.04.2011) auf dem Dach des Berliner Doms in Berlin zwei Bienenkörbe auf. © Foto: MOZ/Henning Kraudzun
Henning Kraudzun / 19.04.2011, 20:11 Uhr
Berlin (In House) 40 000 Bienen bevölkern seit Dienstag das Dach des Berliner Doms. Von dort aus fliegen sie in die umliegenden Parks und sammeln fleißig Nektar. Bis zu 40 Kilogramm des göttlichen Honigs sollen im Sommer verkauft werden.

Kaum hat der Imker die zwei Holzkisten geöffnet, krabbeln einige Bienen ins Sonnenlicht. Nach dem Winter sind sie noch träge, auch die Orientierung ist ein Problem. Zumal die Insekten jetzt in völlig ungewohnter Umgebung ihrer Arbeit nachgehen sollen: Die Bienenstöcke stehen auf dem Kupferdach des Berliner Doms, in 27 Metern Höhe, gleich neben einer Evangelisten-Skulptur, die Schatten spendet.

„Eine ideale Anflugschneise“, findet Frank Hinrichs, der Hobby-Imker. Er hat die Honigsammler aus Spandau mitgebracht, die schweren Kisten über zahlreiche Stufen nach oben geschleppt, vorbei an staunenden Touristen. Hinrichs, der eine Jugend-Hostel in Mitte betreibt, glaubt an den Standort. Er hofft auf einen intensiv schmeckenden Sommerhonig. „Wir haben hier ein kleines Kastanienwäldchen hinter dem Gebäude, Linden sind in der Nähe, viele Blumen. Das reicht.“

Überhaupt kann sich die Qualität des Stadt-Honigs sehen lassen, versichert der 43-Jährige. „Hier haben wir keine Pestizide, wie häufig auf landwirtschaftlichen Flächen“, erklärt Hinrichs. „Für die Biene ist das ein guter Lebensraum.“ Anfang Juni will er den ersten Honig schleudern, die zweite Ernte folgt Ende Juli. Insgesamt 40 Kilogramm sollen es werden. Der Honig soll dann im Dom-Shop verkauft werden.

Hinter der Aktion steckt die Initiative „Berlin summt“, das dem Aussterben der Wildbienen entgegenwirken will. Bislang wurden fünf prominente Standorte in der Hauptstadt mit Bienenstöcken bestückt, darunter das Schloss Charlottenburg, das Planetarium am Insulaner oder die Mensa der Humboldt-Universität. Im Mai folgt das Abgeordnetenhaus, verrät die Biologin Corinna Hölzer, die das Projekt betreut. Der dort gewonnene Honig soll dann an Staatsgäste verschenkt werden. „Bienen sind sympathische Botschafter für mehr Natur in der Stadt“, sagt sie.

In der Hauptstadt existieren noch 298 Bienenarten, ein Großteil sei jedoch vom Aussterben bedroht, erklärt Hölzer. Würmer, Pilze und vor allem die Varroa-Milbe setzen den fleißigen Insekten zu. Zudem fehlen an vielen Stellen natürliche Blumen, Zierpflanzen nützen den Honigsammlern meist nichts. Insgesamt leben laut Schätzungen von Experten 120 Millionen Bienen in Berlin, die von 560 Imkern gezüchtet werden. „Früher waren es mal doppelt so viele“, sagt die Biologin.

Die Bienen auf dem berühmten Gotteshaus werden sich bald eingelebt haben, versichert Hinrichs. Nach zwei Stunden haben sie schon die ersten Blüten gefunden und kehren in die Behausung zurück, um die Waben zu füllen. „Sie haben ihre Kundschafter, die werden einen Radius von drei Kilometern absuchen“, erklärt der Unternehmer, der vor zwei Jahren die Imkerei als Hobby für sich entdeckt hat. Seine Kollegen sind dabei nicht nur alte Herren. „Man spürt, dass Bienenzüchten langsam wiederentdeckt wird.“

Im Dom war man schnell von den summenden Untermietern begeistert. „Wir sprechen immer von der Bewahrung der Schöpfung, das ist mal ein konkreter Beitrag für die Umsetzung der Bibel“, sagt Pfarrer Alexander Höner. Das Dach des Gotteshauses biete schließlich ausreichend Platz. Attacken auf Touristen, die täglich zu Tausenden den Dom besuchen, befürchtet der Imker nicht. „Sie suchen Blüten und keinen Kuchen.“ Bienen würden nur in Bedrängnis stechen, ihm sei das unlängst passiert. Alle zwei Wochen wird er nach den Völkern schauen.

Zudem hat der Honig-Fachmann auch schon an anderer Stelle gute Erfahrungen gemacht. Sechs seiner Bienenstöcke stehen im Garten des Schlosses Bellevue. Beschwert hat sich der Bundespräsident bei ihm noch nicht.

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